Die CSU muss bei der Bundestagswahl in Bayern deutliche Verluste hinnehmen und kommt auf ihr schlechtestes Ergebnis seit über 70 Jahren. Dennoch sind die Christsozialen weiter die stärkste Kraft im Freistaat. In München-Süd muss die Partei nun sogar ein Direktmandat abgeben - hier hat die grüne Direktkandidatin gewonnen. Während SPD, Grüne, FDP und Freie Wähler zulegten, verloren AfD und und Linke in der Wählergunst.

Update vom 26. September 2021, 9.10 Uhr: Söder greift Aiwanger gleich doppelt an

CSU-Chef Markus Söder hat Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger am Sonntagabend gleich doppelt angegriffen: Zum einen kritisierte der bayerische Ministerpräsident seinen Stellvertreter, weil dieser noch während der laufenden Stimmabgabe Zahlen aus einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen auf Twitter verbreitet hatte - verbunden mit dem Aufruf, die "letzten Stimmen" den Freien Wählern zu geben. Der Tweet war nach kurzer Zeit wieder gelöscht. SPD-Generalsekretär Arif Tasdelen forderte Ministerpräsident Söder auf, Aiwanger aus der Staatsregierung zu entlassen.

"Das geht überhaupt nicht", sagte Söder am Sonntagabend im BR Fernsehen. "Da muss man auch nochmal drüber reden, wie das da weitergeht." Er forderte von Aiwanger zugleich eine "Rückkehr zur Sacharbeit" und wieder einen Stil, der den Regierungsämtern, die man habe, gerecht werde. Die Regierungsarbeit in Bayern habe unter den Bundestagswahlkampf-Ideen der Freien Wähler gelitten, kritisierte der bayerische Ministerpräsident. "Das muss jetzt auch ein Ende finden."

Zudem machte Söder die Freien Wähler für die möglicherweise schwierige Regierungsbildung mitverantwortlich: "Hätten die Freien Wähler nicht so kandidiert, wie sie kandidiert haben, hätte es jetzt schon eine klare Mehrheit für ein bürgerliches Bündnis gegeben", sagte er. "Das geht leider jetzt, diese Verzögerung, auf das Konto der Freien Wähler."

Schlechtestes Ergebnis der CSU seit 1949

Bei der Bundestagswahl hatte die CSU nach dem vorläufigen Endergebnis das schlechteste Ergebnis seit 1949 eingefahren. Demnach erreichten die Christsozialen im Freistaat nur noch 31,7 Prozent. Das bedeutet ein Minus von rund sieben Prozentpunkten im Vergleich zur Bundestagswahl 2017. Auf Platz zwei kam in Bayern die SPD mit 18,0 Prozent, ein Plus von 2,7 Punkten. Die Grünen erzielten mit 14,1 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis im Freistaat, 4,3 Prozentpunkte mehr als vor vier Jahren. Die FDP gewann mit 10,5 Prozent leicht hinzu, die AfD verlor 3,4 Punkte und kam auf 9,0 Prozent. Die Freien Wähler erreichten in Bayern 7,5 Prozent, verfehlten aber ein weiteres Mal den Einzug in den Bundestag.

Die Christsozialen verloren damit zum zweiten Mal in Folge: 2017 war die CSU unter Söders Vorgänger Horst Seehofer mit 38,8 Prozent um mehr als zehn Prozentpunkte abgerutscht. Bei den vorangegangenen 19 Bundestagswahlen hatte die Partei nur ein einziges Mal schlechter abgeschnitten, beim allerersten Wahlgang 1949 mit 29,2 Prozent.

Ungeachtet der hohen Verluste konnte die CSU die Direktmandate in 45 der 46 bayerischen Wahlkreise holen, lediglich in München-Süd lag die Grünen-Kandidatin Jamila Schäfer vorn und sorgte damit für eine Sensation. Bei den letzten drei Bundestagswahlen hatte die CSU jeweils alle bayerischen Direktmandate geholt.

