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Trump will Grönland kaufen: Grund löst Kopfschütteln aus

Was kostet die Welt? Grönland ist sechsmal so groß wie Deutschland. Für US-Präsident Trump klingt das nach einem saftigen Immobiliengeschäft. Für die Regierung Dänemarks klingt das Ganze eher nach einem Scherz. Ist es aber nicht. Was hinter Trumps Plänen steckt:
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Donald Trump erntete Spott für sein Kaufinteresse an Grönland. Norwegen und Grönland äußerten nun ihr Befremden über das Angebot, die Arktisinsel mit 56.000 Bewohnern zu kaufen. Foto: Patrick Semansky/AP/dpa
Donald Trump erntete Spott für sein Kaufinteresse an Grönland. Norwegen und Grönland äußerten nun ihr Befremden über das Angebot, die Arktisinsel mit 56.000 Bewohnern zu kaufen. Foto: Patrick Semansky/AP/dpa

Dass dem US-Präsidenten großspurige Ideen nicht ganz fremd sind, ist kein Geheimnis: Ein Kauf Grönlands könnte für die USA nach Ansicht von Präsident Donald Trump "strategisch" interessant sein. Erst müsse man rausfinden, ob es ein Verkaufsinteresse gäbe, sagte Trump am Sonntagnachmittag (Ortszeit). "Im Grunde wäre es ein großes Immobiliengeschäft", sagte er mit Blick auf die zu Dänemark gehörende autonome Arktisinsel. Dänemark verliere mit seiner Unterstützung für Grönland jedes Jahr viel Geld.

"Hoffentlich ein Scherz"

Die Berichte am Donnerstag legten nahe, Trump habe Berater angewiesen, den Kauf zu prüfen. Wie seriös die Absichten seien, sei selbst für seine Mitarbeiter unklar gewesen, hieß es weiter.

Es sei etwa diskutiert worden, ob eine solche Offerte überhaupt legal sei, wie eine solche Operation vonstatten gehen könne und wo das Geld dafür herkommen solle.

Donald Trump, der vor seinem Einstieg in die Politik als Immobilienunternehmer reich geworden ist, hatte sich bis vor kurzem nicht selbst zu dem möglichen Kaufinteresse geäußert.

Grönland und Dänemark haben die Idee eines Verkaufs entschieden zurückgewiesen. Trump sagte, bei seiner angedachten Reise nach Kopenhagen könne das Thema besprochen werden, es sei aber nicht "oberste Priorität" und nicht der Anlass des Besuchs.

Dänemark sei ein wichtiger Nato-Partner, der den Schutz der USA genieße, sagte Trump. Es sei noch nicht ganz sicher, ob der Besuch Anfang September auch stattfinden werde, sagte Trump.

Gespräche über den Kauf Grönlands

Trump sagte nun, es habe dazu Gespräche gegeben. Der Präsident flog am Sonntagnachmittag nach einem einwöchigen Sommerurlaub in einem seiner Golfklubs nach Washington zurück.

Nur Stunden zuvor hatte Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow in einem Interview mit Fox News erklärt, der Präsident kenne sich gut mit Immobilienkäufen aus und "will sich das anschauen". US-Präsident Donald Trump ist nach Angaben seines Wirtschaftsberaters also tatsächlich an einem Kauf Grönlands interessiert. Die Arktisinsel sei strategisch bedeutend und habe "viele wertvolle Mineralien".

Insel in der Arktis steht nicht zum Verkauf

Das angebliche Interesse des US-Präsidenten ist auf Verwunderung und Kritik gestoßen. "Selbstverständlich steht Grönland nicht zum Verkauf", stellte die Regierung der politisch zu Dänemark gehörenden Insel am Freitag klar. "Wir haben eine gute Zusammenarbeit mit den USA, und wir betrachten dies als Ausdruck eines größeren Interesses an Investitionen in unser Land und an den Möglichkeiten, die wir bieten", hieß es in der kurzen Stellungnahme der Regierung um Sozialdemokrat Kim Kielsen weiter.

Grönland kaufen: (K)ein Aprilscherz?

Die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen besuchte Grönland am Sonntag und betonte dies erneut - zu Trumps Gedankenspielen sagte sie: "Ich hoffe inständig, dass dies nicht ernst gemeint ist." Der ehemalige Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen hatte es Ende vergangener Woche auf Twitter noch deutlicher formuliert: "Das muss ein Aprilscherz sein."

Der außenpolitische Sprecher der dänischen Sozialliberalen, Martin Lidegaard, schrieb auf Twitter, bei der Kaufidee handele es sich hoffentlich um einen Witz. Andernfalls sei dies "ein schrecklicher Gedanke mit dem Risiko einer Militarisierung Grönlands".

Bodenschätze und amerikanischer Luftwaffenstützpunkt

Grönland mit seinen rund 56.000 Einwohnern ist autonom, gehört aber zum dänischen Königreich. Es ist etwa sechsmal so groß wie Deutschland, ein Großteil der Fläche ist ständig von Eis bedeckt. Für Washington könnte Grönland durch seine Lage in der Arktis, die Nähe zu Russland und wegen dort vermuteter Bodenschätze strategisch bedeutend sein. Die USA betreiben im Ort Thule einen Luftwaffenstützpunkt, der Teil ihres Raketenwarnsystems ist. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die USA die Insel auch für die Luftbrücke über den Atlantik. 1951 hatten die Vereinigten Staaten und Dänemark ein Verteidigungsabkommen geschlossen.

Neu sei die US-Idee eines Grönland-Kaufs indes nicht, hieß es weiter: Nach dem Zweiten Weltkrieg habe der damalige Präsident Harry Truman 1946 Dänemark 100 Millionen Dollar für Grönland geboten. Einen anderen Vorstoß soll es bereits 1867 gegeben haben.

Zuletzt machte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika mit einer Botschaft an die chinesische Regierung von sich reden: Trump warnt China vor Gewalt in Hongkong.