• Affenpocken in Bayern: Mittlerweile sechs Fälle gemeldet
  • Mehrere Fälle von Affenpocken in Deutschland nachgewiesen
  • Affenpocken-Fall in München: Kontaktpersonen in Quarantäne
  • Weitere Fälle in Europa und Israel nachgewiesen

In Deutschland sind inzwischen mehrere Fälle der Affenpocken nachgewiesen worden - und auch in Bayern gibt es bereits die ersten Infizierten. Am Donnerstag (2. Juni) wurde ein weiterer Patient im Bezirk Schwaben gemeldet. Er hat sich vermutlich im Urlaub infiziert. Damit sind inzwischen bayernweit sechs Affenpocken-Fälle bekannt. Wie ansteckend sind Affenpocken und wie gefährlich können sie werden?

Update vom 02.06.2022, 17.10 Uhr: Mittlerweile sechs Affenpocken-Fälle in Bayern

In Bayern gibt es mittlerweile ein halbes Dutzend Affenpocken-Fälle. Das Günzburger Landratsamt (Regierungsbezirk Schwaben) meldete am Donnerstag (2. Juni) einen weiteren Fall.

Der Patient habe sich vermutlich im Urlaub infiziert und befinde sich auf dem Weg der Besserung, teilte die Behörde mit. Er werde in einem Krankenhaus isoliert. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) berichtete in Erlangen, dass es mittlerweile sechs bestätigte Fälle einer Affenpockeninfektion im Freistaat gebe.

Update vom 24.05.2022, 18.44 Uhr: Zwei weitere Fälle von Affenpocken in Bayern bestätigt

In Bayern sind zwei weitere bestätigte Fälle von Affenpocken aufgetreten. Beide Patienten seien kürzlich unabhängig voneinander von einer Auslandsreise in den Freistaat zurückgekehrt, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstagabend (24. Mai) in München mit. Einer der beiden Patienten befinde sich nun in der München Klinik Schwabing. Der andere Fall wurde aus dem Landkreis Ansbach gemeldet, wo sich der Betroffene nun auch in Isolation befinde.

Am vergangenen Freitag war in der bayerischen Landeshauptstadt der bundesweit erste Fall von Affenpocken nachgewiesen worden. Bei dem nun neuen Fall aus München handele es sich aber nicht um eine Kontaktperson, betonte das Ministerium. Auch sonst waren keine Verbindungen der Patienten untereinander bekannt.

Bei allen dreien zeigen sich den Angaben zufolge die typischen Hautveränderungen, einen schweren Krankheitsverlauf gab es zunächst nicht. "Die neuen Fälle zeigen, dass wir wachsam bleiben müssen", sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetscheck (CSU). Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung werde aber derzeit als gering erachtet.

Affenpocken in mehreren Bundesländern registriert: Verlauf kann auch schwer sein

Anfang Mai war ein Affenpocken-Fall in Großbritannien nachgewiesen worden - Experten zufolge kursierte der Erreger da aber wohl bereits in vielen Ländern. Inzwischen sind weltweit deutlich mehr als 100 Fälle nachgewiesen. Auch aus mehreren deutschen Bundesländern wurden jüngst Infektionen gemeldet, darunter Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Das Virus verursacht nach Behördenangaben meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag, kann aber schwere Verläufe nach sich ziehen.

Update vom 24.05.2022: Vier Kontaktpersonen des Münchner Affenpocken-Infizierten in Quarantäne

Nach dem ersten Affenpocken-Fall in München sind dem Gesundheitsministerium zufolge vier enge Kontaktpersonen des Patienten in Quarantäne. Weitere bestätigte Fälle von Affenpocken oder Verdachtsfälle seien dem Ministerium bislang nicht gemeldet worden, teilte ein Sprecher am Montagnachmittag (23.05.2022) mit.

Der 26 Jahre alte Patient aus Brasilien wird im Schwabinger Krankenhaus in einem isolierten Zimmer behandelt. Er hatte sich selbst zur Untersuchung begeben und dann vier enge Kontaktpersonen benannt. Diese seien vom Münchner Gesundheitsreferat (GSR) über das Ansteckungsrisiko und Verhaltensregeln informiert worden, sagte der Ministeriumssprecher. Weil es sich um enge Kontaktpersonen handele, sei für sie Quarantäne angeordnet worden.