Die Ergebnisse der Parteien 

Nach Auszählung aller 46 Wahlkreise in Bayern steht folgendes vorläufiges Ergebnis fest:

  • CSU: 31,7 Prozent (2017: 38,8 Prozent)
  • SPD: 18,0 Prozent (15,3) 
  • Grüne: 14,1 Prozent (9,8)
  • FDP: 10,5 (10,2)
  • AfD:  9,0 (12,4)
  • Freie Wähler: 7,5 (2,7)
  • Linke: 2,8 (6,1)

Im Freistaat waren rund 9,4 Millionen Bürger zur Wahl aufgerufen. Viele von ihnen hatten ihre Stimme auch schon vorab per Briefwahl abgegeben - laut BR-Zahlen zeichnete sich ein Briefwahl-Anteil von rund 62 Prozent ab.

Künftig 116 Abgeordnete aus Bayern im Bundestag

Nach Zahlen des Bundeswahlleiters vom Montagmorgen werden künftig 116 Abgeordnete aus Bayern im Bundestag sitzen, ein Plus von acht.

45 Abgeordnete schickt die CSU, 23 die SPD. Die Grünen erringen erstmals ein Direktmandat bei einer Bundestagswahl im Freistaat und kommen auf 18 Abgeordnete.

Dahinter folgen die FDP mit 14, die AFD mit 12 und Die Linke mit 4 Mandaten.

Fränkische CSU-Stimmenkönigin

In Passau verlor Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer 16,8 Prozentpunkte - und holte seinen Wahlkreis trotzdem noch mit 30,7 Prozent.

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär verlor 12 Prozentpunkte, und gewann ihren Wahlkreis Bad Kissingen mit noch 39,1 Prozent der Erststimmen. 

Emmi Zeulner ist dagegen wieder Stimmenkönigin der CSU: Die Oberfränkin Emmi Zeulner fuhr das beste Erststimmen-Ergebnis für die CSU bei der Bundestagswahl ein. Im Wahlkreis Kulmbach erreichte die 34-Jährige am Sonntag nach dem vorläufigen Endergebnis 47,8 Prozent und sicherte sich zum dritten Mal hintereinander das Direktmandat. 

Die Reaktionen der Parteien

Markus Söder beanspruchte die Regierungsbildung für die Union und plädierte für eine Koalition mit Grünen und FDP. "Wir glauben fest an die Idee eines Jamaika-Bündnisses." Es brauche ein "Bündnis der Vernunft" in diesen schweren Zeiten. Nach den bundesweiten Hochrechnungen lag jedoch die SPD am Abend knapp vor der Union. Daher beanspruchte auch SPD-Landeschef Florian von Brunn das Recht zur Regierungsbildung für die Sozialdemokraten: "Ich würde sagen, das ist ein Auftrag an Olaf Scholz, die nächste Regierung zu bilden."

Mitregieren wollen sowohl die Grünen als auch die FDP. "Das Ergebnis, das sich abzeichnet, ist eindeutig ein Mandat für uns Grüne, Verantwortung zu übernehmen", sagte die bayerische Spitzenkandidatin Claudia Roth. Das bisher beste Ergebnis ihrer Geschichte stellt die Partei aber nicht zufrieden. "Wir haben tatsächlich mehr erwartet", sagte Roth im BR-Fernsehen, ebenso wie Bundestags-Fraktionschef Anton Hofreiter. Bei der FDP sagte deren Landesvorsitzender Daniel Föst: Die FDP sei zweistellig, und ohne sie sei praktisch keine Regierungskoalition möglich, sofern man eine erneute große Koalition ausschließe: "Und das begeistert uns", sagte Föst im BR.

Die von parteiinternen Streitereien geprägte AfD hatte auf 15 Prozent gehofft, verlor stattdessen aber deutlich Stimmen und lag laut zweiter Hochrechnung bei 10,5 Prozent. Der stellvertretende AfD-Landeschef Hansjörg Müller machte am Wahlabend seinen Rücktritt publik und attackierte die Landesvorsitzende Corinna Miazga und deren Unterstützer: "Hinterzimmerabsprachen und persönliche Beleidigungen ziehen sich durch die Vorstandssitzungen."

