Soldaten könnten demnach zwischen 2003 und 2008 planmäßig Kriegsgefangene misshandelt und gefoltert haben, teilte das Gericht in Den Haag mit.

Chefanklägerin Fatou Bensouda prüft nun zunächst die rechtliche Grundlage für ein Ermittlungsverfahren.

Der britische Generalstaatsanwalt Dominik Grieve, der dem Kabinett in London angehört, sagte, die Regierung weise die Vorwürfe entschieden zurück. «Die britischen Truppen gehören zu den besten der Welt und wir erwarten, dass sie nach höchsten Standards handeln, in Übereinstimmung mit nationalem wie internationalem Recht», sagte er. Vorwürfen, dass Einzelpersonen dieses Recht gebrochen haben könnten, würden umfassend untersucht. Die Regierung werde «alles Notwendige» tun um zu zeigen, dass das britische Rechtssystem korrekt arbeite.

Nach internationalem Recht darf der Strafgerichtshof nur eingreifen, wenn die nationalen Behörden nicht ausreichend ermitteln. Der Leiter der armeeinternen Anklagebehörde, Andrew Cayley, sagte, er sei deswegen zuversichtlich, dass es kein ordentliches Ermittlungsverfahren geben werde. Großbritannien werde in vollem Umfang kooperieren.

Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) in Berlin und die Public Interest Lawyers (PIL), eine gemeinnützige Anwaltskanzlei aus Birmingham, hatten im Januar Klage gegen die britische Regierung in Den Haag eingereicht. Die Anwälte forderten in der 250 Seiten starken Anzeige Ermittlungen gegen hochrangige britische Kommandeure, damalige Minister und Staatssekretäre.

Nach Angaben der Betroffenen sollen Iraker von britischen Soldaten hingerichtet worden sein. Gefangene seien in zudem einem Geheimgefängnis gefoltert worden, unter anderem durch tagelangen Schlafentzug. Andere hätten in erniedrigenden Positionen stundenlang auf Knien ausharren müssen, seien in nur einen Quadratmeter große Zellen gesperrt worden oder seien von Soldatinnen sexuell erniedrigt worden.

«Es gibt klare Hinweise, dass dies bis ganz nach oben geht», hatte Paul Shiner, einer der Menschenrechtsanwälte, dem Sender Sky News gesagt. In dem Papier sind mehrere hochrangige britische Politiker und Militärs namentlich genannt, darunter auch der frühere Verteidigungsminister Geoff Hoon.

Einer der bekanntesten Fälle ist der des Irakers Baha Mousa, der in britischer Haft umkam. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass gegen ihn Methoden angewandt worden waren, die nicht mit der Genfer Konventin vereinbar sind. Von sieben Angeklagten Soldaten wurde im Jahr 2006 einer zu einem Jahr Haft verurteilt und unehrenhaft entlassen, die sechs anderen wurden freigesprochen. Die Anklage beim Internationalen Strafgerichtshof hatte im selben Jahr eine Untersuchung der Vorkommnisse im Irak abgelehnt.