Augsburg
Gerichtsprozess

Jäger in Bayern schießt Hunden in den Kopf - Besitzerin übergibt sich "vor Entsetzen"

In Bayern hat ein Jäger zwei Hunde totgeschossen - auf brutale Art und Weise. Sie beiden Tiere hätten in seinem Gebiet gewildert. Jetzt ist der Mann seinen Jagdschein los - aber auch nur, weil er Einspruch gegen das erste Urteil eingelegt hatte.
Artikel drucken Artikel einbetten

Ein Jahr lang hatte sich der Jäger immer wieder über die beiden Hunde geärgert, die frei in seinem Revier unterwegs waren. Mehrfach sollen die Hündinnen Leni und Maja Rehe und Hasen erlegt haben. Als der 53-Jährige die Tiere im Juli 2018 wieder einmal erblickte, nachdem sie einen Hasen getötet hatten, fasste er einen folgenschweren Entschluss. Er fuhr den Hunden hinterher und erschoss sie, als die beiden Mischlinge schon auf dem Heimweg waren.

Mann wäre seinen Jagdschein los

Dafür ist der Mann am Mittwoch vom Amtsgericht Augsburg zu 4500 Euro Geldstrafe verurteilt worden (90 Tagessätze zu 50 Euro). Sollte das Urteil rechtskräftig werden, ist der Mann seinen Jagdschein los. Denn dieser wird üblicherweise bei einer Strafe über 60 Tagessätzen entzogen. Zu dem Prozess kam es, weil der Jäger gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt hatte. Mit dem nur über 55 Tagessätze ausgestellten Strafbefehl hätte er seinen Jagdschein behalten können.

 

Amtsrichter Roland Fink machte in seinem Urteil unmissverständlich klar, dass Jäger nur in ganz speziellen Situationen auf Hunde anlegen dürfen. Es reiche nicht, wenn ein Hund zuvor gewildert hat oder vielleicht morgen wieder wildern gehen könnte. Es sei zwingend, dass der Hund im Moment des Schusses erkennbar Tieren nachstellt.

Jäger widerspricht sich selbst

Der 53-Jährige behauptete vor Gericht zwar, dass es so gewesen sei, doch der Richter glaubte ihm nicht - unter anderem, weil der Jäger es in der Polizeivernehmung anders geschildert hatte. Zum Zeitpunkt der Schüsse sei noch nicht einmal erkennbar gewesen, ob überhaupt Wild in der Nähe gewesen sei, sagte der Richter. "Sie hatten die Hunde erschossen, weil sie Gelegenheit hatten."

Die beiden Mischlinge, ein Geschwisterpärchen, hatte ein schwäbischer Tierschutzverein 2016 aus Griechenland geholt und sie an eine Frau in Königsbrunn bei Augsburg vermittelt.

Doch die Hundehalterin hatte die unternehmungslustigen Vierbeiner nicht im Griff, immer wieder liefen sie in der Nähe des Bauernhofes, in dem die Besitzerin lebte, allein umher. Der 53-Jährige sagte vor Gericht aus, dass er die Halterin mehrfach gebeten habe, besser auf ihre Tiere aufzupassen. "Die Hunde jagen mit System", erklärte er. Er hatte auch schon gedroht, dass er Leni und Maja sonst irgendwann erschießen würde.

Jäger hätte Polizei und Ordnungsämter rufen müssen

Das Gericht kritisierte das Fehlverhalten der Hundehalterin ebenfalls. Richter Fink machte aber klar, dass der Jäger anders hätte reagieren müssen. Die Polizei und das Ordnungsamt wären zuständig gewesen, um das Ärgernis der freilaufenden Hunde abzustellen - doch bei beiden Behörden ging nie eine Beschwerde über die 38 Jahre alte Besitzerin ein.

Der Richter kritisierte auch, dass der Jäger bei den Schüssen auf die Hündinnen gegen weitere jagdrechtliche Vorschriften verstoßen habe. So legte der Mann aus seinem Wagen heraus an, dies ist nicht zulässig. Nach den Schüssen überzeugte er sich zudem nicht, ob die beiden Mischlinge wirklich tot waren. Die eine Hündin lebte tatsächlich noch, erst später gab der Jäger dem Tier einen Gnadenschuss in den Kopf.

Das Gericht sprach den 53-Jährigen letztlich wegen Sachbeschädigung, strafbarer Tiertötung und fahrlässiger Körperverletzung der Hundehalterin schuldig. Denn die Besitzerin der Hunde musste den Kopfschuss mit ansehen, die Frau übergab sich vor Entsetzen. Das Bürgerliche Gesetzbuch legt zwar inzwischen fest, dass Haustiere nicht mehr als Sachen anzusehen sind, im strafrechtlichen Sinn gelten Tiere aber weiter als Sachen, weswegen es in dem Prozess um Sachbeschädigung ging.

In Bayern sorgte vor wenigen Monaten ein ähnlicher Fall für Aufsehen: Ein Jäger hatte einen Mann in seinem Auto erschossen, als der gerade vorbeifuhr.