Abgeschirmt von der Öffentlichkeit hat am Montag die Mutter der beiden in Krailling ermordeten Mädchen vor dem Landgericht München ausgesagt. Gefasst, aber sichtlich mitgenommen schilderte auch ihr langjähriger Lebensgefährte, wie die beiden am frühen Morgen des 24. März 2011 die achtjährige Chiara und die elfjährige Sharon tot in der Wohnung fanden.

Bei der Heimkehr aus seiner Gaststätte hätten sie zuerst eine Dose Terpentin und dann eine Hantelstange gefunden, berichtete der 53-Jährige. Wenig später habe er seine Lebensgefährtin schreien hören. "Ich bin hinterhergelaufen", berichtete er stockend. Im oberen Stockwerk habe Chiara zwischen Bett und Wand gelegen, die Hände verkrampft. Er wisse nicht, ob Blut an ihnen war, er habe nur die Farbe rot in Erinnerung. Er habe telefonieren wollen, doch ihm sei die Notrufnummer nicht eingefallen. Unten habe er dann Sharon gefunden, die "wie aufgebahrt" auf dem Rücken am Boden gelegen habe. Er habe ihr kurz über die Wange gestrichen, die kalt war. Dass die Kinder tot gewesen seien, sei für ihn keine Frage gewesen. "Für mich stand das gar nicht zur Debatte."

Zuvor hatte die 42 Jahre alte Mutter der Kinder hinter verschlossenen Türen ausgesagt. "Sie ringt um Fassung, sie ringt um Worte, sie weint", berichtete Oberstaatsanwältin Andrea Titz später aus der nicht öffentlichen Sitzung. Dennoch habe die Vernehmung nicht unterbrochen werden müssen. "Sie ist sehr um Fassung bemüht."

Eine Konfrontation mit dem mutmaßlichen Mörder der Kinder blieb beiden erspart: Auf Beschluss des Gerichts musste der angeklagte Onkel der Schwestern während der Vernehmungen den Gerichtssaal verlassen. Es bestehe sonst die Gefahr, dass die Frau erneut traumatisiert werde, sagte der Vorsitzende Richter Ralph Alt. Auch bei dem Partner der Mutter sah das Gericht die Gefahr, dass sich sein seelischer Zustand wieder verschlechtern könnte. Der Angeklagte verfolgte die Vernehmung per Videoübertragung in einem anderen Raum.

Die Frau und ihr Partner litten unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, sagte der vom Gericht bestellte Psychologe Günther Lauber. "In diesem Fall kann es sicher keinen Zweifel geben, dass es sich um ein Trauma handelt, und zwar um ein Trauma gigantischen Ausmaßes." Er warnte, dass sich der Zustand von beiden verschlechtern könnte, wenn sie in Anwesenheit des Angeklagten aussagen müssten.

Der 51-jährige Onkel der Kinder muss sich seit dem 17. Januar wegen Mordes an seinen Nichten verantworten. Der Anklage zufolge wollte der verschuldete Familienvater auch die Mutter - seine Schwägerin - töten, um so an ein Erbe zu kommen.

Er soll seine Schwägerin gebeten haben, seiner Frau - ihrer Schwester - die Hälfte einer gemeinsamen Wohnung abzukaufen. Die Mutter habe das nicht völlig abgelehnt, sondern darüber noch nachgedacht, sagte Titz. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft fasste der Postbote jedoch den Mordplan, als sich die finanzielle Lage seiner eigenen Familie mit vier Kindern zuspitzte.

Zu den wichtigsten Beweisen der Anklage zählen DNA-Spuren des Angeklagten in der Wohnung und an den Tatwaffen - an der Hantelstange, einem Strick und einem Messer. Die Mutter sagte laut Titz vor Gericht, ihr Schwager sei seit Jahren nicht mehr in der Wohnung gewesen. Er selbst hatte in einer ersten Vernehmung gesagt, die Spuren stammten möglicherweise von einem Nasenbluten bei einem Besuch zwei Wochen vor der Tat. Vor Gericht hat der Mann bisher geschwiegen.