Albert Duin, Vorsitzender FDP Bayern, steht auf seiner Visitenkarte. Auf der Rückseite prangt sein Bild, das auch die lässige Pose eines Alt-Rockers sein könnte: Die graue Mähne zurückgekämmt, zieht er an der unvermeidlichen Zigarette - Gauloise, ohne Filter - , und auf dem T-Shirt steht: "Dein Leben, deine Freiheit." Während er mit seiner Partei noch an einer Programmatik für die nach nur fünf Jahren im Landtag wieder angebrochene Zeit in der außerparlamentarischen Diaspora bastelt, ist sein persönliches Programm klar: Es geht ihm um einen Staat, der Raum lässt für Freiheit, und um die Verantwortung, die daraus, möglichst staatsfern, erwächst für das Gemeinwohl.
Albert Duin - der Nachname wird "Dühn" ausgesprochen - ist nicht nur vom Habitus her eine Art Gegenentwurf zum konventionellen Polit-Funktionär: Anzug und Schlips nur, wenn es gar nicht anders geht, und ansonsten, auch in seiner
Münchner Firma, lieber Jeans und offenes Hemd. Unkonventionell auch sein Weg in die Landespolitik: Vor sieben Jahren trat der heute 60-Jährige in die Münchner FDP ein. Und dann fuhr er, zunächst ohne sonderliche Ambition, am 23. September zum FDP-Landesparteitag, bei dem, neben Wundenlecken nach dem Rauswurf aus dem Landtag, Kontinuität angesagt war: Der Bayreuther Thomas Hacker, Chef der nun nicht mehr existenten Landtagsfraktion, wollte und sollte neuer Landesvorsitzender werden.

"Das sind die Menschen, die schon wieder eine neue alte Planung vorbereitet haben", dachte Albert Duin und hielt dann, nicht geplant, eine flammende Rede, in der er dem "Weiter so" seine Forderung nach einem neuen Aufbruch, und zwar von unten nach oben, entgegensetzte: "Wir müssen die Menschen wieder überzeugen vom Freiheitswillen und von der Glaubwürdigkeit der FDP." Plötzlich stand Albert Duin, für die meisten Delegierten bis dato eine unbekannte Größe, wie kein anderer für diesen Aufbruch von unten nach oben - und wurde gewählt.

Und dann hielt Duin seine erste Pressekonferenz und erzählte - euphorisch, wie es seinem Naturell entspricht - viel von der Begeisterung, für die er steht, nachdem "die alte Garde in die Tonne getreten" wurde. Autsch. Das würde er, bei aller anhaltenden Euphorie, heute nicht mehr sagen. Vielmehr ist er bemüht, das ziemlich kaputte Verhältnis zu Thomas Hacker zu kitten.
Freunde werden die beiden nicht mehr, dazu sind die Unterschiede zu groß: Hacker, der sich gern gesehen hätte als seriöser Sachwalter und Sanierer des liberalen Trümmerhaufens, ist, gelinde gesagt, befremdet. Und Duin zeigt zwar Respekt vor Hackers Leistung als Fraktionschef ("Ihm zu folgen und sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen, das wäre der richtige Ansatz gewesen für alle unsere Abgeordneten"), aber: "Ein guter Politiker ist noch kein Parteileader." Leader. Als solcher sieht sich Albert Duin, aber einstweilen führt er einen ziemlich verlorenen Haufen. Das Ziel ist zwar klar ("Wir kommen zurück in den Landtag"), aber der Weg dorthin weniger. Die bayerischen Liberalen haben die Vorstellung ihres neuen Programms auf Juni verschoben, denn alle Kräfte waren und sind gebunden im Wahlkampf in den Kommunen und in Sachen Europa.

Also ersetzt Duin einstweilen die mühselige Programmarbeit durch das, was ihm ohnehin mehr liegt: "Ich bin viel unterwegs und versuche einfach, die Leute zu überzeugen und zu begeistern, und das gelingt mir sehr gut."
Die Sprüche hat er schon drauf. Am Aschermittwoch der bayerischen FDP umriss er die liberalen Konturen so: "Das Land braucht eine Kraft, die uns Bürger verteidigt, wenn die Sozis sich an unserem Einkommen bedienen, die Grünen uns umerziehen und die Konservativen uns überwachen wollen." Und was macht die bayerische FDP, wenn sie wirklich wieder in den Landtag kommt? Will sie gleich wieder mitregieren? "Das war sowieso ein Fehler", winkt Duin rückblickend ab: "Wir kommen neu in den Landtag, wollen dann als kleiner Partner einer ganz starken Partei mit in die Regierung und haben keine Ahnung, wie der Laden läuft. Eine gewisse Oppositionszeit ist immer vonnöten."