In einem ersten Verfahren hatte die 36-Jährige dem Landschaftsbauer mit einer Falschaussage ein Alibi für die Tatzeit verschafft. Sie war deswegen 2010 zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Bei ihrer neuerlichen Vernehmung am Montag nannte sie den Grund dafür: Sie habe es aus Liebe zu dem Angeklagten getan, aber auch weil sie großen Respekt vor dessen Bruder gehabt habe. Dieser sei es gewesen, der sie zu dem falschen Alibi angestiftet habe, wonach der 47-jährige die ganze Nacht an ihrer Seite bis 9 Uhr morgens geschlafen habe.

Mehrmals hatte die Frau bei ihrer Vernehmung durch die Polizei 1999 betont, dass ihr Lebensgefährte am frühen Morgen bei ihr ununterbrochen im Bett war. Die Arzthelferin war kurz nach 7.30 Uhr in der Tiefgarage erstochen worden. Nun sagte die Zeugin vor Gericht, sie könne sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern.

Mehrmals wurde die Frau vom Vorsitzenden Richter Stephan Popp ermahnt, die Wahrheit zu sagen. Wenn ihre Aussage wieder falsch sei, werde er sie direkt im Gerichtssaal festnehmen lassen. Als er die Frau zu dem genauen Zustandekommen des Alibis befragen wollte, verlangte sie nach einer Unterbrechung der Sitzung. Sie habe starke Schmerzen, gab sie an.

Tochter entlastet den Vater


Dem 47-jährigen Landschaftsgärtner wird vorgeworfen, die Patentante seiner Tochter im März 1999 erstochen zu haben, weil sie ihn wegen sexuellen Missbrauchs des Mädchens anzeigen wollte. In einem ersten Verfahren war der Mann 2010 freigesprochen worden. Der BGH hob dieses Urteil aber im Februar 2011 auf. Nach dem Fund neuer DNA-Spuren wurde das Revisionsverfahren im November ausgesetzt und am kürzlich wieder neu aufgenommen.

Am Montag entlastete die Tochter den angeklagten Vater und schwächte das von der Staatsanwaltschaft angenommene Motiv. Sie sagte aus, sie habe vor der Tat am 5. März 1999 nie jemanden davon erzählt, dass ihr Vater sie sexuell missbrauchte. "Ich habe damals als Kind noch nicht realisiert, was mein Vater mit mir macht", gab die heute 27-jährige vor Gericht weiter an. Erst Jahre nach dem Mord habe sie erstmals einen Freund von den Übergriffen erzählt. Ihrer Tante habe sie davon nie etwas gesagt.

Auch mehrere Beweise sprechen nach wie vor dagegen, dass der Landschaftsbauer als Täter infrage kommt. Es gibt zwar DNA-Spuren am Tatort, sie passen aber nicht zu dem Angeklagten. Am Tatort gefundene Reifenspuren stammen nicht von seinem Fahrzeug, hat ein Gutachten ergeben. Am Dienstag soll der Prozess mit der Vernehmung einer Reihe weiterer Zeugen fortgesetzt werden. Unter anderem soll der Bruder des Angeklagten vernommen werden.