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München
Schule

Schüler benoten Lehrer doch nicht

An allen bayerischen Schulen, von der Grundschule bis zur Oberstufe am Gymnasium, sollten Schüler "ihre Lehrer benoten". Doch es kam anders.
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Es klang nach einer revolutionären Idee: An allen bayerischen Schulen, von der Grundschule bis zur Oberstufe am Gymnasium, sollten Schüler "ihre Lehrer benoten". So stand es am Mittwoch in der "Süddeutschen Zeitung". Die Zeitung berief sich auf Kulturstaatssekretär Georg Eisenreich, demzufolge laut SZ "das Einholen von Feedback für Lehrer verpflichtend werden" solle.

Aus der Sicht des Kultusministeriums hört sich das am Tag drauf ganz anders an: "Eine Benotung von Lehrern durch Schüler findet an Bayerns Schulen nicht statt", erklärt unmissverständlich Henning Giessen, Sprecher des Kultusministeriums. Ein Schüler-Feedback sei eine systematische, in der Regel schriftliche Rückmeldung zu bestimmten Unterrichtskategorien wie Verständlichkeit oder Strukturierung.
"Mit einer Beurteilung oder gar Benotung der Lehrkräfte durch den Schüler hat ein Schüler-Feedback aber nichts zu tun", so Giessen.

So wie der Sprecher des Kultusministeriums es darstellt, handelt es sich beim Schüler-Feedback vielmehr um eine durchaus private Information, die niemand zu sehen bekommen muss außer dem Kritisierten selbst. "Die Ergebnisse des Feedbacks gehören ausschließlich der Lehrkraft, die das Feedback eingeholt hat", erklärt Giessen.

Staatssekretär Georg Eisenreich zufolge war die Überschrift der "Süddeutschen Zeitung" missverständlich; von einer Lehrer-Benotung durch Schüler sei nie die Rede gewesen. "Unser Ansatz ist es, Lehrer stärken zu wollen", erklärt Eisenreich gegenüber dieser Redaktion. Genau dazu solle der geplante Modellversuch des Schüler-Feedbacks beitragen.

Eisenreich zufolge werden an dem neuen, auf zwei Jahre angelegten Projekt insgesamt 55 bayerische Schulen teilnehmen. Auch Schulen aus Unterfranken werden sich beteiligen - welche genau es sind, ist derzeit aber noch nicht bekannt. Bei dem Modellversuch sollen die Referendare zwei Mal pro Jahr verpflichtend Schüler-Feedbacks einholen. "Die Schüler kritisieren dabei aber nicht die Person des Lehrers, sondern geben Rückmeldung etwa über die Gestaltung und Verständlichkeit des Unterrichts", so Eisenreich.

Einheitliche Feedback-Bögen für Schüler soll es laut Eisenreich dabei nicht geben - schließlich könne man eine Grundschüler nicht mit denselben Fragen konfrontieren wie einen Gymnasiasten der Oberstufe.
Wenn sich jetzt ganze Aufregung um angeblich verpflichtende Lehrer-Benotung durch Schüler als heiße Luft herausstellt, dürfte das durchaus die Kritiker beruhigen, die der SZ-Text auf den Plan gerufen hatte. Der Bayerische Philologenverband etwa hatte am Mittwoch schon deutlich davor gewarnt, Schüler "höchst subjektive Eindrücke spiegeln" zu lassen. Die Freien Wähler hingegen regen an, den Pilotversuch nicht nur auf Referendare zu begrenzen, sondern auf die "gesamte Schule" auszudehnen.