Selbst das Wetter hat größtenteils mitgespielt und mit einer gewitterfreien Sommernacht überrascht: Mehr als 130.000 Besucher des dreitägigen Bardentreffens verwandelten bis zum Samstagabend die Nürnberger Altstadt in eine riesige Partymeile. Auf acht Bühnen und zahlreichen Nebenschauplätzen verbreiteten Bands und Solisten aus aller Welt bei angenehm milden Temperaturen gute Stimmung - sie sorgten aber auch für nachdenkliche Momente. Lediglich am frühen Abend gab es kurze Regenschauer. Nach 20.30 Uhr war der Himmel dann klar.

Bis zum Ende des Liedermacher-Festivals am Sonntagabend erwartete der städtische Kultur-Projektleiter Andreas Radlmaier noch einmal mehr als 70.000 Besucher. Als Publikumsmagnet erwies sich am Samstagabend der mexikanische Popstar Julieta Venegas. Tausende Besucher versammelten sich auf dem Hauptmarkt, als das mexikanische Gegenstück zur kolumbianischen Pop-Ikone Shakira die Bühne betrat. Die 42-Jährige wandelte dabei zwischen musikalischen Extremen: Mal besang sie mädchenhaft zart tropische Nächte am Golf von Yucatan, mal geißelte sie eindringlich etwa Mafia-Machenschaften.

Am besten hat sich die Tradition des Liedermacher-Festivals allerdings auf den kleineren Bühnen erhalten. In der stimmungsvollen Ruine des Katharinenklosters bot zum Beispiel die 22 Jahre alte kanadische Sängerin Kyrie Kristmanson einen Songmix, der Folk mit mittelalterlichen Elementen vereinte. Zusammen mit neun anderen kanadischen Künstlern lieferte sie gemäß dem diesjährigen Festivalmotto "Canada in Concert" einen Einblick in die Nischen der Musikszene ihres Heimatlandes.

Bayerisch-fränkische Gastspiele


Aber auch Liebhaber der fränkisch-bayerischen Musikszene kamen bei dem kostenlosen sommerlichen Musikspektakel nicht zu kurz. Zu den Höhepunkten zählte dabei neben der bayerischen Kultband "Donikkl und die Weißwürschtl" ("Das Fliegerlied") auch das Bamberger "Kellerkommando". Die sieben Kerwa-Rapper begeisterten mit ihren Rock- und Rap-Versionen traditioneller Kerwa-Lieder ("Eieieiei die Goaß is weg"). Als Überraschung des Abends erwies sich die junge Nachwuchsband "Die Schleuse" aus der Fränkischen Schweiz. Die fünf Musiker überzeugten nicht nur mit ihren anrührenden Songs, sondern auch mit musikalischer Qualität.

Den besonderen Charme des Bardentreffens machten erneut die Straßenmusiker aus, die im Schatten der Hauptbühnen ihr Publikum suchten - und auch fanden. So war ein junger Schlagzeuger am Hans-Sachs-Platz mit seinen Percussion-Soli zeitweise von mehr als 200 Zuschauern umringt. Ein paar Steinwürfe weiter rockte eine Vier-Mann-Band zwischen Schmuckladen und Baustellencontainer unverdrossen gegen den Sound einer benachbarten Showbühne an. Projektleiter Radlmaier sagte: "Wir stellen fest, dass die Straßenmusiker immer professioneller werden - und überlegen, ob wir ihnen künftig eine eigene Bühne zur Verfügung stellen."