Die Staatsanwaltschaft sprach am Donnerstag rund fünf Stunden lang - und richtete erneut schwerste Vorwürfe an den US-Obergefreiten. «Er war kein Humanist, er war ein Hacker», sagte Staatsanwalt Ashden Fein.

«Er war keine bedrängte junge Seele, er war ein entschlossener Soldat mit dem Wissen, der Fähigkeit und dem Willen, den USA und deren Kriegsanstrengungen zu schaden.» Der Staatsanwalt fügte hinzu: «Er war kein Whistleblower, er war ein Verräter (...).» Manning habe um den Wert der weitergereichten Dokumente für den Feind gewusst.

Manning hat zwar bereits gestanden, als Soldat im Irak 2010 Hunderttausende geheime Dokumente aus Armeedatenbanken an die Enthüllungsplattform Wikileaks weitergereicht zu haben. Er habe das aber getan, um die Öffentlichkeit über den Krieg und Kriegsgräuel zu informieren. Er habe keine böse Absichten gehabt.

Das Verfahren ist der erste große Prozess gegen einen Whistleblower in den USA. Der schwerste Anklagepunkt lautet «Unterstützung des Feindes», wofür die Todesstrafe droht. Die Staatsanwaltschaft hatte aber bereits vor dem Prozess signalisiert, dass sie die nicht fordern will.

Das Verfahren könnte als Präzedenzfall für weitere Whistleblower dienen - etwa für Wikileaks-Chef Julian Assange und den Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden. Assange hält sich seit längerem in der Londoner Botschaft Ecuadors auf, Snowden im Transitbereich des Moskauer Flughafens. Die USA wollen beide unbedingt vor Gericht stellen.