Der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts Ludwigsburg, Prof. Frank Baasner, hat vor einem Sieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl gewarnt.

«Ein Sieg von Le Pen wäre eine Vollbremsung für alle europäischen Bemühungen», sagte Baasner der «Passauer Neuen Presse». Eine Wiederwahl des Amtsinhabers Emmanuel Macron «wäre in jeder Hinsicht in deutschem Interesse.» Deutschland und Frankreich hätten in verschiedenen Bereichen «ein dichtes Geflecht von bilateralen Beziehungen». Ob dieses erhalten bleibe, hänge entscheidend vom Wahlausgang ab.

Der Direktor des Deutsch-Französischen Instituts glaubt an einen Wahlsieg Macrons. «Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er wiedergewählt wird, aber garantiert ist das nicht. Für Deutschland würde seine Wiederwahl Kontinuität und Fortsetzung der engen Beziehungen bedeuten.» In Frankreich gebe es «eine ganz klare Tendenz zur Stärkung des konservativen-rechten-rechtsextremen Lagers», sagte Baasner. Das belegten «alle Umfragen und Ergebnisse der letzten Jahre». Wegen der Schwäche der Konservativen habe Le Pen die Chance, die Stimmen im gesamten rechten Lager einzusammeln.

Erste Stimmen werden in Überseegebieten abgegeben

Den Startschuss zur Wahl machte die kleine französische Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Ostküste. Am Samstagmittag (8.00 Uhr Ortszeit) öffneten hier die drei ersten Wahllokale, wie eine Sprecherin des Rathauses in Saint-Pierre der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Der Großteil der Französinnen und Franzosen kann am Sonntag wählen, Ergebnisse gibt es dann am Abend. Wegen der Zeitverschiebung wird in einigen Überseegebieten aber bereits am Samstag abgestimmt - so auch in Französisch-Guyana, auf Guadeloupe, auf Martinique und in Französisch-Polynesien.

Stichwahl am 24. April wahrscheinlich

Umfragen sehen Macron bei der Wahl vorne, auch wenn der Abstand zu Le Pen zuletzt immer geringer wurde. Eine finale Entscheidung über das Präsidialamt wird für die erste Runde aber noch nicht erwartet. Sollte wie vermutet keiner der insgesamt zwölf Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen erreichen, findet am 24. April eine Stichwahl zwischen den zwei Bestplatzierten statt.

Hoffnungen auf den Einzug in die Stichwahl macht sich auch der Linke Jean-Luc Mélenchon. In Umfragen landete er zuletzt beständig auf Rang drei - wenn auch mit deutlichem Abstand zu Macron und Le Pen. Die weiteren Kandidatinnen und Kandidaten dürften kaum von Bedeutung sein. Die traditionellen Volksparteien der Sozialisten und Republikaner schafften es im Wahlkampf kaum, Akzente zu setzen und steuern voraussichtlich auf eine deutliche Schlappe zu.

Kaufkraft wichtigstes Wahlkampfthema

Unter dem Einfluss des Kriegs in der Ukraine in den Hintergrund gerückt, nahm der Wahlkampf in Frankreich zuletzt vergleichsweise wenig Raum ein. Das wichtigste Thema war die Kaufkraft, auch bedingt durch den rasanten Preisanstieg beim Sprit. Mit Spannung und leichter Sorge wird auch auf die Wahlbeteiligung geschaut. Institute sagten voraus, dass bis zu 30 Prozent der Wählerschaft der Abstimmung fern bleiben könnten. Drei von zehn Franzosen wussten kurz vor der Wahl noch nicht, für wen sie stimmen werden. Auch die Bindung an eine Partei hat nachgelassen, es gibt weniger Stammwähler als früher.

Noch im Herbst hatte das rechte Lager den Wahlkampf klar dominiert. Le Pen und der rechtsextreme Politikneuling Éric Zemmour trieben die anderen Kandidatinnen und Kandidaten mit Themen wie Migration, Sicherheit und nationale Identität vor sich her.

Der französische Präsident hat weitreichende Machtbefugnisse und amtiert für fünf Jahre. Er ist mächtiger als der von ihm bestimmte Premierminister und beeinflusst die Geschicke des Landes maßgeblich. Insgesamt 48,7 Millionen Menschen sind für die Wahl eingeschrieben.