Nicht mehr das Übertrittszeugnis solle entscheiden, sondern die Eltern, sagte der Grünen-Abgeordnete Thomas Gehring am Mittwoch. Der Bildungspolitiker führt zwei Argumente ins Feld: Zum Einen bedeute der Kampf um die richtigen Noten Stress für Kinder und Eltern. Und zweitens dienen die Statistiken des Kultusministeriums den Grünen als Beleg, dass die Sortierung der Kinder nach der vierten Klasse eben nicht begabungsgerecht ist.

Gehring verwies auf die nach wie vor sehr hohe Abbrecherquote am Gymnasium und die großen regionalen Unterschiede. Er argumentierte, dass der Notenschnitt ohnehin nicht besonders aussagekräftig sei: "Wir wollen nicht mehr, dass das Kind an der fiktiven Notenvergabe gemessen wird." Die Freigabe würde den massiven Druck auf Kinder und Eltern reduzieren. Unterstützung für das Aus der Übertrittszeugnisse kommt vom Bayerischen Elternverband (BEV)
Derzeit können Kinder im Prinzip nur aufs Gymnasium wechseln, wenn sie einen Notendurchschnitt von mindestens 2,33 im Zeugnis stehen haben, für die Realschule sind 2,66 vorgeschrieben. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) hat allerdings Probeunterricht für Kinder eingeführt, die ihre Eltern trotz schlechteren Notenschnitts nicht in die Haupt- oder Mittelschule schicken wollen.

Die Elternrats-Vorsitzende Ursula Walther verwies darauf, dass nur noch vier von 16 Bundesländern den Übertritt vom Notendurchschnitt abhängig machten. Eltern seien in der Lage, eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen. "Die Suppe, die wir da auslöffeln müssten, können wir uns auch selber einbrocken."
Nach den Zahlen des Kultusministeriums haben es bisher am G8 knapp 30 Prozent der Kinder, die zur fünften Klasse aufs Gymnasium wechselten, nicht bis zum Abitur geschafft. Am alten G9 war die Abbrecherquote sogar noch höher. dpa