Seit dem 24. Februar herrscht in der Ukraine Krieg. Unter dem Kommando von Präsident Wladimir Putin hat Russland sein Nachbarland angegriffen. Putin hat nicht nur seine Atomstreitkräfte in Bereitschaft versetzt, inzwischen gibt es auch ganz offene Drohungen vor allem Richtung Westen. 

Zuletzt hat ein russischer Politiker im Staatsfernsehen über einen Atomschlag gegen Deutschland, Großbritannien und Frankreich geredet. In einer Simulation wurde gezeigt, dass "Berlin in 106 Sekunden" erreicht werden könnte. 

Russland: Kann Putin selbst den "roten Knopf" drücken?

Die von Putin erklärte erhöhte Kampfbereitschaft ist jedoch nur die zweite Stufe von der vollen Kampfbereitschaft, erklärt der Generalmajor Boris Solowjow in der Zeitung "Komsomolskaja Prawda". Er selber war früher bei den entsprechenden Streitkräften tätig. Erst bei der nächsten Stufe würden die Waffen scharf gestellt und somit würden beispielsweise Raketen mit Atomsprengköpfen versehen. "Es gibt vier Stufen, in denen hochgefahren wird. Wir befinden uns gerade in Stufe zwei. Das heißt, die Stufen drei und vier sind noch nicht ausgelöst", beschreibt der ehemalige NATO-General Egon Ramms beim ZDF die derzeitige Situation in Russland.

Doch könnte Putin alleine den Abschuss einer Atombombe per Knopfdruck veranlassen und jeden Moment den sogenannten "roten Knopf" drücken? Nein, hinter dem Abschussbefehl einer Atombombe steckt eine ganze Befehlskette, die einige Schritte und Zustimmungen von verschiedenen Personen beinhaltet. So steht es zumindest in einem russischen Dokument namens "Basic Prinziples of State Policy of the Russian Federation on Nuclear Deterrence" aus dem Jahr 2020. Dieses Dokument ist derzeit nicht über die originale russische Website abrufbar, dennoch ist es über digitale Archive im Internet einsehbar.

Demnach kann der russische Präsident, Wladimir Putin,  nicht alleine den Einsatz von Atomwaffen anordnen. Er steht jedoch am Anfang der Befehlskette und trifft die Entscheidung über die Nutzung von nuklearen Waffen. Sollte Putin sich für einen Atombombenabschuss entschieden haben, gibt es auch keinen oft zitierte "roten Knopf" den er drücken muss. Stattdessen kommt einer von drei Atomkoffern ins Spiel. Insgesamt gibt es drei Atomkoffer, die jeweils einen Code beinhalten. Erst mit der Kombination aus zwei Codes kann der Einsatzbefehl für strategische Raketen, Fernbomber oder auch Atom-U-Boote erteilt werden, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet.

Die Drei Träger der Atomkoffer

Sollte sich also Putin für einen Einsatzbefehl entschieden haben, braucht er die Zustimmung von dem Besitzer eines weiteren Koffers. Neben Putin ist sowohl der Verteidigungsminister General Sergei Schoigu als auch der Generalstabschef Waleri Garassimow im Besitz eines Koffers. Putin ist also auf einen der beiden Generäle angewiesen. Dieses Prinzip soll als Kontrollfunktion dienen und als Absicherung gegen einen schwerwiegenden Fehler bei der Anwendung der Nuklearwaffen.

Doch wie unabhängig sind diese drei Personen voneinander? Der Verteidigungsminister Schoigu gilt als enger Vertrauter von Putin. Schoigu ist seit 2012 in diesem Amt tätig und begleitet den Präsidenten regelmäßig beim Jagen und Fischen. Schoigu ist seit mehr als 30 Jahren im Kreml tätig und bestens vernetzt. Zudem war er immer wieder im Gespräch als möglicher Nachfolger für das Präsidentenamt.

Generalstabschef Waleri Gerassimow ist erster Stellvertreter des Verteidigungsministers. Er diente der Sowjetarmee, war Stabschef eines Panzerbataillons und wurde 2012 Generalstabschef der russischen Streitkräfte. Sein Werdegang zeigt: Gerassimow ist durch und durch von der russischen Armee geprägt. Im Sommer erklärte er auf der Moskauer Konferenz für internationale Sicherheit, dass Russland auch Atomwaffen einsetzen werde, wenn die Existenz des russischen Staates bedroht werde.

Diese Szenarien können zum Abschuss von Atombomben führen

In dem russischen Dokument "Basic Prinziples of State Policy of the Russian Federation on Nuclear Deterrence" werden vier Szenarien beschrieben, wie der Einsatz von Atomwaffen aus russischer Sicht gerechtfertigt werden kann, so berichtet der Merkur. Folgende Szenarien rechtfertigen laut diesem Dokument die Verwendung von russischen Atomwaffen:

  • Wenn nukleare Waffen oder Massenvernichtungswaffen gegen Russland oder seine Verbündeten eingesetzt werden.
  • Wenn die Datenlage zeigt, dass das Abfeuern ballistischer Raketen auf Russland oder seine Verbündeten bevorsteht.
  • Wenn ein Angriff auf kritische Regierungs- oder Militärstandorte stattfindet, der die Reaktionsfähigkeit der nuklearen Streitkräfte Russlands schwächen könnte.
  • Wenn konventionelle Waffen gegen Russland eingesetzt werden, "während die Existenz des Staates in Gefahr ist".

Bis heute hat Russland noch nie eine Atomwaffe in einem Krieg eingesetzt. Das Land verfügt über 6255 Atomwaffen, wie in dem aktuellen Jahresbericht des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) berichtet wird. Damit besitzt Russland knapp die Hälfte der 13.080 Atomwaffen, die die neun Atommächte der Erde schätzungsweise in ihrem Besitz haben.

Der Krieg in der Ukraine fordert zahlreiche weitere Opfer: Alle aktuellen Informationen zum Ukraine-Krieg findest du hier.