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Fußball

Das Comeback von Uli Hoeneß hat Folgen für den FC Bayern München

Im November feiert Uli Hoeneß sein Comeback als Präsident beim FC Bayern München. Schon zuvor dürfte er einige Strukturen im Verein hinterfragen.
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Das Comeback von Uli Hoeneß als Präsident beim FC Bayern wird nicht folgenlos für den Verein bleiben. Wie sehr Hoeneß die Bayern umkrempeln will, ist aber noch offen. Foto: Frank Leonhardt/dpa
Das Comeback von Uli Hoeneß als Präsident beim FC Bayern wird nicht folgenlos für den Verein bleiben. Wie sehr Hoeneß die Bayern umkrempeln will, ist aber noch offen. Foto: Frank Leonhardt/dpa
Uli Hoeneß hat wieder das Sagen - und auf den FC Bayern kommt ein Aufbruch in die Vergangenheit zu. Das im Herbst anstehende Comeback des Vereinspatrons wird im deutschen Fußball reihum als gute Nachricht registriert. "Das ist eine tolle Entscheidung für ihn und die Bundesliga", sagte Leverkusen-Manager Rudi Völler der "Bild" (Dienstag) und teilte die Einschätzung etlicher Kollegen in der Liga.

Die Münchner - von den aktiven Spielern über Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bis zu Ehrenpräsident Franz Beckenbauer - waren schon seit Monaten dabei, den 64-Jährigen zur Rückkehr an die Säbener Straße zu ermuntern. Hinterfragt wird das Comeback des streitbaren Managers in Fußball-Deutschland kaum - trotz seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung von mindestens 28,5 Millionen Euro.


Patron der Bayern-Familie

Mit Hoeneß als Präsident dürfte sich bei den Bayern wieder einiges ändern. Eines der Erfolgsrezepte war seit Jahrzehnten der Spagat zwischen den wirtschaftlichen Ambitionen eines der größten, reichsten und weltweit bekanntesten Sportvereine der Welt und der bayerischen Mia-san-Mia-Folklore. Für das heimelige und bodenständige Flair war Hoeneß, quasi als Patron der Bayern-Familie, zuständig. Der später selbst gefallene Manager sorgte sich um gestrauchelte Fußballer, den persönlichen Kontakt schätzten sensible Kicker wie Franck Ribéry.
Was Hoeneß am vorigen Samstag von der offiziellen Teampräsentation der Bayern hielt, einem Facebook-Livestream in komplett englischer Sprache mit Moderatoren namens "Poet" und "Vuj", ist nicht bekannt.

In der mehr als zweijährigen Abwesenheit von Hoeneß hatten die Münchner unfreiwillig versucht, sich zu emanzipieren vom langjährigen Chef - schließlich war dessen Zukunft nach 21 Monaten Haft offen. Sportvorstand Matthias Sammer probierte sich in der Abteilung Attacke, Karl Hopfner gefiel der Doppel-Job an der Spitze von Verein und Aufsichtsrat, Trainer Pep Guardiola wollte den Erfolg auf distanzierte Art und mit seiner Philosophie erzwingen.

Hopfner könnte nach der Jahreshauptversammlung im November Geschichte sein, dem Vernehmen nach schielt Hoeneß neben dem Präsidentenamt auch auf den Vorsitz im Kontrollgremium der Profi-Abteilung. Sammer ist aus gesundheitlichen Gründen bereits zurückgetreten, Guardiola vom eher entspannteren, unaufgeregteren und herzlicheren Carlo Ancelotti beerbt worden. Mit seiner menschelnden Art erinnert der Italiener an die Trainer-Vorgänger Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes - die zwei Sieger-Coaches des FCB in der Champions League und Hoeneß-Freunde.


Bayern-Basketballer Herzensangelegenheit von Hoeneß

Ob und wie sehr Hoeneß den Verein umkrempeln wird, ist offen. Bis auf Hopfner kam in der kurzen Mitteilung der Bayern am Montag, in der die Kandidatur von Hoeneß bestätigt wurde, keine andere Personalie vor.
Dass die Jugendabteilung der Münchner gestärkt werden muss, erlebte Hoeneß während seiner Zeit als Freigänger hautnah mit. Und dass die Basketballer nach zwei titellosen Jahren wieder um Pokale mitspielen sollen, ist Hoeneß' Herzensangelegenheit. Für jene Abteilung ist übrigens Vizepräsident Rudolf Schels zuständig - von dem wiederum Ex-Coach und Hoeneß-Vertrauter Svetislav Pesic nicht begeistert war.

Hoeneß dürfte einiges überprüfen an der Säbener Straße, auch schon vor der Wahl im November. Ob seine Rückkehr etwa Compliance-Regeln widerspreche, die Konzerne im Bayern-Aufsichtsrat - Telekom, Adidas, Audi, Allianz - zu beachten haben, wurde der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber gefragt. Das sei "überhaupt kein Thema", sagte das Gremiumsmitglied bei "Antenne Bayern" und erklärte: "Für seine Tat hat er bezahlt. Da sollen die Leute mal in die Lehrbücher hineinschauen. Dann werden sie feststellen, dass man für seine Taten nicht dauernd bezahlt."

Von Manuel Schwarz, dpa
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