«Wir haben uns im benachbarten Stadtteil Sukkari neu gesammelt und bereiten einen Gegenangriff vor», sagte der örtliche FSA-Kommandeur Abu Omar al-Halebi der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Der Protokollchef von Präsident Baschar al-Assad bestritt indessen, zu den Aufständischen übergelaufen zu sein.

Ein Kameramann, der am Schauplatz der Kämpfe in Salaheddin weilte, berichtete, dort die Leichen von mehr als 25 getöteten Rebellen gesehen zu haben. Auch Zivilisten seien in den Kämpfen ums Leben gekommen. An den Gebäuden sei enormer Schaden entstanden. Einige seien bis auf den Grund zerstört worden - ein Indiz für den Einsatz von Flugzeugbomben und schwerer Artillerie durch die Regimetruppen.

Das syrische Militär hatte am Vortag einen neuen Anlauf gestartet, um die Aufständischen aus der seit fast drei Wochen umkämpften Millionenstadt zurückzuschlagen. Beide Konfliktparteien wie Beobachter sehen im Ausgang der Schlacht um Aleppo eine Vorentscheidung mit Blick auf das Schicksal des Regimes von Baschar al-Assad. Nach Angaben der syrischen Menschenrechtsbeobachter in London wurden in dem Bürgerkriegsland allein am Mittwoch 170 Menschen getötet, davon 43 in Aleppo.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sitzt in Aleppo auch ein Deutscher im Gefängnis. Nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» beschwert sich der 51-Jährige, der auch einen syrischen Pass hat, über mangelhafte Unterstützung durch die Bundesregierung. Nach der Erschießung von anderen Häftlingen fürchte er um sein Leben.

Assads Protokollchef Moheddin Muslimani bestritt derweil, zu den Aufständischen übergelaufen zu sein. «Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfüllen meine Pflicht im Präsidentenpalast», zitierte ihn die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Donnerstag. Wenige Stunden zuvor hatte der saudische Nachrichtensender Al-Arabija berichtet, Muslimani habe sich zu den Rebellen abgesetzt.

Assad ernannte am Donnerstag den bisherigen Gesundheitsminister Wael al-Halki zum neuen Ministerpräsidenten, wie das staatliche syrische Fernsehen berichtete. Er ersetzt den bisherigen Regierungschef Riad Hidschab, der am Montag zu den Aufständischen übergelaufen war und sich inzwischen im Ausland aufhält.

Indes versucht der Iran, der engste Verbündete des Assad-Regimes in der Region, sich diplomatisch ins Spiel zu bringen. Außenminister Ali-Akbar Salehi eröffnete am Donnerstag in Teheran eine Konferenz zur Lage in Syrien. Nach seinen Angaben kamen Vertreter aus 30 Ländern zu der Konferenz, darunter auch Abgesandte aus Russland und China. Es handle sich um Staaten, die eine «realistische Position» im Syrien-Konflikt vertreten würden. Saudi-Arabien und die Türkei, die - anders als der Iran - die syrischen Rebellen unterstützen, blieben dem Treffen fern. Nur drei Länder schickten ihre Außenminister.

«Der Iran hat stets alle Bemühungen für Frieden in Syrien unterstützt und beabsichtigt, dies auch mit dieser Konferenz zu tun», sagte Salehi bei seiner Eröffnungsrede. «Militärische Optionen, Entführungen und ausländische Einmischung haben dem Land bis jetzt nicht geholfen und werden dies auch in Zukunft nicht tun», so Salehi weiter.