Debatte um Regierungsbildung

Schon am Sonntagabend war zwischen der Union und der SPD eine Debatte um die Bildung der künftigen Bundesregierung entbrannt. Während die SPD um ihren Kanzlerkandidaten Olaf Scholz aus dem Abschneiden einen Wählerauftrag für eine Koalition ohne die Union ableitete, betonten CDU und CSU, dass nur der Kanzler werden könne, wer im Bundestag die Mehrheit der Abgeordneten hinter sich vereine.

Bei der Bundestagswahl am Sonntag wurden die Unionsparteien abgestraft. Auch die einst in Bayern so unbesiegbar erscheinende CSU liegt nur noch leicht über der 30-Prozent-Marke. Parteichef Söder will in Berlin trotzdem weiter mitregieren. Nach dem Absturz der Union bei der Bundestagswahl wird der CSU-Vorstand bei einem Treffen am Montag (27. September 2021) um 10 Uhr nach einer Strategie suchen, um zumindest die Regierungsbeteiligung zu retten. Parteichef Markus Söder hatte bereits am Sonntag in Berlin für eine sogenannte Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP geworben.

Diese wäre neben einer erneuten Auflage der großen Koalition die einzige Möglichkeit für CDU und CSU, den Gang in die Opposition zu verhindern. In der Sitzung des CSU-Vorstands wird sich Söder ein Mandat für die anstehenden Gespräche abholen, um dort möglicherweise auch Kompromisse eingehen zu können, die der CSU weh tun könnten. Für die CSU geht es bei den Sondierungsgesprächen wie bei den danach möglicherweise anstehenden Koalitionsverhandlungen nicht nur darum, das Kanzleramt für CDU-Chef Armin Laschet zu sichern. Zugleich muss sie auch Inhalte wie Mütterrente durchsetzen, die schon im Wahlkampf auch in der CDU wegen Finanzierungsvorbehalten auf große Skepsis gestoßen waren. 

Update vom 27. September 2021, 0.45 Uhr: Sensation in Bayern - Grünen-Politikerin Jamila Schäfer holt Direktmandat in München-Süd

In Bayern gibt es eine Sensation bei der Bundestagswahl 2021. In München-Süd hat die Grünen-Politikerin Jamila Schäfer 27,5 Prozent der Erststimmen. Auf Platz Zwei ist Michael Kuffer mit 26,8 Prozent von der CSU. Bei den Zweitstimmen haben die Grünen sogar 26,4 Prozent - die CSU im Vergleich nur 23,6 Prozent. Damit haben die Grünen ein Plus von 9 Prozentpunkten gemacht. Die CSU hingegen ein Minus von 6,3.

Update vom 26. September 2021, 21 Uhr: Söder: "Ergebnis ist nicht ausreichend"

Söder verkündete am Sonntagabend in der "Berliner Runde" von ARD und ZDF: "Ja unser Ergebnis ist nicht ausreichend." Nach Söder liege dies auch ein Stück weit an den Freien Wählern, die stärker geworden sind. Aber: "Wir tragen immer alle gemeinsam die Verantwortung."

Der CSU-Chef sieht in den vorläufigen Ergebnissen der Bundestagswahl vor allem ein Misstrauensvotum gegen SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Söder meint: "Die Deutschen möchten nicht Rot-Rot-Grün." 

Hätte die Union mit Söder als Kanzlerkandidat besser abgeschnitten? Söder wiegelt ab: "Das ist wirklich Schnee von gestern. Ich habe großen Respekt vor Armin Laschet."

