Der konservative Politiker Nikos Anastasiades hatte sich in der ersten Runde der Präsidentenwahl auf Zypern mit 45,5 Prozent der Stimmen klar gegen seine zehn Mitbewerber durchgesetzt. Für einen Sieg gleich im ersten Wahlgang verfehlte er am Sonntag jedoch die notwendige absolute Mehrheit. Der 66-Jährige sprach von einem Auftrag, die drittgrößte Mittelmeerinsel wieder auf Europakurs zu bringen. «Ich habe heute ein starkes Mandat für eine europäische Orientierung (Zyperns) erhalten», sagte er am Sonntagabend.

Sein Gegenkandidat in der zweiten Runde wird der linke Politiker Stavros Malas sein, der mit 26,9 Prozent zweiter wurde. Malas (45) wurde hauptsächlich von der kommunistischen AKEL-Partei unterstützt. Beobachter in Nikosia sprachen mit Blick auf den zweiten Wahlgang deshalb von einem klassischen Rechts-Links-Duell.

Beide Seiten liebäugeln jetzt mit den Wählern des Drittplatzierten Giorgos Lillikas (52), der am Sonntag 24,9 Prozent der Stimmen erhielt. «Alle flirten jetzt mit der politischen Mitte», meinte die Zeitung «Phileleftheros» am Montag.

Der neue Präsident soll die pleitebedrohte Inselrepublik durch die schwerste Finanzkrise der jüngeren Geschichte führen und vor dem Bankrott bewahren. Zypern braucht nach offiziellen Angaben dringend 17,5 Milliarden Euro, um seine Banken und die Staatsfinanzen zu stabilisieren. Nur noch bis Ende März ist nach offiziellen Angaben Geld in den Staatskassen.

Die Bundesregierung rechnet mit neuen Gesprächen über die Finanzprobleme Zyperns frühestens im März. «Jetzt kommt es darauf an, wie schnell die zyprische Seite gesprächsbereit ist», sagt Martin Kotthaus, Sprecher des Finanzministeriums, am Montag in Berlin. Er forderte «interessierte Drittstaaten» - gemeint ist damit vor allem Russland - zum Dialog über die Finanzlage Zyperns auf. Es sei auch sinnvoll, externe Experten prüfen zu lassen, wie weit Zypern die EU-Vorschriften zur Geldwäsche umgesetzt habe.

Der zyprische Linkspolitiker Malas, der Privatisierungen staatlicher Unternehmen und eine Verschlankung des Staates ablehnt, zeigte sich nach dem ersten Wahlgang siegessicher. «Diesen Kampf werden wir gewinnen», sagte der 45-jährige Mediziner unter dem Jubel seiner Anhänger in Nikosia und bedankte sich bei der Kommunistischen Partei und anderen linken Kräften für die Unterstützung.

Der noch amtierende linke Präsident Dimitris Christofias (66) war nicht für eine zweite fünfjährige Amtszeit angetreten. Er war mit seinen Maßnahmen gegen die Finanzkrise gescheitert.

Auf Zypern wird der Präsident direkt vom Volk gewählt. Er bestimmt und führt die Regierung. Auch im türkisch-zyprischen Norden der Insel wurde die Wahl mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Allerdings spielte der Streit um eine Wiedervereinigung der seit fast 40 Jahren geteilten Insel anders als in der Vergangenheit diesmal kaum ein Rolle.

Zypern - seit 2004 EU-Mitglied - ist nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention seit 1974 geteilt. Das europäische Regelwerk gilt jedoch nur im griechisch-zyprischen Süden. Mehrere Verhandlungsrunden zur Überwindung der Teilung sind in den vergangenen Jahrzehnten gescheitert.