Das alle zwei Jahre an wechselnden Orten stattfindende Treffen der Protestanten in Unterfranken hatte am Morgen mit einem Abendmahlsgottesdienst im Festzelt begonnen. In seiner Predigt hatte der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm gefordert, dass Kirche auch für Kirchenferne verständlich sein müsse.

Bedford-Strohm verwies auf Paulus' Aufforderung, prophetisch zu reden. "Das heißt, redet so, dass die Menschen von außen es verstehen können", sagte der Landesbischof. "Macht in der Art, wie ihr redet, deutlich, wie aktuell die Botschaft von Gottes Liebe in Jesus Christus für heute ist." Der Unterfränkische Kirchentag sei so ein "toller Tag", weil dort auch viele Menschen da seien, die sonst nicht regelmäßig Gottesdienste besuchten. Gerade an solchen Tagen sei es wichtig, dass Kirche keine "Insidersprache" spreche.

Gute Kommunikation sei aber nicht nur nach außen wichtig, sondern auch in der Kirche. "Deswegen kommt alles darauf an, dass wir in der Kirche miteinander reden", sagte Bedford-Strohm. Nur durch das Gespräch miteinander ließen sich Meinungen und Haltungen anderer verstehen und nachvollziehen. Der Bischof forderte die Menschen dazu auf, sich wechselseitig aufeinander einzulassen und so "den Reichtum der anderen" auch zum eigenen Reichtum werden zu lassen.

Bei einer Fragerunde mit dem Landesbischof nach dem Gottesdienst sagte Bedford-Strohm, Pfarrer sei als junger Mann nicht sein Traumberuf gewesen. "Ich habe zwei Semester Jura studiert - aber da habe ich gemerkt, dass mich eher grundsätzliche Fragen interessieren", sagte er. Christliche Werte seien gerade in der heutigen Gesellschaft, in der es viele grundsätzliche Orientierungsfragen nach dem Wieso und Warum gebe, ein wichtiger Anker für die Menschen.

Bedford-Strohm bedauerte, dass immer nur darüber gesprochen werde, wie viele Menschen der Kirche den Rücken kehrten. "Weit mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland entscheiden sich aber aus Freiheit dafür, in der Kirche zu bleiben", betonte er. Wer das nicht würdige, der verkenne, dass die Leute etwa in den 1950er Jahren oft nur deshalb nicht ausgetreten seien, weil damit gesellschaftliche Ächtung verbunden gewesen wäre. Wer heute Kirchenmitglied sei, sei es aus Überzeugung.

Der Kirchentag war zugleich das Treffen der unterfränkischen Posaunenchöre, die am Mittag unter freiem Himmel ein gemeinsames Platzkonzert gaben. Auf dem Markt der Möglichkeiten präsentierten sich verschiedene kirchliche und gesellschaftliche Gruppen. Die Evangelische Jugend lud Kirchentags-Promis wie den ehemaligen Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) und den Ansbach-Würzburger Regionalbischof Christian Schmidt zu einem Interview auf ihr "Unbequemes Sofa".

Der Unterfränkische Kirchentag ist aus den früheren Kirchentagen auf dem Schwanberg (Kreis Kitzingen) entstanden und findet alle zwei Jahre in anderen Dekanaten statt. Der Kirchentag in Marktheidenfeld (Kreis Main-Spessart) hat um 10 Uhr mit einem Gottesdienst begonnen und endet gegen 17.15 Uhr nach einer Andacht. Bisher versammelten sich unterfränkische Protestanten in Würzburg, Schweinfurt, Bischofsheim, Castell sowie in Aschaffenburg. epd