Unbekannte haben in der Nacht zum Donnerstag ein künftiges Asylbewerberheim in Oberbayern angezündet. Wie die Polizei mitteilte, wurde am frühen Morgen an zwei Eingängen des Gebäudekomplexes Feuer gelegt.

Schmierereien seien nicht gefunden worden. "Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen", sagte aber Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer. "Wenn es zwei Brandherde gibt, ist das ein deutlicher Hinweis auf Brandstiftung", betonte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Rande der Landtagssitzung in München. "Ich bin empört und erschüttert über die hinterhältige Straftat", meinte der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillenbrand.

Von den mutmaßlichen Brandstiftern fehlte nach Polizeiangaben zunächst jede Spur, eine Sonderkommission wurde gegründet. Außerdem wurden Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamtes in München in die Ermittlungen eingebunden, ein Brandspürhund war vor Ort.

Etwa um 2.50 Uhr in der Nacht hatte ein Nachbar die Einsatzkräfte alarmiert, weil er das Feuer in dem leerstehenden Gasthaus in Reichertshofen (Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm) entdeckt hatte. Die Ermittler stellten dann fest, dass am Haupteingang des Gasthofes und auch am Nebengebäude der Brand gelegt wurde.

Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell unter Kontrolle bringen. Der Diskotheken-Gastraum des früheren Landgasthofs brannte völlig aus, der Sachschaden beträgt mindestens 150.000 Euro. Das angrenzende Wohnhaus, in dem vom 1. September an Flüchtlinge untergebracht werden sollten, wurde weniger stark beschädigt.

67 Asylbewerber sollten in der geplanten Unterkunft eine Bleibe finden - und das gilt nach Angaben von Landrat Martin Wolf (CSU) auch weiterhin. "Das soll ein Signal an die Täter sein." Spuren des Brandes sollen bis dahin vollständig beseitigt sein. Wenn es länger dauert, werde sich der Einzugstermin verschieben. Im Hauptgebäude gebe es nur Rauch- und Rußschäden, die leicht zu beseitigen seien.

Hillenbrand betonte, die ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen müsse weitergehen. "Sie ist wichtiger denn je." Der Bürgermeister von Reichertshofen, Michael Franken, hofft, "dass ein Ruck durch den Ort geht nach dem Motto: Jetzt erst recht".

Im Ort hatte es vor einigen Monaten noch hitzige Diskussionen über die Unterkunft gegeben. "Es gab Proteste aufgrund des geplanten Umfanges einer Unterbringung", sagte ein Polizeisprecher. Ursprünglich hätten mehr als 100 Asylbewerber dort einziehen sollen, die Zahl sei aber dann reduziert worden.

Vor etwas mehr als einem halben Jahr hatten im mittelfränkischen Vorra zwei geplante Flüchtlingsunterkünfte gebrannt.
 
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Auch in anderen Teilen der Bundesrepublik gab es Vorfälle dieser Art: Zuletzt wurde in den Nächten zum 11. und 12. Juli Schüsse auf Flüchtlingsheim in Böhlen bei Leipzig abgegeben. In der Nacht zum 1. Juli wurde eine geplante Flüchtlingsunterkunft im hessischen Mengerskirchen mit Schweineköpfen, Innereien und Schmierereien beschmutzt. Brandanschläge gab es auch im sächsischen Meißen, in Lübeck, in Limburgerhof in Rheinland-Pfalz und in Tröglitz in Sachsen-Anhalt.