In der Erde wühlen, im Schlamm suhlen oder einfach nur faul in der Hütte abhängen: So muss ein Schweineleben aussehen. Sechs schwäbisch-hallische Landschweine leben auf dem Grundstück der Eltern von Josef Ruisinger. Der Landwirtssohn aus Kunding bei Neuburg an der Donau möchte zeigen, dass anonyme Massentierhaltung nicht sein muss - und initiierte "pickapig.de". Anfangs war die Aktion im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. Ruisinger und seine Spezln wollten wissen, ob Fleisch von Schweinen, die in artgerechter Freilandhaltung aufwachsen, besser schmeckt als das aus Massentierhaltung.

Der 30-Jährige bestellte im Frühjahr die Ferkel bei einem Mastbetrieb. Der Rest der Clique baute die Futtermaschine, den Zaun sowie die Homepage und installierte das Netzwerk. Nun können Interessierte 24 Stunden täglich unter "www.pickapig.de" beobachten, wie glückliche Schweine leben. Der bayerische Bauernverband begrüßt solche Aktionen. "Es ist uns ein großes Anliegen, im Dialog mit den Verbrauchern zu stehen. Viele Bauern sind Botschafter für unsere Produkte und wollen möglichst viel Transparenz", sagt Brigitte Scholz vom Bayerischen Bauernverband. "Die Aktion aus Kunding ist allerdings natürlich eine sehr exotische Idee, die für größere Betriebe eher nicht machbar ist."

Bei Mausklick Futter


Die sechs männlichen, kastrierten Schweine scheinen keine Langeweile zu verspüren: Sie graben nach Würmern, Engerlingen und Eicheln, sie suhlen sich im Schlamm, kratzen sich an einem Baumstamm oder wühlen eine Mulde, in der sie stressfrei herumliegen. Ab und an klingelt ein Glöckchen. Dann hat irgendjemand auf der Welt - vielleicht sogar in den USA oder Australien, wie es schon der Fall war - einen Euro per Internet-Bezahldienst gezahlt. Prompt rieselt aus der Futtermaschine eine Weizen-Gerste-Erbsen-Mischung in den Futtertrog. Am Vormittag und vom späten Nachmittag an verspeisen die Tiere mit lautem Grunzen und Schmatzen ihr Festmahl. "Zwischen Mittag und 18 Uhr halten die Schweine lieber eine ausgedehnte Siesta", sagt Ruisinger.

Das Areal der Tiere ist etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld und von Eichen umringt. "Der ideale Platz für Schweine - die nach den heruntergefallenen Eicheln in der Erde wühlen und sich davon zum Teil ernähren", erzählt der 30-Jährige.

Im Herbst geht's zum Metzger


Trotz aller Zuneigung: Die Tage der Schweine sind gezählt. Im Herbst, wenn sie ihr Schlachtgewicht von etwa 110 Kilogramm erreicht haben, geht es zum Metzger. "Es war gar nicht so leicht, einen Metzger zu finden, der noch selber schlachtet. Die meisten bekommen ihre Ware vom Schlachthof - aber da wäre das Prinzip der Transparenz wieder dahin", sagt Ruisinger, im Hauptberuf Techniker im Außendienst.

Die schwarz-rosa gefleckten Borstentiere werden bei einem Metzger nahe Donauwörth geschlachtet, bei dem die Kunden das Fleisch selbst abholen müssen. "Ich kann das Fleisch aus lebensmittelhygienischen Bestimmungen nicht selbst verkaufen", sagt Ruisinger. Das Fleisch eines der Schweine behält er für sich und seine Spezln - schließlich wollten sie herausfinden, ob richtiges Biofleisch wirklich besser schmeckt.

Reich wird Ruisinger mit der Aktion nicht. Seine Ausgaben und die seiner Freunde bewegten sich bislang im vierstelligen Bereich, sagt er. Mit dem Verkauf des Fleisches hofft er, die Ausgaben ausgleichen zu können. "Aber uns geht es hauptsächlich darum, ein Exempel zu statuieren. Keiner weiß doch, wo so ein Stück Fleisch auf dem Teller herkommt und wie es produziert wird. Wir wollen zeigen, dass Transparenz möglich ist."