Die Bildungsgewerkschaft GEW hat die bayerische Schulpolitik in der Corona-Pandemie harsch kritisiert. "Es kann nicht sein, dass die Corona-Bekämpfung an den Schulen inkonsequent umgesetzt wird, nur weil man ein System künstlich am Laufen halten will, das in Wahrheit bereits zusammengebrochen ist", teilte der bayerische Landesverband am Mittwoch (25. November 2020) mit.

Das schon zum Ende der Sommerferien deutlich aufgeweichte, an die Infektionswerte gekoppelte Stufenmodell werde kaum noch umgesetzt. Auch stuften einige Gesundheitsämter Lehrer grundsätzlich nicht als enge Kontaktpersonen ein und schickten nur die Schüler einer betroffenen Klasse in Quarantäne, um Unterrichtsausfälle zu vermeiden.

Gesundheitsämter lassen Lehrer weiterarbeiten: Scharfe Kritik an Corona-Politik

Die dennoch bereits ausgedünnten Kollegien müssten nun eine Menge Stoff durchpauken und schnell Noten machen, hieß es. "Um die Chancenungleichheit in der Bildung nicht noch weiter zu verschärfen, wäre es dringend notwendig gewesen, benachteiligte Kinder aus sozial schlecht gestellten Elternhäusern ohne Angst und Notendruck zu fördern.

Besonders diese Kinder haben während den Schulschließungen oft den Anschluss verpasst", kritisierte der GEW-Landesvorsitzende Anton Salzbrunn noch während eines laufenden Schulgipfels mit Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) und Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Lehrpläne und Stundentafeln müssten unbedingt vorübergehend reduziert werden.

Die Bildungsgewerkschaft hat die vom Kabinett beschlossenen Klassenteilungen allerdings grundsätzlich begrüßt. Dass Klassen ab der Stufe 8 in Corona-Hotspots geteilt werden müssen, sei ein kleiner Erfolg, teilte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft am Donnerstag mit.

Bildungsgewerkschaft begrüßt Klassenteilung - allerdings nur "kleiner Erfolg"

Die Ankündigungen gehen der GEW allerdings nicht weit genug. Unverständlich sei, warum der Wechselunterricht erst ab Klasse 8 eingeführt werden solle und erst ab einem Inzidenzwert von 200. Das entspreche nicht den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI).

Die Gewerkschaft hatte in der vergangenen Woche einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht München eingereicht, um kleinere Klassen und die Wahrung des Mindestabstands gerichtlich durchzusetzen. Dies sei richtig gewesen, betonte die GEW nun. "Wir hoffen, dass es in den nächsten Tagen zu einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts kommt", sagte Martina Borgendale, Vizechefin der GEW in Bayern.

Die Maßnahmen reichten insgesamt nicht aus, um das Infektionsgeschehen deutlich zu minimieren. "Das Vorziehen der Winterferien um zwei Tage ist nicht mehr als Symbolpolitik", sagte Borgendale. "Den Schülertransport dagegen zu entzerren, ist eine notwendige und richtige Maßnahme."

Einsicht: Schulen und Kitas verbreiten Virus auch

Positiv sei, dass das Infektionsrisiko an Schulen endlich anerkannt werde. "Es scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass auch in Kitas und Schulen Infektionen verbreitet werden und die hohen Zahlen nur mit Veränderungen in diesen Bereichen in den Griff zu bekommen sind", hieß es in der Mitteilung.

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