Die Slowakei hat vorläufig den Einsatz von Astrazeneca für Erstimpfungen gegen das Coronavirus gestoppt. Wer aber bereits eine Dosis dieses Impfstoffs erhalten habe, bekomme auch die zweite Dosis, teilte das Gesundheitsministerium in Bratislava am Dienstag mit. «Derzeit prüft das Gesundheitsministerium mehrere Alternativen, wie wir in der Slowakei in diesem Zusammenhang weiter vorgehen werden», hieß es in der Bekanntgabe auf der Ministeriums-Homepage.

Bereits drei Todesfälle in Zusammenhang mit Astrazeneca in der Slowakei

Am Freitag hatte das Staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle SUKL darüber informiert, dass der plötzliche Tod einer 47 Jahre alten Frau vermutlich mit dem Impfstoff zusammenhing. Die Frau war bereits der dritte bestätigte Todesfall in Zusammenhang mit Astrazeneca in der Slowakei. Nach Angaben von Gesundheitsminister Vladimir Lengvarsky hatte die Frau eine genetisch bedingte Vorerkrankung gehabt, die vor der Impfung nicht bemerkt worden war.

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In dem 5,5 Millionen Einwohner zählenden EU-Land wird außer mit Astrazeneca derzeit auch mit den Impfstoffen von Pfizer/Biontech und Moderna geimpft. Von dem in der EU nicht zugelassenen russischen Impfstoff Sputnik V hat die Slowakei zwar bereits Anfang März 200.000 Dosen erhalten, setzt sie aber wegen der fehlenden Zulassung vorerst nicht ein.

Dies könnte sich nach Angaben des Gesundheitsministers ändern, wenn derzeit laufende weitere Tests in Ungarn und Russland den Impfstoff für einwandfrei erklären.

Brasilien: Keine Impfung für Schwangere mit Astrazeneca

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, hat die nationale Gesundheitsbehörde in Brasilien empfohlen, schwangere Personen nicht mehr mit dem Wirkstoff von Astrazeneca gegen das Coronavirus zu impfen. Die Regionalregierungen von Sao Paulo und Rio de Janeiro hatten bereits die Impfungen von Schwangeren  mit Astrazeneca gestoppt. Mehrere Berichte sprechen von einem "Zwischenfall" in Rio de Janeiro - eine Bestätigung der Behörden vor Ort erfolgte aber nicht offiziell. 

 

Die Experten der europäischen Zulassungsbehörde EMA stellten zwar einen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombosen fest, wenn gleichzeitig eine sehr geringe Zahl von Blutplättchen vorhanden war. Dies trete allerdings sehr selten auf. Die Behörde hält damit weiterhin an ihrer Bewertung des Präparates fest. "Der Nutzen des Wirkstoffes bei der Bekämpfung von Covid-19 ist deutlich höher zu bewerten als die Risiken", sagte EMA-Chefin Emer Cooke am Mittwoch in Amsterdam.

Auch die WHO betonte den Kosten-Nutzen-Faktor bei der Verwendung des Impfstoffs. Bei weltweit inzwischen 200 Millionen mit Astrazeneca geimpften Menschen seien die problematischen Vorfälle sehr selten. Demgegenüber seien inzwischen 2,6 Millionen Menschen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben.

Britische Impfkommission: Astrazeneca nur noch für über 30-Jährige

Dennoch hat die britische Impfkommission ihre Empfehlung für den Astrazeneca-Impfstoff nach einer Überprüfung geändert. Das Präparat soll künftig möglichst nur noch über 30-jährigen Erwachsenen verabreicht werden, wie die Kommission am Mittwoch mitteilte. Grund sind Berichte über seltene Fälle von Blutgerinnseln im Zusammenhang mit einer Impfung mit dem Vakzin.

Für die seltenen schweren Impfnebenwirkungen im Zusammenhang mit den Präparaten von Astrazeneca und Johnson & Johnson kann Experten zufolge bisher keine genaue Risikogruppe und kein bestimmter Risikofaktor definiert werden. Es gebe keine bestimmte Population, von der man auf den ersten Blick sagen könne, dass sie besonders gefährdet sei, die Komplikation zu bekommen, sagte der Direktor des Mikrobiologischen Instituts am Universitätsklinikum Erlangen, Christian Bogdan, am Dienstag in einer Videoschalte des Science Media Center. Er ist Mitglied der Ständigen Impfkommission (Stiko).

Eine mögliche Ausnahme könnten Menschen sein, die schon einmal eine ganz bestimmte Erkrankung (Heparininduzierte Thrombozytopenie) hatten, die Ähnlichkeiten mit der Impfkomplikation hat. Andere Risikofaktoren, die üblicherweise für Thrombosen genannt werden, seien kein begünstigender Faktor für die spezielle Impfnebenwirkung, sagte Bogdan. Für die Frage, ob man sich mit einem der Impfstoffe impfen lassen will, seien die individuelle Risikobereitschaft und das Covid-19 Erkrankungsrisiko je nach Alter und Vorerkrankung wichtig.

Am Montag (10.05.2021) war die Entscheidung bekannt geworden, dass die Stiko den Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson wie den von Astrazeneca in der Regel für Menschen ab 60 empfiehlt. Die Impfstoffe können allerdings nach ärztlicher Aufklärung und bei «individueller Risikoakzeptanz» weiter auch Jüngeren verabreicht werden. Bei der beobachteten Nebenwirkung handelt es sich um Blutgerinnsel an ungewöhnlichen Orten mit einem Mangel an Blutplättchen. Experten sprechen von Thrombosen mit Thrombozytopenie (TTS).

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Vorschaubild: © Matthias Bein/dpa