Die gleiche Frage wird immer wieder gestellt, nach jedem Unfall mit einem Falschfahrer: Warum? Für Experten ist die Antwort ebenso einfach wie ernüchternd. Gegen das "menschliche Versagen", das bei den Geisterfahrer-Unfällen der auslösende Faktor ist, hilft keine Technik.

Bayern hat als erstes Bundesland vor knapp zwei Jahren einen Pilotversuch gestartet, um die Autobahnauffahrten sicherer zu machen. Hier passiert in den meisten Fällen der entscheidende Fehler: Der Autofahrer fährt in falscher Richtung auf die Autobahn oder wendet kurz nach der Einfahrt, weil er sich verfahren hat. "Die erste Generation der Navigationsgeräte hat in so einem Fall ja sogar ,Bitte wenden' gemeldet", sagt ein Beamter der Autobahnpolizei in Schweinfurt/Werneck.

Vor dem Hintergrund der Häufung von Geisterfahrer-Unfällen mit vielen Toten in jüngster Zeit wie auf der A73 bei Hirschaid und jetzt auf der A5 ergibt sich für die Ordnungshüter ein gemeinsamer Nenner: "Hier hat nicht die Technik versagt, sondern der Mensch."

Wenn eines Tages Autos wie auf Schienen fahren und elektronische Sensoren das Gefährt steuern, könnten Geisterfahrten der Vergangenheit angehören. In Kalifornien laufen erste Feldversuche mit "Geisterautos" - die nicht etwa mit Fahrer in falscher Richtung unterwegs sind, sondern ohne Fahrer (fast) alles richtig machen.
"Zukunftsmusik" ist das für den ADAC-Sprecher Andreas Hölzel, der im Spagat zwischen individueller Mobilität und maximaler Sicherheit keinen Lösungsweg sieht, der beidem voll gerecht wird.

"Die Konstruktion unserer Autobahnauffahrten, kombiniert mit neuen und auffälligen Schildern, sollte dabei helfen, einen Großteil der Falschfahrten zu verhindern", sagt der Sprecher des Automobilclubs. Dass es in den USA oder auch in Italien deutlich weniger Geisterfahrer gibt als hierzulande, hat laut ADAC weniger mit technischer Finesse zu tun. In diesen Ländern gibt es Mautsysteme mit Bezahlstationen an allen Auffahrten. "Da in die falsche Richtung zu geraten ist faktisch unmöglich", sagt Hölzel.

Bezahlen ist das Stichwort bei der wieder aufgeflammten Diskussion um die Verhinderung von Geisterfahrten. Nach der Häufung schwerer Unfälle bemühen die Bundesländer das ganze bekannte Arsenal: Baden-Württemberg will die auffallenden "Stopp"-Schilder einführen, die in Südbayern auf zwei Autobahnen erprobt werden; in der Obersten Baubehörde in München geht man "tendenziell" davon aus, dass wohl alle 419 Anschlussstellen in Bayern Zug um Zug mit diesen Warntafeln ausgestattet werden. Hessen erwägt die Installation der umstrittenen Krallen an den Auffahrten: zu teuer, nicht immer wirksam, sagen Kritiker.

Andere technische Lösungsansätze gibt es bereits: In Lkw gehören Abstandssysteme schon zur Standardausstattung. Bei zu dichtem Auffahren ertönt erst ein Warnton, dann steigt das System in die Bremsen. Die neue S-Klasse von Mercedes hat ein System an Bord, das das Schild "Verbot der Einfahrt" erkennt und einen Warnton abgibt, wenn der Fahrer es ignoriert. "Wer allerdings das Schild nicht sieht, überhört den Ton vielleicht auch", ist man bei der Verkehrspolizei erst einmal skeptisch. Technik ist gut, doch den Faktor Mensch schaltet sie nicht aus.