Dies berichteten mehrere malische Radio- und Fernsehsender unter Berufung auf Journalisten, die die Auszählung in verschiedenen Landesteilen beobachteten. Demnach könnte der 68 Jahre alte Politveteran bereits im ersten Wahlgang die 50-Prozent-Hürde genommen haben.

Das Ministerium für Territoriale Verwaltung muss das offizielle Ergebnis laut Verfassung bis spätestens Freitag vorlegen. Es handelt sich um die erste Abstimmung in Mali nach dem Krieg gegen militante Islamisten, die den Norden des Landes abspalten wollten.

Insgesamt 27 Kandidaten hatten sich um den Posten des Staatschefs beworben. Keita galt zusammen mit dem früheren Finanzminister Soumaila Cissé (63) als Favorit.

Keita, der von seinen Anhängern «IBK» genannt wird, war seit 2002 auch Parlamentspräsident. Er gilt als politischer Veteran. Keita hatte bereits mehrmals erfolglos bei Präsidentenwahlen kandidiert. IBK-Fans feierten seit den frühen Morgenstunden auf den Straßen der Hauptstadt Bamako.

«Er ist unser Mann, er liebt Mali», sagte der Taxifahrer Mohamed Diarra (45). «IBK ist der starke Anführer, den unser Land braucht.» Der Wächter Gnegne Diallo fügte hinzu, dass Keita als ehrlicher Politiker gilt: «Er wird nicht von Mali stehlen, und er wird diejenigen bestrafen, die korrupt sind.»

Die Abstimmung, die viele Beobachter als «historisch» bezeichneten, war trotz zahlreicher Drohungen von Dschihadisten und Tuareg-Rebellen friedlich verlaufen. Tausende französische und afrikanische Soldaten waren im Einsatz, um die Sicherheit der Wähler zu gewährleisten.

Im Süden war die Wahlbeteiligung Berichten zufolge größer als je zuvor. Im krisengeschüttelten Norden hingegen fiel sie geringer aus, weil viele Bürger Angst vor Anschlägen hatten und die Sicherheitslage allgemein noch sehr prekär ist.

«Ich bin erleichtert, dass die Wahl im Wesentlichen ruhig und ohne größere Sicherheitsvorfälle durchgeführt werden konnte», erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Montag. Die sich abzeichnende hohe Wahlbeteiligung zeigt den großen Willen der Menschen Malis, den demokratischen Neuanfang zu unterstützen.»

Der französische Präsident François Hollande sieht Mali nach der Wahl auf dem Weg zur verfassungsmäßigen Ordnung. «Die beispiellose Beteiligung zeigt das Engagement der Malier für demokratische Werte», betonte er.

Die Kampagne Keitas stand unter dem Slogan «Für die Ehre von Mali». Damit spielte er auf die Machtübernahme im Norden durch radikale Islamisten und Separatisten an, die in der Region im vergangenen Jahr zeitweise die Kontrolle übernommen und schwere Menschenrechtsverletzungen begangen hatten.

Vorausgegangen war ein Militärputsch in der Hauptstadt Bamako und der Sturz des langjährigen Präsidenten Amadou Toumani Touré. Seither war eine Übergangsregierung unter Dioncounda Traoré im Amt. Er durfte sich bei der Abstimmung nicht zur Wahl stellen.

Durch das Eingreifen Frankreichs im vergangenen Januar konnten die besetzten Gebiete mittlerweile aus den Händen der Extremisten weitgehend befreit werden. Die ehemalige Kolonialmacht hatte 4500 Soldaten entsandt, von denen derzeit noch 3200 in Mali sind. Sie werden von einer UN-Friedenstruppe unterstützt.