«Die griechische Demokratie steht vor ihrer vielleicht größten Herausforderung», sagte der konservative Regierungschef dem «Handelsblatt». Der Zusammenhalt sei durch die «steigende Arbeitslosigkeit gefährdet, so wie es gegen Ende der Weimarer Republik in Deutschland war». Eine große Gefahr sei dabei der Aufstieg radikaler politischer Kräfte.

Das Geld für die laufenden Ausgaben des Staates reiche noch bis Ende November, betonte Samaras. «Dann ist die Kasse leer.» Bisher gab es darüber unterschiedliche Angaben. Derzeit prüft die «Troika» der internationalen Geldgeber die Fortschritte Griechenlands bei den Reformen. Von ihrem Bericht, der in diesem Monat vorgelegt werden soll, ist die Auszahlung der nächsten Notkredite abhängig.

Samaras verteidigte das trotz Kürzungen vergleichsweise hohe Verteidigungsbudget Athens. «Wenn unsere Probleme mit der Türkei gelöst wären, könnten wir beim Militär sehr viel mehr sparen», sagte er der Zeitung. Griechenland befände sich in einer auch für die Nato geostrategisch wichtigen Lage. «Gleich nebenan ist der arabische Frühling. Der unruhige Nahe Osten liegt vor unserer Tür.» Griechenland habe bei elf Millionen Einwohnern inzwischen 1,5 Millionen illegale Einwanderer und Flüchtlinge, darunter auch aus Syrien.

Die Griechen hätten durch die Sparmaßnahmen und die desolate wirtschaftliche Lage innerhalb von fünf Jahren mehr als ein Drittel ihres Lebensstandards verloren, sagte Samaras der Zeitung. Daher habe Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den richtigen Ton getroffen, als sie bemerkte, ihr blute angesichts dieser Schicksale das Herz, meinte Samaras. Er lud die Kanzlerin, die in Griechenland teilweise Zielscheibe von Schmähungen ist, nach Athen ein. «Sie ist uns jederzeit willkommen!»

Kritisch äußerte sich Samaras über den FDP-Vorsitzenden und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Dieser sei «offensichtlich nicht unser bester Verbündeter». Rösler hatte im Sommer betont, ein Euro-Austritt Griechenlands sei für die übrige Eurozone verkraftbar. Seitdem hatte sich in der Bundesregierung aber die Ansicht festgesetzt, dass ein Staatsbankrott Athens mit anschließendem Verlassen der Eurogruppe zu große Risiken berge.