• Bischofswiesen: 18-Jähriger fährt mutmaßlichen Wolf an
  • Jäger sieht "sehr hohe Wahrscheinlichkeit"
  • Streng geschützte Tiere sorgen bei Bauern für Ärger 
  • "Wenigstens legal": Freude über Tod löst hitzige Debatte aus

Erneut ist höchstwahrscheinlich ein Wolf in Bayern von einem Wagen erfasst worden und getötet worden. Ein 18-jähriger Autofahrer war am frühen Sonntag ( 12. Juni 2022) mit seinem Fahrzeug in der Nähe von Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land) unterwegs, als ihm ein Tier vors Auto lief, wie die Polizei mitteilte.

Getötetes Tier in Oberbayern "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ein Wolf - drei Viertel sterben auf der Straße

Bei dem getöteten Tier handle es sich - nach ersten Erkenntnissen eines hinzugezogenen Jägers - mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen Wolf. Die Fachbehörden seien verständigt; sie würden weitere Untersuchungen durchführen. Deutschlandweit starben im Monitoringjahr 2020/21 von 138 tot aufgefundenen Tieren 99 auf der Straße beziehungsweise Schiene, erläutert das Landesamt für Umwelt (LfU) auf seiner Internet-Seite.

Allein im vergangenen Dezember kamen im Freistaat nach Angaben des Landesamtes für Umwelt drei Wölfe so zu Tode - darunter am 1. Dezember 2021 ein Jungwolf und am 13. Dezember 2021 der Vater dieses Tieres. Zudem war am 5. Dezember 2021 im Landkreis Nürnberger Land ein weiblicher Jungwolf tot an Bahngleisen gefunden worden. Für Schlagzeilen sorgte im Januar das juristische Tauziehen um einen Wolf, den die bayerischen Behörden zum Abschuss freigegeben hatten - Naturschützer wollten dies in einem gerichtlichen Eilverfahren verhindern.

Doch als beide Parteien noch darum stritten, ob der Wolf abgeschossen werden dürfe, lebte das Tier schon nicht mehr. Der Wolfsrüde aus dem südöstlichen Oberbayern war in der Zwischenzeit nach Tschechien gewandert und dort überfahren worden. Der Wolf hatte in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land vom 13. bis 19. Dezember 2021 mehrfach in der Nähe von Siedlungen Tiere gerissen hatte. Wölfe sind streng geschützt und dürfen nur in wenigen Ausnahmefällen abgeschossen werden.

"Kann so weitergehen": Mutmaßlicher Wolfs-Tod sorgt für heftige Debatten 

Der Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbands, Stefan Köhler, bringt den aktuellen Wildunfall zwischen Bischofswiesen und Bayerisch Gmain mit dem Absturz von neun Jungrindern an der Chiemgauer Zellerwand in Verbindung, wie das Lokalradio Bayernwelle berichtet. Köhler äußerte auf Facebook, die Vermutung liege nahe, "dass eben dieses Tier für die Hetzjagd auf die Jungrinder und damit den Absturz der Tiere verantwortlich ist".

Der Bauernverband wolle Klarheit und verlange eine Haarprobe des toten Tieres. "War es ein reinrassiger Wolf oder ein Hybride? Diese Untersuchung würde zur Transparenz beitragen. Der Aktionsplan Wolf muss dringend angepasst werden", so Köhler. Unter einem Bayernwelle-Post zu dem Thema ist derweil eine hitzige Debatte ausgebrochen. "Ja, das ist wenigstens legal. Wenn ich die Bilder der gerissenen und halbtoten Viecher sehe, bin ich echt froh, dass einer weniger ist", schreibt etwa ein Nutzer. 

"Das kann so weitergehen", meint auch eine Userin. Andere haben Mitleid mit dem mutmaßlichen Wolf. "Armes Tier, aber die Wolf-Hasser wird's freuen, natürlich wissen die es auch besser und lassen keine andere Meinung zu!", schimpft ein anderer Nutzer. "Über ein Reh würde sich keiner die Diskussion antun", gibt ein Mann aus der Region wiederum zu bedenken. Der Wolf - er bleibt ein polarisierendes Thema.