Während der Krieg in der Ukraine unvermindert weitergeht, zeigen die Sanktionen des Westens gegen Russland Wirkung. Vor allem der russische Finanzmarkt wurde hart getroffen, der Handel an der russischen Börse ist seit Tagen ausgesetzt. Andererseits importiert der Westen und dabei insbesondere Deutschland weiter Erdgas und Erdöl aus Russland: Zwar würden Sanktionen im Energiesektor die russische Wirtschaft empfindlich treffen, doch die Auswirkungen in Europa wären noch dramatischer, so die Befürchtung. 

Auch Bayern unterhielt intensive wirtschaftliche Beziehungen mit Putins Russland. Waren im Wert von über 3 Milliarden Euro exportierte der Freistaat noch im Jahr 2021 gen Moskau. Insgesamt wurden im Gegenzug Waren im Wert von 6,3 Milliarden Euro aus der Russischen Föderation importiert, 5,68 Milliarden Euro entfielen dabei allein auf Erdgas und Erdöl. Damit machen Erdgas und -öl rund 90 Prozent der bayerischen Importe aus Russland aus.

Starke Abhängigkeit Bayerns im Energiesektor

Insgesamt führte Bayern im Jahr 2021 Erdgas und Erdöl im Wert von 12,58 Milliarden Euro ein. Der Anteil Russlands an den Importen liegt damit bei etwa 45 Prozent - der Freistaat ist in diesem Bereich also stark abhängig von den Einfuhren aus Russland. Auch sonst ist der Großteil der Importe aus Russland dem Rohstoffbereich zuzuordnen. Die wichtigsten Handelsgüter zeigt die folgende Grafik: 

Doch bayerische Unternehmen exportieren auch viele Waren nach Russland. Insbesondere Fahrzeuge, Maschinen sowie die zugehörigen Teile finden sich auf der Exportliste weit oben. Aber auch bayerisches Bier im Wert von über 66 Millionen Euro wurde im Jahr 2021 nach Russland geliefert. Übrigens: Im Gegenzug wurden zwar  Wodka und andere hochprozentige Alkoholika in den Freistaat geliefert - jedoch lediglich im Wert von knapp 1 Million Euro. 

Insgesamt exportierte Deutschland im Jahr 2021 Waren im Wert von 26,6 Milliarden Euro nach Russland - knapp 11 Prozent dieser Waren stammte demnach aus Bayern. Unten stehende Grafik zeigt, welche bayerische Waren am häufigsten nach Russland exportiert wurden. 

Wie wichtig ist der Handel mit Russland?

Abgesehen von der Abhängigkeit Deutschlands und Bayerns bei der Versorgung mit Gas und Öl ist die Bedeutung Russlands als Handelspartner zwar nicht gering, aber doch überschaubar. Zwar handelte Bayern im Jahr 2021 insgesamt Waren im Wert von 9,4 Milliarden Euro mit Russland (Import und Export) - jedoch entfiel, wie bereits gezeigt, mehr als die Hälfte dieses Wertes allein auf Erdöl und Erdgas. Und selbst mit Erdgas und Erdöl gingen lediglich etwas mehr als 2 Prozent der von Bayern gehandelten Waren nach Russland oder kamen von dort. 

Trotzdem werden einzelne Unternehmen natürlich stärker vom Konflikt getroffen, als andere. Denn neben den Folgen der Sanktionen ist es auch der Krieg in der Ukraine selbst, der nicht nur zu unermesslichem Leid vor Ort führt, sondern eben auch ökonomische Folgen hat. So musste beispielsweise der fränkische Automobilzulieferer Leoni zwei Werke in der Ukraine schließen. Auch Siemens ist betroffen, ebenso wie Schaeffler und viele andere Unternehmen  mit Verbindungen nach Osteuropa.

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