Zu einem bayerischen Dorf gehört die Kirche, deren Turm schon weithin sichtbar ist. Aber ob in dieser Kirche noch regelmäßig Gottesdienste stattfinden? Der katholischen Kirche fehlen die Priester. Zahlreiche Menschen treten aus. Oft sind die Kirchenbänke höchstens noch an Weihnachten gut gefüllt.

Die Bistümer in Bayern reagieren mit Strukturreformen: Pfarrer bekommen größere Einheiten zugeteilt, Gottesdienstangebote werden ausgedünnt, Gemeinden zur engen Zusammenarbeit verpflichtet oder gar zusammengelegt.

Die Einschnitte sind schmerzhaft - vor allem für engagierte Laien, die sich mit einer ganz bestimmten Gemeinde verbunden fühlen. Aber auch für Priester, die oft nur noch von einer Kirche zur nächsten eilen, ohne Zeit für persönliche Gespräche zu haben.

In Augsburg flammt in diesen Tagen der Protest besonders heftig auf. Bischof Konrad Zdarsa will nicht nur, dass Pfarreien in großem Stil fusionieren - auch von Laien gefeierte Wortgottesdienste an Sonntagen soll es nicht mehr geben. Für eine Eucharistiefeier müsse ein Katholik eben auch einmal weitere Wege zurücklegen, fordert er. Die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil etablierten Pfarrgemeinderäte will er durch Pastoralräte ersetzen, die dann für größere Einheiten zuständig sind.

"Massive Abbauprozesse" hat die kirchenkritische Laienbewegung "Wir sind Kirche" festgestellt.

Die Kirche ziehe sich aus der Fläche zurück, sagt Sprecher Christian Weisner. Denn die Reform, die in Augsburg nun angepackt wird, sei ja kein Einzelfall. Alle Bistümer müssten reagieren. "Das ist eine traurige Sache", bilanziert Weisner.

"Wir brauchen größere Einheiten", sagt der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx. In dieser Frage seien sich die Bischöfe einig. Auch er hat seinem Erzbistum eine Umstrukturierung verordnet. Große Protestwellen, wie sie in Augsburg in diesen Tagen von enttäuschten Laien initiiert werden, sind bislang ausgeblieben. "Dem Glauben Zukunft geben" heißt das Projekt, mit dem Marx sein Erzbistum auch mit einer weiter sinkenden Priesterzahl zukunftsfest machen will. Aus den mehr als 750 Pfarreien zwischen Dachau und Berchtesgaden sollen 270 Seelsorgeeinheiten entstehen.

Bei derlei Neuordnungen muss das Gottesdienstangebot in den einzelnen Kirchen oft deutlich ausgedünnt werden. Das Kirchenrecht gestattet einem Priester die Feier von drei Heiligen Messen am Sonntag - inklusive Vorabendgottesdienst am Samstag.

Bei der Umsetzung der Reformbemühungen arbeiten Bayerns Bistümer längst nicht im Gleichschritt.

Zuständig sei ja der einzelne Bischof, betont Marx. Und so kommt der Reformprozess in Augsburg erst richtig in Schwung, während er beispielsweise Würzburg schon so gut wie abgeschlossen ist.

In Unterfranken ging es dabei verhältnismäßig geräuschlos zu.

In Würzburg, so sagt Bistumssprecher Bernhard Schweßinger, wollte man die Reform nicht per Dekret von oben verordnen. "Vielmehr führte der Weg über die Gespräche in den Pfarreien und Dekanaten, um die Betroffenen bei der Strukturreform auch mitzunehmen." Im Bistum Würzburg sei die Errichtung der Pfarreiengemeinschaften abgeschlossen. Es gebe 164 Pfarreiengemeinschaften und 16 größere Einzelpfarreien.

In Eichstätt hat Bischof Gregor Maria Hanke die Zahl der Dekanate von 15 auf 8 reduziert. Bereits seit 2003 arbeiten die 264 Pfarreien des Bistums in 52 Seelsorgeeinheiten zusammen. Und im Erzbistum Bamberg werden die einzelnen Gemeinden zu Seelsorgebereichen zusammengefasst. Pfarreiengemeinschaften, Seelsorgeeinheiten oder -bereiche: Die Begriffe sind unterschiedlich, die Ziele jedoch gleich - Gemeinden müssen sich den Pfarrer und das andere Seelsorge-Personal teilen.

"Wir sind Kirche" wünscht sich gerade im aktuellen Fall Augsburg mehr Unterstützung vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), der Laienvertretung der katholischen Kirche in Deutschland. Dass viele Katholiken in Augsburg in den kommenden Tagen zu Protesten aufrufen, sei ein ermutigendes Signal, findet Weisner. Er verweist auf das Beispiel Österreich. Dort seien es längst nicht mehr nur die Laien, die zum Widerstand gegen die Pläne, Dogmen und Regeln der Amtskirche aufrufen.

Eine Pfarrer-Initiative mit rund 400 Anhängern wehrt sich beispielsweise gegen die Überforderung von Priestern, die durch Pfarreien-Zusammenlegung entstehe. Zudem kritisiert die Initiative in einem Anfang des Jahres veröffentlichten Positionspapier "ein allzu hartes und unbarmherziges Urteil" des Kirchenrechts, wenn es um wiederverheiratete Geschiedene geht, um Homosexuelle und um Priester, die den Zölibat nicht einhalten. dpa