Acht der dreizehn deutschen Urlauber auf Mallorca, die einer Brandstiftung verdächtigt werden, müssen nach einem Bericht der Mallorca Zeitung in Untersuchungshaft bleiben. Das habe ein Untersuchungsrichter am späten Donnerstagabend (2. Juni 2022) angeordnet, nachdem er die Deutschen den Tag über in Einzelgesprächen verhört habe. Den Beteuerungen der Urlauber, sie hätten das Feuer nicht gelegt, schenkte der Richter offenbar wenig Glauben. Eine offizielle Mitteilung gab es zunächst nicht.

Bei dem Brand in der Nähe des Ballermanns waren am 20. Mai zwei Gaststätten und eine Wohnung beschädigt worden. Zwei Menschen erlitten leichte Verletzungen. Seither saßen die 13 jungen Deutschen in Untersuchungshaft.

Update vom 3. Juni 2022: Acht Verdächtige bleiben in Untersuchungshaft

Vier der Verdächtigen sollen gegen Zahlung einer Kaution von jeweils 12.000 Euro frei kommen, wie die Zeitung schrieb. Ein fünfter komme ohne Kaution frei. Gegen alle 13 Beschuldigten habe der Richter aber eine Solidarhaftung in Höhe von 500.000 Euro für eingetretene Schäden angenommen. Diese Haftung kann wirksam werden, wenn es zu einer Verurteilung aller 13 als Mittäter käme.

Die Deutschen, die laut Medien fast alle zwischen 24 und 29 Jahre alt sind, werden beschuldigt, bei einer Party auf zwei Balkonen ihrer Hotel-Zimmer brennende Zigarettenkippen auf das Terrassendach einer Gaststätte geworfen und auch Alkohol darauf gegossen zu haben. Das Dach aus Schilfrohr fing Feuer und beschädigte die Gaststätten und die Wohnung. Zwei Menschen, ein Mann und ein Mädchen, seien leicht verletzt worden.

Die Deutschen waren gleich nach dem Brand festgenommen worden. Nachbarn sagten, sie hätten alles genau gesehen. "Die Touristen schauten sich das Ganze von ihrem Balkon aus an. Sie fingen an, das Feuer mit ihren Handys zu filmen, grölten und lachten", wurde ein Mann von der Mallorca Zeitung zitiert. Ein anderer sagte dem Blatt: "Sie haben stundenlang in übereinanderliegenden Zimmern im 2. und 3. Stock des Hotels gefeiert. Die Musik war voll aufgedreht, sie haben Bier von einem Balkon auf den anderen und auch auf die Straße geschüttet." Auch Zigaretten hätten sie hinuntergeworfen. "Schnell stand das gesamte Dach in Flammen", hieß es. Es sei "wie eine Bombe" gewesen.

Meldung vom 25. Mai 2022: Neue Details nach mutmaßlicher Brandstiftung

Nach der Festnahme von 13 deutschen Urlaubern auf Mallorca wegen mutmaßlicher Brandstiftung, sind neue Details bekannt geworden. Wie die Mallorca Zeitung berichtet, soll es sich bei den Festgenommenen um Mitglieder eines Münsterer Kegelclubs handeln. Zwar wollte die mallorquinische Polizei diese Angabe zunächst nicht bestätigten, nach "vorläufigen" Informationen der Stadt Münster sollen aber zumindest einige von ihnen Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr sein.

Die Deutschen werden beschuldigt, am Freitag (20. Mai 2022) bei einer Party auf dem Balkon ihres Hotels in Ballermann-Nähe Zigarettenstummel auf das Terrassendach einer Gaststätte geworfen und auch Alkohol darauf gegossen zu haben. Das Dach aus Schilfrohr fing Feuer, nach Medienberichten beschädigten die Flammen das Lokal und auch noch ein weiteres sowie eine Wohnung und das Hotel. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden, es entstand nach Angaben der Wirtin ein Schaden von etwa 150.000 Euro.

Professor Roland Goertz (52), Direktor des Feuerwehrwissenschaftlichen Instituts FSI der Uni Wuppertal, sagte in einem Interview mit der Bild, dass es ihm zum momentanen Zeitpunkt zweifelhaft scheint, dass nur die Zigarettenstummel die Brandursache sein sollen. "Schilfrohr ist direkt nicht gut entzündbar, da es Kieselsäure enthält. Trotzdem ist so ein Material mit großer Oberfläche leichter entzündbar als eine Stoff-Markise. Eine genaue Brandursache kann aber nur vor Ort ermittelt werden", bezog der Experte Stellung.

