München
Kritik an TV-Serie

Nach Politiker-Aus für TV-Serie: Seehofer kritisiert BR-Intendant

Der Bayerische Rundfunk hat sich für den umstrittenen Auftritt von Finanzminister Söder (CSU) in einer Heimatserie entschuldigt. Doch das Thema erhitzt weiter die Gemüter - auch in der Staatsregierung.
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Foto: Archiv, Sven Hoppe/dpa
Foto: Archiv, Sven Hoppe/dpa
Mit der Absage an Politiker-Auftritte in der TV-Serie "Dahoam is dahoam" hat BR-Intendant Ulrich Wilhelm den bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer verärgert. Wie der "Focus" am Donnerstag berichtete und die Staatskanzlei in München bestätigte, schrieb der CSU-Vorsitzende dem Chef des Bayerischen Rundfunks einen Protestbrief.

Wilhelm stelle mit seiner Entscheidung "alle Politiker ins Abseits", sagte Seehofer dem "Focus." Wer erkläre, Politiker hätten in Unterhaltungssendungen nichts verloren, der diskreditiere sie. "Ich komme mir da als Politiker vor wie ein infiziertes Geschöpf, mit dem keiner in Berührung kommen soll." Gerade Wilhelm als ehemaliger Regierungssprecher müsse wissen, dass Politiker "ernst zu nehmen und zu respektieren" seien - und nicht als "Outlaws" behandelt werden dürften.

Wilhelm wies die Kritik im BR-Rundfunkrat zurück: "Ich habe nicht entschieden, Politiker hätten generell in Unterhaltungssendungen nichts verloren." Es gehe nur um die Verknüpfung von Drehbuchtexten mit politischen Inhalten. "Das tut am Ende dem Bayerischen Rundfunk nicht gut, das tut der Serie nicht gut."

Nach einem umstrittenen Gastauftritt von Finanzminister Markus Söder (CSU) in "Dahoam is dahoam" hatte Wilhelm die Heimatserie zur Tabuzone für Politiker erklärt. Bettina Ricklefs, die BR-Programmbereichsleiterin Spiel-Film-Serie, entschuldigte sich vor dem Rundfunkrat. "Ich bedauere zutiefst, dass es zu diesem Wirbel gekommen ist", sagte sie. "Es tut mir leid, dass das passiert ist." Fernsehdirektorin Bettina Reitz fügte hinzu, die Redaktion habe "die Wirkung einer einzelnen Folge unterschätzt".

Söder hatte sich bei seinem Fernsehauftritt ausführlich zu politischen Inhalten geäußert und die Arbeit der Staatsregierung gelobt. Der SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold sagte in der Sitzung des Rundfunkrates: "Das Bayerische Fernsehen hat sich damit blamiert bis auf die Knochen."