Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann außerdem gefährliche Körperverletzung und Beleidigung vor. Sie will 25 Zeugen und zwei Sachverständige aufbieten. Auch ein Überwachungsvideo vom Tatort - dem U-Bahnhof Plärrer - soll die Täterschaft des 24-Jährigen beweisen.
Der Mann steht im Verdacht, Ende April 2010 auf einen am Boden liegenden 17-Jährigen nach einer Rangelei brutal eingetreten zu haben. Das lebensgefährlich verletzte Opfer wurde kurz danach bewusstlos und fiel ins Koma. Der Kampfsportler war nach der Tat zunächst geflüchtet und hatte sich einen Tag später selbst der Polizei gestellt.
Täter und Opfer waren nach Erkenntnissen der Ermittler am 28. April in einer Nürnberger U-Bahn aufeinandergetroffen. Beim Einfahren des Zuges in die Station Plärrer soll der 17 Jahre alte Praktikant eine Bemerkung über die Bauchtasche der Marke "Thor Steinar" gemacht haben, die die Freundin des 24-Jährigen seinerzeit getragen hatte. Die Marke ist vor allem bei Angehörigen der rechten Szene beliebt. Mit dieser Bemerkung habe sich der 17-Jährige gegenüber dem Paar als "Linker" zu erkennen gegeben, stellt die Staatsanwaltschaft fest.

Aus Hass gegen die linke Szene und aus Verärgerung über die Kritik an der Kleidung seiner Freundin habe der 24-Jährige daraufhin dem Praktikanten einen Faustschlag und einen Tritt in den Bauch versetzt. Sodann habe sich eine Schlägerei entwickelt, bei der die Kontrahenten zu Boden gegangen seien. Da der 24-Jährige als erster wieder auf die Beine gekommen sei, habe dieser seinem Opfer mit großer Wucht ins Gesicht getreten, bis ein unbeteiligter Dritter die beiden trennte. Auf dem Bahnsteig des U-Bahnhofs habe das Opfer schließlich einen Herz- und Kreislauf-Stillstand erlitten und sei in ein Koma gefallen.
Wegen des womöglich politischen Hintergrunds der Tat ist die Stimmung in der örtlichen Linkenszene seit Tagen aufgeheizt. Per Internet und in Pressemitteilungen hat ein "Soli-Kommitee gegen Rechts" zu einem massenhaften Prozessbesuch aufgefordert. Gerade der Umstand, dass der Prozess in dem historischen Saal 600 stattfinde, dürfe nicht dazu führen, dass Neonazis die Zuschauerbänke besetzten und den Prozess für Propagandazwecke nutzten. In dem Saal 600 hatten die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg führende Nazi-Funktionären wegen ihrer Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen. dpa