Goertz gibt ebenfalls zu bedenken, dass es seit 2011 in der EU nur noch Zigaretten gebe, die mit einem speziellen Papier umhüllt seien. Damit erlösche die Glut schneller. Allerdings bestünde auch die Möglichkeit, dass die Tatverdächtigen ihre Kippen selbst gedreht haben - dann sei diese Sicherheitsmaßnahme nicht gewährleistet. "Sicher ausschließen kann man Zigaretten als Zündquelle nicht."

Restaurant-Brand auf Mallorca: Urlauber sollen Feuer gefilmt haben

Gegenüber der Mallorca Zeitung äußerte sich nun eine Bekannte der Beschuldigten. Sie sagte, die Männer seien eigentlich Nichtraucher und gab ebenfalls an, dass einige von ihnen sogar Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr seien.

Die Angaben der Bekannten passen allerdings nicht so richtig zu dem Bild, das ein mallorquinischer Nachbar des Lokals von den Ereignissen am Freitagabend zeichnet. Er gibt an, die Männer hätten stundenlang in übereinanderliegenden Hotelzimmern gefeiert, laut Musik gehört und Alkohol von den Balkonen gekippt. Das Feuer hätten die Deutschen außerdem mit ihren Handys gefilmt und dabei gelacht und gegrölt. Erst als sie das Ausmaß der Flammen erkannt hätten, seien sie von den Balkonen weg gestürzt.

Am späten Samstagabend (21. Mai 2022) berichteten die Zeitung Diario de Mallorca und andere Regionalmedien unter Berufung auf die örtliche Justiz, dass die Männer vorerst hinter Gittern bleiben werden. Der zuständige Ermittlungsrichter in Palma habe für die Touristen Untersuchungshaft ohne Anrecht auf Kaution angeordnet. Ein Justizsprecher bestätigte am Sonntag (22. Mai 2022) auf Anfrage diese Informationen. Nach Einschätzung von zwei befragten Anwälten können die Verdächtigen zu einem Freiheitsentzug zwischen einem und drei Jahren verurteilt werden, wenn sie angeklagt und der fahrlässigen Brandstiftung für schuldig befunden werden. Bei Vorsatz und der Gefährdung von Menschenleben könne das Urteil auch deutlich schärfer ausfallen, hieß es.

Verdächtigen aus Deutschland droht längere Haftstrafe

Die noch am Freitagabend (20. Mai 2022) festgenommenen Deutschen sollen am Samstag bei ihrem Verhör durch den Richter von ihrem Recht Gebrauch gemacht haben, nicht auszusagen. Der Richter gehe von "gemeinsamer Verantwortung" aus, schrieb "Diario de Mallorca". Die Polizeieinheit "Guardia Civil" habe bereits Aufnahmen von Sicherheitskameras ausgewertet, auf denen die bisherigen Mutmaßungen und Beschuldigungen bestätigt würden, schrieb das Blatt am Montag. Ein Polizeisprecher wollte auf Anfrage nichts verraten, sagte aber, er könne auch "nichts dementieren".

Für Empörung sorgen die Aussagen von Nachbarn, die versichern, alles genau gesehen zu haben. "Die Touristen schauten sich das Ganze von ihrem Balkon aus an. Sie fingen an, das Feuer mit ihren Handys zu filmen, grölten und lachten", wurde ein Mann von der "Mallorca Zeitung" zitiert. Ein anderer sagte dem Blatt: "Sie haben stundenlang in übereinanderliegenden Zimmern im 2. und 3. Stock des Hotels gefeiert. Die Musik war voll aufgedreht, sie haben Bier von einem Balkon auf den anderen und auch auf die Straße geschüttet." Auch Zigaretten hätten sie hinuntergeworfen. "Schnell stand das gesamte Dach in Flammen", hieß es. Es sei "wie eine Bombe" gewesen.

Es herrscht viel Unverständnis. "Was geht in den Köpfen dieser jungen Leute vor?", fragte eine der Betroffenen, die deutsche Wirtin Alice. "So betrunken können die gar nicht gewesen sein, die haben ja noch versucht abzuhauen", erzählte die Kölnerin, die ihr Lokal "Why not Mallorca?" erst im Juni 2021 eröffnet hatte, vor Journalisten. Der komplette Außenbereich sei nun verwüstet.

Derzeit wird am Ballermann wieder so wild wie vor der Corona-Pandemie gefeiert. Es gelten praktisch keine Einschränkungen mehr auf der Insel. In den vergangenen Wochen kam es vermehrt zu Schlägereien und Diebstählen in der deutschen Urlauberhochburg.