Der Mann war zuvor in Düsseldorf und Frankfurt am Main. Die Stadt Düsseldorf teilte mit, dass das Münchner Gesundheitsamt rekonstruiert habe, dass der Patient vor der eigentlichen Ansteckung in Düsseldorf gewesen sei. Er habe sich erst bei einem Zwischenstopp auf der Weiterreise nach München angesteckt.

Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) werden nach dem Auftreten erster Fälle von Affenpocken in Deutschland weitere Eindämmungsmaßnahmen vorbereitet. Mit dem Robert Koch-Institut (RKI) würden Empfehlungen zu Isolation und Quarantäne erarbeitet, sagte Lauterbach am Montag in Genf. Gesundheitsämter können laut RKI aber bereits Isolierung und Quarantäne anordnen.

Update vom 23.05.2022: Bayern für Bestellung von Impfstoffen gegen Affenpocken

Nach dem ersten Affenpocken-Fall in München und weiteren Fällen in Deutschland hat sich der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) im Gespräch mit dem TV-Sender "Bild" jetzt für Präventionsmaßnahmen ausgesprochen. Unter anderem hält er eine frühzeitige Bestellung eines Impfstoffes für sinnvoll.

"Ich glaube, es ist schon wichtig, dass wir Impfstoff jetzt auch ordern", sagte er dem Sender. Kontaktpersonen von Infizierten sollten laut dem Minister zuerst geimpft werden. Das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Wissenschaft diskutieren derzeit laut Holetschek über "Riegelimpfungen in diesem Bereich oder auch bei Menschen, deren Immunsystem nicht so stabil ist". Es gehe dabei nicht um eine Impfpflicht, sondern um präventive Maßnahmen und um die Frage, welcher Impfstoff am besten helfen könnte.

Holetschek erklärte, dass viele Bundesländer noch Pocken-Impfstoffe eingelagert hätten. Die Frage sei aber, ob der noch brauchbar sei. In Bayern stehe die Regierung bereits in Kontakt mit einem Unternehmen, das in diesem Bereich forsche und Impfstoffe produziere.

Update vom 22.05.2022: Weitere Fälle von Affenpocken in Berlin nachgewiesen - Experten rechnen mit weiteren Fällen

Nach den ersten in Deutschland nachgewiesenen Fällen von Affenpocken in München und Berlin rechnen Experten mit weiteren Infektionen. Eine große Ansteckungswelle ist hierzulande aber nicht zu erwarten. Davon gehen sowohl die behandelnden Ärzte des Patienten in München als auch die Behörden in Berlin aus. Derweil melden weitere Länder erste Infektionsnachweise wie Israel und die Schweiz.

Am Samstag (21. Mai 2022) berichtete die Senatsverwaltung für Gesundheit in Berlin von zwei Fällen der seltenen Infektion in der Hauptstadt. Es ist noch nicht bekannt, mit welcher der beiden bekannten Virus-Varianten sich die Betroffenen angesteckt haben. Eine entsprechende Genanalyse dazu laufe. Der Zustand der Patienten sei stabil, hieß es.

Am Freitag (20. Mai 2022) war bereits ein erster Fall von Affenpocken in München bekannt geworden. Der 26 Jahre alte Mann stammt aus Brasilien und leidet an der westafrikanischen, der milderen der zwei bekannten Virusvarianten. Ihm geht es nach Angaben seines behandelnden Arztes gut. Der Mann war von Portugal über Spanien nach München gereist und hatte sich zuvor in Düsseldorf und Frankfurt am Main aufgehalten.

Nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums in Nordrhein-Westfalen liegen Hinweise "auf mögliche Kontakte von Personen mit dem Affenpockenvirus" vor. Diesen Hinweisen werde nachgegangen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Samstag. Das Landeszentrum für Gesundheit stehe in engem Austausch mit dem Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger (STAKOB) am Robert Koch-Institut (RKI).

"Ich bin überzeugt, dass es insgesamt noch weitere Fälle in Deutschland geben wird", sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der infektiologischen Klinik des Schwabinger Krankenhauses auf Anfrage. Dort ist der Münchner Patient in einem Einzelzimmer mit vorgeschalteter Schleuse untergebracht. Die Klinik ist nach Wendtners Worten eines von sieben Zentren des STAKOB in Deutschland.

