771.700 Kinder wurden im Schuljahr 2021/2022 in Deutschland eingeschult. Das ist die höchste Zahl der Einschulungen seit 14 Jahren. Laut dem Statistischem Bundesamt haben 21.900 Kinder mehr mit der Schule begonnen als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Zuwachs von 2,9 Prozent. Die große Mehrheit der Kinder begann dieses Schuljahr in der Grundschule (93,6 Prozent). Danach folgten Förderschulen (3,0 Prozent), integrierte Gesamtschulen (2,4 Prozent) und freie Waldorfschulen (1,0 Prozent).

In integrierten Gesamtschulen werden alle Kinder unabhängig von ihren Fähigkeiten zunächst gemeinsam unterrichtet. Welchen Schulabschluss die Schüler*innen erreichen, entscheidet sich erst viel später und richtet sich nach dem individuellen Leistungsvermögen. Grundsätzlich können alle Abschlüsse bis zum Abitur an integrierten Gesamtschulen erreicht werden.

Weniger Schüler in Bayern

Hinter dem starken Anstieg der Schülerzahlen stecken demografische Entwicklungen wie zum Beispiel mehr Geburten in den jeweiligen Jahrgängen. 2014 wurden zum Beispiel etwa 33.000 Kinder mehr geboren als im Vorjahr. Ebenso im Jahr 2015 waren die Geburtenzahlen höher als sonst. Genau diese geburtenstarken Jahrgänge wurden in diesem Herbst eingeschult.

Die Anzahl der Einschulungen nach Bundesländern in diesem Schuljahr wird in der Grafik dargestellt. Von der reinen Anzahl her – die man im ersten Reiter der Grafik betrachten kann – gab es die meisten Einschulungen in Nordrhein-Westfalen. Hier wurden 170.900 Kinder eingeschult. Am wenigsten Schulanfänger*innen gab es im flächenmäßig kleinsten Bundesland Bremen. Die prozentuale Veränderung gegenüber dem Vorjahr wird im zweiten Reiter des Diagramms veranschaulicht. Hier fällt auf, dass in Bremen die Veränderung am größten war. Ganze sieben Prozent mehr Kinder wurden hier in diesem Jahr eingeschult als im Jahr zuvor. Danach folgt Bayern mit 5,3 Prozent Zuwachs. Thüringen ist das einzige Land mit einer negativen Veränderung. Im Vergleich zum Vorjahr gab es hier 0,8 Prozent weniger Einschulungen.

In Bayern ist die Schülerzahl seit dem Schuljahr 2004/2005 insgesamt eher rückläufig. Im letzten Jahr besuchten 1,64 Millionen Schüler*innen allgemeinbildende und berufliche Schulen im Freistaat. Die Zahl der Geburten ist zuletzt aber deutlich angestiegen.

Schülerzahlen werden in Zukunft wieder steigen

Laut einer Prognose des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus werden deshalb künftig auch wieder mehr Schüler zur Schule gehen. Im Schuljahr 2035/2036 wird die Zahl der Schüler*innen demnach bei rund 1,87 Millionen liegen. Diese Entwicklung zeigt auch folgende Grafik.

Die verschiedenfarbigen Linien im Diagramm stellen die voraussichtliche Entwicklung der Schülerzahlen je Schulart in Bayern dar. Die steigende Tendenz für die Zukunft lässt sich bei jeder Schulart nachverfolgen. Nur bei der Entwicklung der Schülerzahlen in den Grundschulen kann man gegen Ende der Prognose wieder eine leicht fallende Kurve erkennen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler am Gymnasium wird am stärksten zunehmen. Die Entwicklung an Realschulen und Haupt- bzw. Mittelschulen verläuft seit einiger Zeit relativ parallel zueinander. Volksschulen zur sonderpädagogischen Förderung bzw. Förderzentren verzeichnen einen sehr konstanten Verlauf über den gesamten Zeitraum hinweg.

Die demografischen Entwicklungen wirken sich zu unterschiedlichen Zeitpunkten bei den verschiedenen Schularten aus. So kann man bei den Grundschulen in Bayern in den Jahren nach der Jahrtausendwende einen deutlichen Rückgang der Schülerzahlen verfolgen bis hin zu einem Tiefpunkt. Danach steigt die Zahl in den Grundschulen wieder an. Der Tiefpunkt, der bei den Grundschulen schon weit zurückliegt, wird jetzt gerade bei den weiterführenden Schulen erreicht. Danach zeichnet sich auch dort ein erneuter Anstieg ab.

Eine Folge der steigenden Schülerzahlen: Lehrermangel

Wie die aktuelle Bayerische Lehrerbedarfsprognose zeigt, wird es in so gut wie allen Schularten künftig einen Mangel an Lehrkräften geben. So ist die Lage je nach Schulart:

  • Grundschulen: wegen der demografischen Entwicklungen wird schon bald mit deutlichen Engpässen an ausgebildeten Grundschullehrkräften gerechnet. Um dem entgegenzuwirken wurden zum Beispiel im Wintersemester 2020/21 die Zulassungsbeschränkungen für das entsprechende Studium ausgesetzt. Dadurch sollen dann bis zur Mitte dieses Jahrzehnts zusätzlich ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen.
  • Mittelschulen: hier wird es wahrscheinlich zu einem längerfristigen Mangel an Lehrkräften kommen. Ab Mitte des Jahrzehnts sollen deshalb neben anderen Maßnahmen zusätzlich auch Grundschhullehrkräfte an Mittelschulen eingesetzt werden.
  • Förderschulen: auch in den Förderschulen wird es in Zukunft nicht genügend Lehrerinnen und Lehrer geben. Hier sollen in ein paar Jahren ebenso Lehrkräfte der Grundschulen aushelfen. Langfristig sollen die Studienplatzkapazitäten in der Sonderpädagogik erhöht werden.
  • Realschule: bisher gab es für die Realschulen ein Überangebot an Lehrkräften. Dieses wird schon bald abgebaut sein. Bereits ab nächstem Jahr wird es dort einen dauerhaften Mangel an Personal geben. 
  • Gymnasien: In den meisten Fächerverbindungen gibt es bei den Gymnasien derzeit ebenso wie bei den Realschulen noch ein Überangebot. Dennoch kommt es hier im Jahr 2025 zu einem Sonderfall: Die Schüler des neuen neunjährigen Gymnasiums werden zum ersten Mal die 13. Klasse erreichen. Dadurch wird der Einstellungsbedarf dann mehr als doppelt so hoch sein wie sonst. Die Zahl der Studienanfänger im Gymnasiallehramt muss also auch hier zunehmen, damit der Bedarf in Zukunft gedeckt werden kann. Besonders gefragt werden Lehrkräfte sein, welche die Fächer Informatik, Physik oder Kunst unterrichten können.
  • Berufliche Schulen: wenig überraschend rechnen auch die beruflichen Schulen mit Engpässen in der Zukunft. Dennoch ist die Prognose hier optimistisch. Der Einstellungsbedarf sollte wohl trotz der Engpässe zumindest bei den beruflichen Schulen vollständig gedeckt sein.