Bamberg
Zeitgeschichte

Bamberger schenkte allen WM-Helden von 1954 einen Kühlschrank

1954: Deutschland wird Fußball-Weltmeister. Genauso wie 2014 in Brasilien. Nach dem Triumph von Rio gab's für die Kicker hohe Siegprämien. 60 Jahre zuvor freuten sich die Spieler schon über einen Kühlschrank.
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Gerd Wohlhöfners Vater spendierte jedem der WM-Helden von 1954 einen Kühlschrank.  Foto: Ronald Rinklef
Gerd Wohlhöfners Vater spendierte jedem der WM-Helden von 1954 einen Kühlschrank. Foto: Ronald Rinklef
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Wie sich die Zeiten ändern! 300.000 Euro Siegprämie pro Kopf gab's heuer für Philipp Lahm und seine Mannen für den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft.1954, beim ersten WM-Titel für Deutschland, nicht vorstellbar. Damals konnten sich die Spieler um Fritz Walter allerdings über eine ganze Reihe von Geschenken freuen. Zum Beispiel über einen Kühlschrank, den ihnen ein fußballbegeisterter Bamberger Unternehmer zukommen ließ.

Auf die Idee war damals der Verkaufsleiter von Cajetan Wohlhöfner gekommen. Seine Firma, die "Johann-Wohlhöfner KG" produzierte seit den 50er Jahren auch Kühlschränke. Was lag da näher, als den damaligen Fußballrausch, in dem sich die ganze Nation befand, zu Werbezwecken für den neuen Kühlschrank zu nutzen.

Es handelte sich übrigens bereits um einen Kompressor-Kühlschrank, erzählt Gerd Wohlhöfner, der Sohn des damaligen Firmenchefs. 800 Mark teuer war das Geschenk für jeden Spieler. Zum Vergleich: Ein Ingenieur verdiente damals bei Siemens in Erlangen gerade mal 600 Mark. Also beileibe kein Billig-Geschenk. Eingefädelt wurde die Geschenkübergabe damals mit dem Chef der Weltmeister-Elf, Sepp Herberger, höchstpersönlich. Der sagte auch zu, dass die WM-Truppe vollzählig in Bam berg erscheinen würde, um die Kühlschränke in Empfang zu nehmen. Und sie kamen alle, angefangen von Spielführer Fritz Walter, über Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Josef Posipal, Karl Mai, Werner Liebrich, Helmut Rahn, Max Morlock, Ottmar Walter, Hans Schäfer bis hin zum Torhüter Toni Turek.

Kühlschrank mit Spielernamen

Wohlhöfner erinnert sich: "Die Mannschaft wurde 1954 auf dem Maxplatz in Bamberg begrüßt. Dort stand auch der Lastwagen mit den Kühlschränken. Ein jedes der Geräte mit dem jeweiligen Namenszug des betreffenden Spielers versehen. Von hier aus wurde das Geschenk dann jedem Spieler direkt ins Haus geliefert."

Für die damalige Zeit ein toller Service, der auch die WM-Spieler begeisterte. Zum Beispiel Karl Mai. Er bedankte sich schriftlich bei der Bamberger Firma. Mai wörtlich: "Sehr geehrte Firma! Erst heute komme ich dazu, mich für die herzlichen Glückwünsche zur Erringung der Fußball-Weltmeisterschaft, sowie für das angekündigte großzügige Geschenk zu bedanken. Sie können versichert sein, dass der Kühlschrank - nachdem ich mich in Kürze verheiraten werde - goldrichtig kam. Bei Benützung werde ich mich gerne an Ihre 'vom Chef bis zum Lehrling begeisterte Fussball-Anhänger-Firma' erinnern."

Torhüter Toni Turek schickte keinen Dankesbrief, dafür eine Postkarte mit seinem Konterfei, auf der er handschriftlich "Recht herzlichen Dank für den schönen Kühlschrank" sagte.

Der Wohlhöfner-Nachfahre hat dieses einschneidende Ereignis in der Firmengeschichte natürlich nicht vergessen. Die Bilder vom Empfang der Weltmeister von 1954 und von der Übergabe der Kühlschränke nehmen heute noch einen Ehrenplatz im Familienalbum der Wohlhöfners ein.


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