«Wir brauchen ein starkes Signal für ein Ende der Gewalt und den Start eines Demokratisierungsprozesses», sagte er in der jordanischen Hauptstadt Amman nach einem Treffen mit seinem Kollegen Nasser Dschudeh. Eine Resolution dürfe nicht länger gegen den Willen der Arabischen Liga blockiert werden. Mit seinem Appell richtete sich Westerwelle vor allem an die Veto-Macht Russland, die sich im Sicherheitsrat bisher gegen eine Resolution stemmt.

Die Arabische Liga hatte ihre Beobachtermission in Syrien am Samstag wegen zunehmender Gewalt abgebrochen. Nach UN-Schätzungen sind bei den dortigen Unruhen seit März 5600 Menschen ums Leben kommen.

Jordanien ist die erste Station einer fünftägigen Nahost-Reise Westerwelles. Am Montag reist er nach Ägypten weiter, anschließend geht es nach Israel und in die Palästinensergebiete. Im Mittelpunkt seiner Gespräche werden neben der Eskalation der Lage in Syrien, die stockenden Friedensbemühungen im Nahen Osten, der Atomstreit mit dem Iran und der Reformprozess ein Jahr nach Beginn des Arabischen Frühlings stehen.

In Amman rief Westerwelle die arabischen Staaten zu weiteren Reformbemühungen auf. Besorgt zeigte er sich über die Zuspitzung des Atomstreits mit dem Iran. «Das könnte auch die schwierigen Bemühungen, den Nahost-Friedensprozess wiederzubeleben, zusätzlich negativ beeinflussen.» Israelis und Palästinenser hatten sich bei Vorgesprächen in Amman am Mittwoch zunächst nicht auf eine Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen verständigen können. Westerwelle wird von Dienstag bis Donnerstag Israel und die Palästinensergebiete besuchen.

Am Montag reist er zunächst nach Ägypten weiter. Dort will er sich ein Bild von der Lage ein Jahr nach Beginn der Protestbewegung machen, die im Februar 2011 zum Rücktritt von Präsident Husni Mubarak geführt hatte. Der Oberste Militärrat hatte damals die Macht übernommen und eine Übergangsregierung eingesetzt. Am vergangenen Montag trat das neu gewählte Parlament zusammen, in dem die islamisch-konservativen Muslimbrüder und die radikalen Islamisten mehr als zwei Drittel der Sitze innehaben.

Westerwelle will sich in Kairo mit Mitgliedern des Militärrats, der Übergangsregierung und verschiedener Parteien treffen. Zudem ist ein Gespräch mit Vertretern der Kopten - der christlichen Minderheit in Ägypten - geplant.