Bad Aibling
Zugkatastrophe

Zugunglück bei Bad Aibling: Bergung der Züge angelaufen

Nach dem Zugunglück bei Bad Aibling gehen die Ermittlungen weiter. Inzwischen wird niemand mehr vermisst.
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Feuerwehrleute stehen am 10.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern). Bei dem Unglück waren mindestens zehn Menschen getötet worden, es gab rund 80 Verletzte. Foto: Sven Hoppe/dpa
Feuerwehrleute stehen am 10.02.2016 an der Unfallstelle eines Zugunglücks in der Nähe von Bad Aibling (Bayern). Bei dem Unglück waren mindestens zehn Menschen getötet worden, es gab rund 80 Verletzte. Foto: Sven Hoppe/dpa
In Bad Aibling hat nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) am Mittwoch die Bergung der beiden verunglückten Züge begonnen. "Die Bergung der Regionalzüge in Bad Aibling kommt schrittweise voran", teilte die Bahn mit. Die ineinander verkeilten Züge sollen getrennt und dann in Teilen geborgen werden.

Zwei Spezialkräne aus Fulda und Leipzig waren dafür nach Oberbayern gefahren. Die Notfallkräne haben nach DB-Angaben eine Tragkraft von 160 und 60 Tonnen.

Die geborgenen Teile sollen nach Kolbermoor und Bad Aibling transportiert werden. Die Bahn geht davon aus, dass die Bergung der beiden Unfallzüge mindestens zwei Tage dauert. Anschließend soll die Fahrbahn repariert und die Oberleitung wieder montiert werden.



Zehn Männer sterben bei dem Zugunglück

Nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern mit zehn Toten rechnet die Polizei nicht mit weiteren Todesopfern. "Es wird niemand mehr vermisst", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwochvormittag.

Nachdem alle Personalien abgeglichen worden seien, dürfte sich kein Opfer mehr in den beiden Zügen befinden. "Es wird keine elfte Leiche geben." Der Sprecher war zudem zuversichtlich, dass alle Verletzten überleben werden. "Wir dürfen optimistisch sein."

Die Helfer gingen zunächst aber davon aus, dass sich ein weiterer Mensch unter den Trümmern befinde und nicht mehr am Leben sei. Die Einsatzzentrale hatte am Morgen berichtet, dass die sterblichen Überreste des Vermissten gefunden worden seien.

Die Ermittler stellten zudem die Identität von neun der zehn Opfer fest. Dabei handelt es sich ausschließlich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahren, wie Thalmeier sagte. Alle stammten aus der Region. Unter ihnen seien auch die zwei Lokführer sowie ein Lehr-Lokführer, der routinemäßig einen der beiden Männer auf seiner Fahrt begleitete. Die Opfer würden noch am Mittwoch in München obduziert, hieß es.


Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu Ermittlungen

Staatsanwaltschaft äußert sich nicht zu Ermittlungen Nach dem schweren Zugunglück in Oberbayern mit zehn Toten will sich die Staatsanwaltschaft Traunstein nicht weiter zum Stand der Ermittlungen äußern. "Zur genauen Ursache können derzeit noch keine Aussagen getroffen werden, die Ermittlungen stehen hier noch am Anfang", hieß es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern. Zu Informationen, wonach das Zugunglück auf menschliches Versagen zurückzuführen sein soll, wollte die Staatsanwaltschaft nichts sagen.

Die Bergungsarbeiten waren in der Nacht unterbrochen worden und sollten bei Tagesanbruch fortgesetzt werden. Die eingleisige Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist weiterhin gesperrt. Der Schienenersatzverkehr habe sich inzwischen "eingetaktet", teilte die Bayerische Oberlandbahn mit.

Die Bergung der Unglückszüge von Bad Aibling wird nach Einschätzung der Rettungskräfte noch mindestens zwei Tage dauern. Am Mittwochvormittag wurden zwei Bergezüge mit Kränen aus Fulda und Leipzig erwartet, wie der Einsatzleiter der Feuerwehr, Wolfram Höfler, sagte. Zunächst sollten Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) mit schwerem Schneidegerät versuchen, die Triebköpfe auseinanderzuschneiden und danach die Züge voneinander zu trennen

Derweil konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf die Suche nach der genauen Unglücksursache.

Erste Ermittlungen hatten ergeben, dass die Tragödie im oberbayerischen Bad Aibling durch menschliches Versagen ausgelöst worden war. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle. Bei dem Unglück waren zehn Menschen getötet worden, es gab rund 80 Verletzte. Es war das schwerste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren.


Bad Aibling: Genaue Ursache ist noch unklar

Wer genau für das Unglück verantwortlich zu machen ist, war zunächst nicht bekannt. Mehr Details wurden der Deutschen Presse-Agentur nicht genannt. Zuvor hatte das RedaktionsNetzwerk Deutschland berichtet, dass menschliches Versagen das Unglück ausgelöst haben könnte.

Mit schwerem Gerät soll am Mittwoch damit begonnen werden, die Zugwracks zu entfernen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) wollte am Mittwoch die Unglücksstelle besuchen und mit den Rettungskräften sprechen. Wegen des Unglücks hatten sich die Parteien entschieden, auf den Politischen Aschermittwoch in Bayern zu verzichten.

Am Dienstagmorgen waren zwei Nahverkehrszüge auf der eingleisigen Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim frontal ineinander gekracht. "Der eine Zug hat sich förmlich in den anderen hineingebohrt und die Kabine des zweiten Zuges komplett auseinandergerissen", berichtete ein sichtlich betroffener Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). 18 Menschen wurden schwer, 63 Reisende leicht verletzt.

Die Rettungs- und Bergungsarbeiten gestalteten sich extrem schwierig, weil die Unglücksstelle in einem Waldstück an einer Hangkante neben dem Flüsschen Mangfall liegt. Rund 700 Rettungskräfte kümmerten sich um die Verletzten. Zum Teil zogen die überwiegend ehrenamtlichen Helfer die Opfer auch in Bergungssäcken mit Winden an den Hubschraubern hoch und flogen sie an das andere Ufer der Mangfall. dpa/dvd

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