Der "Schwarze Pilz" macht Südamerika sorgen: Eine seltene, aber potenziell tödliche, Begleiterscheinung einer Corona-Infektion wurde nun auch in Bolivien nachgewiesen. Die Krankheit wird auch Mukormykose genannt und trat in Verbindung mit Corona zunächst in Indien auf. Inzwischen sind auch Fälle im Irak, Iran, in Uruguay und Guatemala bekannt.

Wie das bolivianische Gesundheitsministerium mitteilte, ist ein 42-jähriger Patient betroffen, der Ende Juli in ein Krankenhaus der Stadt Cochabamba eingeliefert wurde. Er musste sich zwei Operationen unterziehen und wurde aufgrund seiner Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt. Danach seien seine Zähne ausgefallen.

Schwarzer Pilz durch Corona-Infektion: Mukormykose wird durch Pilzsporen übertragen

Wie das ZDF berichtet, ist die Krankheit eigentlich selten, kann aber schwere Beschwerden auslösen und in vielen Fällen auch zum Tod führen. Der Ursprung des "Schwarzen Pilzes" geht auf bestimmte Schimmelpilze zurück, die in der Erde oder absterbendem organischem Material wachsen. "Atmen Menschen die Sporen ein oder gelangen diese in offene Wunden, kann dies zu Infektionen führen", so der Leiter des Europäischen Exzellenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen an der Uniklinik Köln, Oliver Cornely im Gespräch mit der dpa. Besonders immungeschwächte Menschen und Diabetiker sind dafür anfällig.

Die Sporen der Schimmelpilze können vom Wind weitergetragen werden. Von Mensch zu Mensch ist die Infektion nicht übertragbar. Luftbefeuchter in Krankenhäusern oder Sauerstofftanks, die verschmutztes Wasser enthalten, können die Pilze ebenfalls verbreiten, berichtet die Tagesschau. Der Pilzbefall ist sehr aggressiv, sodass das befallene Gewebe schnell abgetragen werden muss. Daher kommt auch der Beiname "Schwarzer Pilz": Der Erreger kann das Gewebe, zum Beispiel in der Nase, in kurzer Zeit schwarz verfärben und absterben lassen.

In manchen Fällen müssen Kiefer, Nasen oder Augen entfernt werden, um ein Vordringen des Pilzes ins Gehirn zu vermeiden. Weitere Symptome der Mukormykose können Sehstörungen, Schmerzen in Kopf und Brust oder Atembeschwerden sein.

Schwarzer Pilz: Diabetiker sind besonders betroffen

Ein durchschnittlich intaktes Immunsystem kann die Infektion normalerweise abwehren. Doch die durch Corona immerhin geschwächten Immunsysteme schaffen das oft nicht mehr. Dann kann es zu einem Zytokin-Sturm kommen und die Infektion greift die Organe an. Wird sie nicht rechtzeitig behandelt, endet die Pilzinfektion laut Weltgesundheitsorganisation in etwa der Hälfte der Fälle tödlich.

Diabetiker sind besonders gefährdet, da ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel die Schleimhautzellen in den Atemwegen verändert. So könne der Pilz dort andocken und zu wachsen beginnen, so Cornely von der Uniklinik Köln.

Aus diesem Grund wär vermutlich die Zahl der Betroffenen in Indien so hoch. Schätzungsweise gab es 140 Erkrankte mit "Schwarzem Pilz" pro Million. Die Zeitung "The Indian Express" berichtet von bislang mehr als 1200 Toten in Folge des "Schwarzen Pilzes" allein im Bundesstaat Maharashtra und beruft sich dabei auf jüngste Daten des Gesundheitsministeriums in Indien. In westlichen Ländern wird von einer wesentlich geringeren statistischen Wahrscheinlichkeit ausgegangen. Die Erkrankung treffe nur etwa einen Menschen pro Million.

Corona-Therapie kann Mukormykose begünstigen

Therapien mit Steroiden wie Cortison begünstigen die Infektion ebenfalls, da sie die Immunabwehr verringern. Cortison wird auch bei der Behandlung von Corona eingesetzt. Dies in Verbindung mit der hohen Zahl an Diabetikern könnte dazu geführt haben, dass Indien bisher besonders betroffen ist. Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass 94 Prozent der Corona-Patienten, die sich mit dem "Schwarzen Pilz" infiziert hatten, unter Diabetes litten.

Zur Behandlung von Mukormykose wird Amphotericin B verwendet. Das allerdings ist in Indien knapp. Zwar wird die Produktion des Medikaments derzeit versucht hochzufahren, laut Gesundheitsaktivisten hätte aber bereits früher gehandelt werden müssen. Wie schon mit Remdesivir im Falle von Corona soll die indische Regierung versäumt haben, schnell Medikamente bereitzustellen.