Im Kemptener Prozess gegen einen ehemaligen Chef-Drogenfahnder ist die Herkunft der bei dem Beamten gefundenen 1,8 Kilogramm Kokain weiter ungeklärt. Der Kriminalbeamte will das Rauschgift schon vor Jahren bekommen haben. "Er gab an, das Kokain vor etwa zehn Jahren von der Staatsanwaltschaft erhalten zu haben", sagte eine Ermittlungsbeamtin des Landeskriminalamtes (LKA) am Freitag vor dem Landgericht Kempten.

Eine entsprechende Herausgabe an den Beamten aus der Asservatenkammer sei aber nicht dokumentiert. Für das psychiatrische Gutachten am Nachmittag wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Mit dem Urteil wird schon am Montag gerechnet.

Wer ihm die Drogen gegeben hat, weiß der Angeklagte eigenen Angaben zufolge nicht mehr. Zum Prozessauftakt hatte er zu Protokoll gegeben, sein Erinnerungsvermögen sei durch den Konsum von Drogen, Medikamenten und Alkohol beeinträchtigt.
Er wisse nur, dass ihm das Kokain zu dienstlichen Zwecken überlassen worden sei - "insbesondere für Schulungszwecke". Er habe es jedoch für sich verwendet. Auch die zuständigen Staatsanwälte und Mitarbeiter der Asservatenkammer hätten in ihren Vernehmungen angegeben, sich an den Vorgang nicht erinnern zu können, sagte die LKA-Beamtin.

Bei den Ermittlungen sei auch geprüft worden, ob der Angeklagte möglicherweise Kontakte zu kriminellen Milieus hatte - etwa zur Mafia oder zu Rockern. "Es gab keine Verbindung zu irgendwas", sagte die Zeugin. Es hätten sich auch keine Hinweise darauf ergeben, dass der Angeklagte mit den aufbewahrten Drogen Handel betrieben habe. "Er hatte keinen aufwändigen Lebensstil." Nach Angaben eines LKA-Gutachters, der das Kokain im Labor untersucht hatte, sind keine Rückschlüsse auf das Alter und die Herkunft der Drogen möglich.

Wegen Drogenbesitzes, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung seiner Ehefrau steht der 53 Jahre alte Kriminalbeamte vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, seine Frau vor einem Jahr gewürgt und vergewaltigt zu haben. Nach seiner Festnahme war in seinem Büro das Kokain entdeckt worden.

Die Verfahrensbeteiligten hatten am ersten Prozesstag einer Absprache zugestimmt. Dabei wurde für den Fall eines Geständnisses ein Strafkorridor von sechseinhalb bis sieben Jahren festgelegt. Bereits am Montag (9. Februar) soll das Urteil fallen. Da ein Sexualdelikt im Raum steht, hat der Vorsitzende in Aussicht gestellt, für die Plädoyers die Öffentlichkeit auszuschließen.