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Umwelt

Borkenkäfer-Invasion in Franken: Darum breiten sich die Tiere in unserer Region am liebsten aus

Wie schon im Hitze-Jahr 2018 wird der Borkenkäfer auch in diesem Sommer ein Dauergast in Franken sein. Grund sind die optimalen klimatischen Bedingungen. Neben den zwei bekannten Art ist seit dem letzten Jahr eine dritte Käfer-Art eingewandert.
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Eine Aufnahme aus dem Reichswald im mittelfränkischen Nürnberg. Zahlreiche Borkenkäfer fallen dort über die Bäume her. Foto: Daniel Karmann/dpa
Eine Aufnahme aus dem Reichswald im mittelfränkischen Nürnberg. Zahlreiche Borkenkäfer fallen dort über die Bäume her. Foto: Daniel Karmann/dpa

Der Borkenkäfer erobert aktuell die Wälder Bayerns: Die Zahl der sogenannten "Buchdrucker" schnellt, ähnlich wie letztes Jahr, in die Höhe. Das Tier an sich ist für die Forstwirtschaft nichts Neues - was neu ist, ist die rasante Vermehrung. Experten sehen die Ursache für diese Entwicklung in der Wetterlage. Der Sommer 2018 war äußerst trocken und sehr warm. Ähnlich heiß wird auch der Sommer in diesem Jahr werden. Die Jahresdurchschnittstemperatur steigt an, so dass sich "Kupferstecher" sowie "Buchdrucker", bekannt als Borkenkäfer, massenhaft vermehren können. Der Temperaturanstieg sorgte 2018 zum Einen dafür, dass die Käfer drei Generationen durchbringen konnten und zum Anderen, dass die Bäume 2019 die Trockenheit des vergangenen Sommers noch nicht ganz verdaut haben - sie sind anfällig für Schädlinge. Die Wasservorräte im Boden sind nicht komplett aufgefüllt, da im Herbst 2018 mehrere Regenperioden ausblieben.

Borkenkäfer in der Region: Neue Art eingewandert

Neben den beiden bekannten Tieren scheint seit 2018 eine weitere Käferart ihr Unwesen in Franken zu treiben: Aus Osteuropa sei der Nordische Borkenkäfer ("Ips duplicatus") nach Deutschland gekommen. Dieser vermehre sich zügiger als auch aggressiver, so Bernhard Zürner, Forstdirektor am Amt für Landwirtschaft im unterfränkischen Bad Neustadt. Zürner spricht sogar davon, dass in Unterfranken nicht nur drei, sondern vier Generationen der Käfer überlebt haben. Vor einigen Jahren waren zwei Generationen die Regel.

Auch in den oberfränkischen Kreisen Kronach und Kulmbach ist man alarmiert: Bereits Anfang Mai wurde vor dem Ausschwärmen der Borkenkäfer gewarnt. Michael Schmidt, Bereichsleiter Forst in Kulmbach, prognostizierte das Erwachen aus dem Winterschlaf. Wärmebegünstigte Regionen, zum Beispiel niedrige Höhenlagen und Südlagen, seien zuerst vom Schwärmflug der Käfer betroffen, so Schmidt. Das Ausschwärmen in kältere Lagen verlagert sich auf Juni und Juli. Diese Baumarten sind bei Borkenkäfern beliebt:

  • Fichten
  • Kiefern
  • Lärchen
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft informiert regelmäßig über die Risikogebiete für Borkenkäfer-Befall in Bayern. In Franken sind folgende Gebiete besonders gefährdet (höchste Warnstufe):
  • Landkreis Kronach (Oberfranken)
  • Landkreis Lichtenfels (Oberfranken)
  • Landkreis Kulmbach (Oberfranken)
Ebenfalls gefährdet sind diese Gebiete (zweithöchste Warnstufe):
  • Landkreis Coburg (Oberfranken)
  • Landkreis Forchheim (Oberfranken)
  • Landkreis Bamberg (Oberfranken)
  • Landkreis Neustadt/Aisch (Mittelfranken)
  • Landkreis Aschaffenburg (Unterfranken)
  • Landkreis Kitzingen (Unterfranken)
  • Landkreis Main-Spessart (Unterfranken)
  • Landkreis Rhön-Grabfeld (Unterfranken)

Borkenkäfer-Befall mindert den Holzpreis

Wird ein Baum von Borkenkäfern befallen, unterscheidet sich dieses Holz lediglich in einem Punkt von nichtbefallenem: Es verfärbt sich blau. Das befallene Holz ist genauso verwertbar. Es sei ebenfalls nagelfest und elastisch wie Frischholz, so Forstexperte Wolfgang Sailer zur Augsburger Allgemeinen. Was sich jedoch ändere, sei der Preis des Holzes. Es gebe aktuell einen Preisabschlag von 25 bis 30 Euro je Festmeter, so der Waldexperte.

Eichenprozessionsspinner, Schwammspinner: Welche Raupen sind gefährlich für den Menschen?

Mehrere Schädlinge beschäftigen dieses Jahr bereits die fränkischen Wälder. Bei Rock im Park in Nürnberg befiel beispielsweise der Eichenprozessionsspinner die Bäume. Aufwendige Reinigungsmaßnahmen, sogar während des Festivals waren nötig. Eine Krankenschwester aus München klagte selbst einige Zeit nach Rock im park über gesundheitliche Beschwerden. Neben dem Eichenprozessionsspinner sorgte auch der Schwammspinner für Aufregung. In Gunzenhausen fraßen die Tiere ein komplettes Waldstück kahl und fielen anschließend über das angrenzende Wohngebiet her: Bilder zeigen, wie die schwarzen, haarigen Raupen an den Hauswänden hängen.

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