Für CSU-Chef Söder dürften die kommenden Wochen anstrengend werden: Nicht nur, dass er sich intensiv bei den Sondierungsgesprächen in Berlin einbringen und seine Partei weiter erneuern muss. Er muss auch im Freistaat die Fäden in der Hand behalten, in der Bayern-Koalition mit den Freien Wählern ist im Wahlkampf viel durcheinander geraten. Und - diese Erfahrung hat Söder schon beim Asylstreit mit der CDU vor Jahren selbst machen müssen - Streitigkeiten werden von den konservativen Wählern in besonderer Weise abgestraft.

Update vom 26. September 2021, 20.10 Uhr: Bundesverkehrsminister Scheuer über Wahlergebnis besorgt

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat sich zwar erleichtert über die Ergebnisse des bürgerlichen Lagers auf Bundesebene gezeigt, macht sich aber zugleich Sorgen ob der AfD-Anteile in seiner Heimat. "Das besorgt mich sehr - besorgt mich sehr, weil es dick über 15 Prozent ist", sagte der niederbayerische CSU-Bezirkschef am Sonntagabend im BR-Fernsehen. "Und in manchen Bereichen wundert man sich schon sehr drüber, weil wir sehr hart uns abgegrenzt haben."

Zu seinem eigenen Ergebnis sagte er: "Ich hatte 3,5 brutal harte Jahre und wurde auch von der Opposition ziemlich unsanft angepackt, das wird sicherlich seine Auswirkung gehabt haben." An den vielen Investitionen und Förderungen gerade für Bayern und seine Heimat habe es sicher nicht gelegen.

Update vom 26. September 2021, 20 Uhr: Zweite Hochrechnung - Bayerns kleinster Ort Chiemsee ausgezählt

Die CSU hat bei der Bundestagswahl in Bayern laut neuer Hochrechnung das schlechteste Ergebnis seit über 70 Jahren eingefahren. Nach den Zahlen von Infratest dimap im Bayerischen Rundfunk erreichen die Christsozialen unter Parteichef Markus Söder 32,5 Prozent, im Vergleich zu 2017 wäre das ein Verlust von 6,3 Prozentpunkten.

Die SPD kommt laut der Hochrechnung von 19.34 Uhr mit 17 Prozent auf Platz zwei, ein Plus von 1,7 Prozent. Die Grünen erzielen demnach mit 13,7 Prozent knapp vier Prozentpunkte mehr als 2017, das wäre das bislang beste Ergebnis in Bayern. Die FDP gewinnt mit 10,7 Prozent leicht hinzu, die AfD verliert laut Hochrechnung 1,9 Prozentpunkte und kommt auf 10,5 Prozent. Die Freien Wähler können demnach in Bayern mit 6,3 Prozent rechnen, die Linke bleibt mit 2,7 Prozent weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.

In Chiemsee, dem der Einwohnerzahl nach kleinsten Ort Bayerns, liegt das Ergebnis der Bundestagswahl bereits vor. Nach der Schnellmeldung der Gemeinde im Landkreis Rosenheim, zu der die Fraueninsel und die Herreninsel gehören, liegt die CSU vorne. Zweitstärkste Kraft wurden die Grünen. Die Wahlbeteiligung lag um fulminante 90 Prozent - das sei hier aber immer so, hieß es.

Der Schnellmeldung zufolge wählten 57 von 137 Wählern mit der Zweitstimme die CSU, rund 41,6 Prozent. Die Grünen erzielten 26 Stimmen (knapp 19 Prozent). SPD und FDP lagen mit 15 Wählerstimmen gleichauf. 13 Stimmen gab es für die Freien Wähler. Drei Kreuzchen erhielt die AfD und eines die Linke.

Die Briefwahlstimmen waren laut Gemeinde bereits im Ergebnis aufgenommen. Wahlberechtigt waren 152 Menschen. Nun müssten die Wahlunterlagen per Schiff an Land gebracht werden, um das Ergebnis zu überprüfen.