"Allgemein geht man davon aus, dass die westafrikanischen Affenpocken eine Sterblichkeit von insgesamt einem Prozent haben, das betrifft vor allem Kinder unter 16 Jahren", sagte Wendtner. "Man muss aber bedenken, dass diese Daten aus Afrika nicht zwingend übertragbar auf das Gesundheitswesen in Europa oder den USA sind, bei uns wäre die Sterblichkeit eher niedriger anzusetzen. Das ist eine Erkrankung, die meines Erachtens nicht das Potenzial hat, die Bevölkerung massiv zu gefährden." Infizierte Patienten seien etwa drei bis vier Wochen ansteckend.

Vorsicht sei bei immunsupprimierten Patientengruppen geboten, also solchen mit nur schwachen Abwehrkräften. "Dazu gehören beispielsweise HIV-Patienten ohne ausreichende medikamentöse Krankheitskontrolle, aber zum Beispiel auch Tumorpatienten mit schwerer Immunsuppression etwa nach Stammzelltherapie", sagte Wendtner. Es werde diskutiert, ob man diese Risikogruppen mit einer Impfung schütze. Seit 2013 ist in der EU demnach der Impfstoff Imvanex zugelassen.

"Wir gehen davon aus, dass die ältere Generation, die vor 1980 noch gegen die klassischen Pocken geimpft wurde, einen sehr hohen Schutz auch gegen Affenpocken hat, diese Menschen sind sehr wenig bis gar nicht gefährdet." Mit dem Medikament Tecovirimat gibt es zudem eine in der EU zugelassene Therapiemöglichkeit für die Affenpocken-Erkrankung.

Derweil steigt die Zahl der Länder, die Nachweise der seltenen Infektionskrankheit melden. Am Samstag teilte das Kanton Bern mit, dass in der Schweiz ein erster Fall nachgewiesen wurde. Auch in Israel ist ein Test nach Angaben des Gesundheitsministeriums positiv ausgefallen. In Australien, Kanada und den USA wurden ebenfalls in den vergangenen Tagen Fälle bestätigt - und damit in weiteren Weltregionen außerhalb Afrikas, von wo das Virus stammt.

Die meisten Fälle, die derzeit untersucht werden, verlaufen mild, wie am Freitag der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, mitteilte. Die kürzlich nachgewiesenen Infektionen seien atypisch, weil die meisten Betroffenen nicht nach West- oder Zentralafrika gereist seien, wo die Krankheit endemisch sei, heißt es in dem Statement Kluges. Auffällig sei auch, dass die meisten zunächst entdeckten Infektionen bei homosexuellen Männern nachgewiesen wurden. Dass die Fälle über Europa verteilt festgestellt werden, lege nahe, dass das Virus schon eine Weile weitergegeben werde.

Gesundheitsbehörden zufolge verursacht das Virus meist nur milde Symptome, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. In Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Übertragen wird das Virus vor allem über direkten Kontakt oder Kontakt zu kontaminierten Materialien.

Meldung vom 21.05.2022: Affenpocken in Bayern angekommen

Nach mehreren Fällen in Großbritannien ist jetzt auch der erste Fall von Affenpocken in Deutschland aufgetreten - und zwar in Bayern. Das Affenpockenvirus wurde zweifelsfrei nachgewiesen, der Patient zeigt die charakteristischen Hautveränderungen. Das teilte das Bundeswehrinstitut mit. Der aus Brasilien stammende Mann liegt isoliert in der München Klinik Schwabing. Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek hat jetzt in einer Pressemitteilung zu dem Fall Stellung bezogen.

Es handelt sich dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge um den ersten Affenpocken-Fall in Deutschland. Der Patient soll an der milderen westafrikanischen der zwei bekannten Virusvarianten leiden.

Das hat die Genom-Analyse des Erregers am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr ergeben, wie das bayerische Gesundheitsministerium am Samstag mitteilte. Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Bayern wird vom RKI und dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) derzeit als gering eingestuft. 

Holetschek: Derzeit werden Kontaktpersonen ermittelt

Bei dem Patienten handelt es sich um einen 26-jährigen Mann, der von Portugal über Spanien nach Deutschland eingereist ist und sich seit circa einer Woche in München aufhält. Vor seiner Ankunft in München war er in Düsseldorf und Frankfurt.

Holetschek betonte, dass das bayerische Gesundheitsministerium in engem Kontakt mit der Klinik und dem RKI stehe. Derzeit würden durch das Gesundheitsreferat der Stadt München weitere enge Kontaktpersonen ermittelt.

Kontaktpersonen würden informiert und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege der Affenpocken aufgeklärt. "Alle Gesundheitsämter Bayerns werden heute noch detailliert informiert“, so Holetschek in der Pressemitteilung. 

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