Die Gewinner setzten sich bei dem am Wochenende in Würzburg ausgetragenen Wettbewerb gegen 17 Teams aus 8 verschiedenen Universitäten aus Süddeutschland und Österreich durch.
Soll Türkisch als zweite Amtssprache eingeführt werden? Brauchen wir bemannte Raumfahrten? Zu Themen rund um Politik, Wirtschaft und Gesellschaft lieferten sich insgesamt 71 Debattierende in drei Vorrunden und einem Halbfinale hitzige Wortgefechte, in denen so manchen überzeugenden Argumenten ebenso überzeugend widersprochen wurde. Doch wer sich die Streitgespräche als chaotische Zankerei vorstellt, irrt: Die Diskussionen folgten den Regeln der Offenen Parlamentarischen Debatte.
So schlüpften denn auch die Finalisten ­ Viola Lutz, Christian Funk und Lukas Haffert aus St. Gallen gegen Johannes Haug, Jan Lüken und Sven Hirschfeld aus Heidelberg ­ in die Rollen von „Regierung“ und „Opposition“. Wer für welche Seite sprechen sollte, wurde zuvor ausgelost. Ergänzt wurde die temperamentvolle Diskussion um die Frauenquote in DAX-Vorständen von den Beiträgen der während der Vorrunden ermittelten drei besten freien Redner.
Frauen als Brise gegen die Finanzkrise ­ mit seinem humorvollen Plädoyer für eine Frauenquote in der Wirtschaft überzeugte der 24- Jährige Wladislaw Jachtchenko aus München sowohl die Ehrenjury um den Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) als auch das Publikum als bester Einzelredner. „Debattieren ist Fechten mit Worten“, beschrieb der frisch gekürte Sieger seine Leidenschaft zur Diskussion.
Das rhetorische Geschick des besten Teams beurteilte dagegen eine fünfköpfige Jury aus Studenten. Redestil, Strategie und Interaktion sind nur einige der Kriterien, auf die die Juroren als erfahrene Debattanten achten: „Letztendlich geht es darum, dass mich ein Redner überzeugt. Nicht unbedingt mit dem Thema, sondern mit seinen Argumenten“, sagt Jurorin Pauline Leopold, die in Tübingen Rhetorik, Politik und Germanistik studiert.
„Es gilt, die Zuhörer mit einem Thema für sich einzunehmen“, erklärt auch der Betriebswirtschaft-Student Frank Ruppert, Pressesprecher des Würzburger Debattierclubs „Colloquia Herbipolensia“, der gemeinsam mit der Würzburger Juristen-Vereinigung Alumni das Rededuell organisiert hat. Die eigene Meinung ist also nicht gefragt, eine goldene Regel des Debattierens: Es geht um Argumente und deren Präsentation.
Zeitgleich zu den Süddeutschen Meisterschaften wurden in Magdeburg und Bonn die besten Redner Nordost- und Westdeutschlands gekürt ­ auch hier wurde die Frauenquote diskutiert. Die Regionalmeisterschaften im Hochschuldebattieren stehen unter der Schirmherrschaft der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“, die mit dem Verband der Debattierclubs an Hochschulen (VDCH) regelmäßig Redewettbewerbe für Studenten austrägt. Die Sieger der Turniere nehmen im Sommer an der seit 2001 stattfindenden Deutschen Debattier- Meisterschaft in Mainz teil.