Update vom 26. September 2021, 19.40 Uhr: Claudia Roth fordert grüne Regierungsbeteiligung ein

Die bayerische Grünen-Spitzenkandidatin Claudia Roth fordert für ihre Partei nach den Stimmgewinnen bei der Bundestagswahl eine Regierungsbeteiligung. "Das Ergebnis, das sich abzeichnet, ist eindeutig ein Mandat für uns Grüne, Verantwortung zu übernehmen", sagte Roth am Sonntagabend.

"Wir haben tatsächlich mehr erwartet", sagte die Grünen-Politikerin dem Bayerischen Fernsehen. Aber das Ergebnis sei ein Auftrag, Regierungsverantwortung zu übernehmen und für den Klimaschutz zu kämpfen. "Wer denn, wenn nicht wir, sind diejenigen, die für ein gutes Klima kämpfen?", sagte Roth.

In Bayern hätten die Grünen doppelt so viele Stimmen geholt wie vor vier Jahren und damit das allerbeste Ergebnis in ihrer Geschichte. "Ich habe ein sehr lachendes Auge", sagte Roth: "Doppelt so stark, bestes Ergebnis!" Außerdem warte sie noch, ob die Grünen Direktmandate in München und Nürnberg gewinnen.

Update vom 26. September 2021, 19.30 Uhr: Söder mit Ergebnis in Bayern unzufrieden

CSU-Chef Markus Söder hat an den historisch schlechten Zustimmungswerten seiner Partei zu knabbern, kann ihnen aber dennoch Positives abgewinnen. "Unser Ergebnis in Bayern gefällt uns nicht, ganz im Gegenteil, es ist kein zufriedenstellendes Ergebnis", sagte Söder am Sonntagabend in Berlin. "Aber es liegt doch deutlich über dem Bundesergebnis und ist zumindest ein substanzieller Beitrag." Für die CSU seien zwei Wegmarken wichtig gewesen: Über 30 Prozent in Bayern und über 5 Prozent bundesweit zu erreichen.

CSU-Chef Markus Söder hat sich nach der Bundestagswahl für ein "Bündnis der Vernunft" unter Führung von CDU-Chef Armin Laschet ausgesprochen. "Wir glauben fest an die Idee eines Jamaika-Bündnisses", sagte Söder am Sonntagabend in Berlin. Das sei allerdings kein Selbstläufer - es brauche ein "Bündnis der Vernunft" in diesen schweren Zeiten. Deshalb sei die CSU gemeinsam mit der CDU zu Gesprächen bereit. "Wir wollen gemeinsam in diese Gespräche gehen mit dem klaren Ziel, den Führungsauftrag für die Union zu definieren, dass Armin Laschet dann der Kanzler der Bundesrepublik Deutschland wird", betonte der CSU-Vorsitzende.

Update vom 26. September 2021, 19.15 Uhr: Erste Hochrechnung - CSU verliert stark, Grüne und SPD gewinnen

Nach den Zahlen von Infratest dimap im Bayerischen Rundfunk landen die Christsozialen unter Parteichef Markus Söder bei 32,8 Prozent, im Vergleich zu 2017 wäre das ein Verlust von 6 Prozentpunkten.

Die SPD kommt laut der Hochrechnung von 18.54 Uhr mit 16,5 Prozent auf Platz zwei, ein Plus von 1,2 Prozent. Die Grünen erzielen demnach mit 13,7 Prozent knapp vier Prozentpunkte mehr als 2017, das wäre das bislang beste Ergebnis in Bayern. Die FDP gewinnt mit 10,7 Prozent leicht hinzu, die AfD verliert laut Hochrechnung 1,5 Prozentpunkte und kommt auf 10,9 Prozent. Die Freien Wähler können demnach in Bayern mit 6,1 Prozent rechnen, die Linke bleibt mit 2,7 Prozent weit unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Reaktionen zur Bundestagswahl-Ergebnis: Grünen Fraktionschef Hofreiter - "Hätten uns mehr erhofft"

Der Grünen-Fraktionschef im Bundestag, Anton Hofreiter, ist mit dem Abschneiden seiner Partei in den Prognosen zur Bundestagswahl unzufrieden. Dem Bayerischen Fernsehen sagte er: "Wir hätten uns mehr erhofft." Jetzt gehe es darum, das Beste aus dem Ergebnis zu machen. Erst einmal aber freue er sich, dass das Ergebnis der Grünen deutlich stärker sei als bei der vorherigen Bundestagswahl. Auf die Frage nach der favorisierten Koalition antwortete Hofreiter zurückhaltend: Der Wahlabend werde noch spannend, erst müsse man schauen, "was insgesamt raus kommt". Hofreiter trat auf Platz 2 der bayerischen Landesliste an.

