Der Ukraine-Krieg läuft schlecht für Putins Truppen. Momentan sieht es so aus, als würden Russlands Einheiten eher auf dem Rückzug sein als auf dem Vormarsch. Es ist fraglich, ob sie die eroberten Gebiete halten können oder am Ende gar sowohl die Gebiete im Donbass und gar die Krim wieder verlieren.

Der ukrainische Geheimdienst geht von einem Sieg über Russland noch in diesem Jahr aus, auch wenn Experten einschätzen, dass ein Sieg Russlands noch nicht ausgeschlossen ist.

Putins Plan für die Ukraine: Will er immer noch das ganze Land erobern?

Dabei waren die ursprünglichen Pläne Putins für die Ukraine anders. Das zeigen einmal mehr Pläne, die laut ukrainischen Behörden von russischen Truppen bei ihrem Rückzug aus der ukrainischen Kleinstadt Trostyanets zurückgelassen wurden und gefunden wurden.

Die Dokumente würden einen Einblick in die russischen Operationspläne geben. Sie zeigen, was Putin geplant hatte und wohl auch, dass sich an diesen Plänen wenig bis nichts geändert hat. 

Die ukrainischen Behörden teilen mit, dass sie die Dokumente weiter auswerten, aber sie erklärten bereits, dass die Pläne zeigen, dass "Russland sich darauf vorbereitet, das gesamte Territorium der Ukraine zu erobern." Das passt zu den Äußerungen Putins zu Beginn des Konflikts und zu den bisherigen Informationen, die auch der Nato vorliegen. „Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, dass Präsident Putin seine Ambitionen aufgegeben hat, die gesamte Ukraine zu kontrollieren“, so Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im April.

Dokumente im ehemaligen Hauptquartier gefunden

Die Pläne aus Trostyanets dürften so umfangreich sein, weil dort bis vor kurzem noch das Hauptquartier der russischen Truppen im Norden der Ukraine lag. Der Bahnhof sei laut France24 als Hauptquartier für die Militäroperation in der nördlichen Ukraine genutzt worden und auch als Umschlagplatz für Kriegsmaterial bei der Schlacht um Kiew.

Inzwischen wurde das Hauptquartier aufgegeben und verlegt. Ursprünglich sah der Plan wohl vor, dass das Oberkommando nach der Einnahme Kiews dorthin umzieht.

Daraus wurde nichts, die russischen Truppen haben sich stattdessen zurückgezogen. Vorerst gibt es keine weiteren Bemühungen, die Hauptstadt Kiew zu erobern. 

Der Kampf um die Ostukraine - nur ein Zwischenschritt?

Inzwischen konzentrieren sich Russlands Angriffe auf den Osten der Ukraine, wo sich die separatistischen Provinzen im Donbass und Lugansk befinden.

Derzeit scheint es das kurzfristige Ziel der russischen Armee zu sein, eine Landbrücke zwischen der Ostukraine und der Krim herzustellen und einen möglichen Weg nach Transnistrien freizumachen. Dies ist eine abtrünnige Provinz in der Republik Moldau, wo bereits längere Zeit russische Truppen stationiert sind. 

Es ist unklar, ob dies nur ein kurzfristiges Umschwenken ist oder ob Putin die Eroberung Kiews und der ganzen Ukraine aufgegeben hat. Die aktuell gefundenen Dokumente sprechen eher dafür, dass Putin diesen Plan nicht aufgegeben hat. „Wir wissen nicht, ob sich Putins Ziele geändert haben und er Kiew wirklich aufgegeben hat“, so Avril Haines, stellvertretende Direktorin des Geheimdienstes CIA. (Daniel Dillmann)