Blume - Zahlen "nicht zufriedenstellend"

In der CSU löst das mutmaßlich schlechteste Abschneiden der Partei bei Bundestagswahlen seit mehreren Jahrzehnten Enttäuschung aus. "Was das CSU-Ergebnis betrifft, so sind das natürlich Zahlen, die können in absoluter Höhe nicht zufriedenstellen", sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume im Bayerischen Fernsehen.

Nach der Prognose des Senders lag die CSU bei 33 Prozent - schlechter abgeschnitten hatte die Partei lediglich bei der allerersten Bundestagswahl 1949. Blume betonte jedoch, dass manche Umfrage im Vorfeld nun "eines Besseren belehrt" worden sei. Ein Linksrutsch in Deutschland habe "in diesem Ausmaß" nicht stattgefunden.

Von Brunn sieht Regierungsauftrag bei Olaf Scholz

Der bayerische SPD-Landtagsfraktionschef Florian von Brunn hat aus den Prognosezahlen zur Bundestagswahl einen klaren Anspruch abgeleitet: "Ich würde sagen, das ist ein Auftrag an Olaf Scholz, die nächste Regierung zu bilden in Deutschland", sagte er in einer ersten Reaktion kurz nach 18.00 Uhr im BR-Fernsehen. "Die Angstkampagne der Union, die eigentlich nur überdecken soll, dass sie zu wenige Inhalte haben, ist nicht aufgegangen."

Erste Prognosen zur Bundestagswahl für Bayern

Das wäre das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl seit 1949 - damals hatte die CSU mit 29,2 Prozent das bislang schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte erzielt. 2017 war die CSU - nach einem Absturz um mehr als zehn Prozentpunkte - auf 38,8 Prozent gekommen.

Die SPD kann der BR-Prognose zufolge in Bayern mit 16,5 Prozent rechnen, die Grünen landen demnach bei 14 Prozent. Die FDP erreicht laut Prognose 11 Prozent, die AfD 10 Prozent. Die Freien Wähler können den Zahlen von 18.00 Uhr zufolge mit 6 Prozent rechnen, die Linke mit 3 Prozent.

Im Freistaat waren rund 9,4 Millionen Wahlberechtigte zur Wahl des neuen Deutschen Bundestages aufgerufen. Viele von ihnen hatten ihre Stimme auch schon vorab per Briefwahl abgegeben - laut BR-Zahlen zeichnete sich ein Briefwahl-Anteil von rund 62 Prozent ab.

In Bayern traten laut Landeswahlleiter 967 Kandidatinnen und Kandidaten auf 26 Landeslisten und als Wahlkreiskandidaten an.

Die CSU muss erstmals seit Jahren den Verlust von Direktmandaten fürchten: Insbesondere in München und Nürnberg machen sich SPD und Grüne Hoffnungen, der CSU einen oder mehrere der insgesamt 46 Wahlkreise im Freistaat abzujagen. Bei der Bundestagswahl 2005 hatte die CSU letztmals nicht alle Direktmandate in Bayern holen können - damals war der Wahlkreis München-Nord an die SPD gegangen.

Die SPD war 2017 in Bayern auf 15,3 Prozent gekommen. Die Grünen holten 9,8 Prozent, die FDP erreichte 10,2 Prozent, die AfD 12,4 Prozent, die Linke 6,1 Prozent, und die Freien Wähler kamen auf 2,7 Prozent.

Mit Material von dpa

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