Fast drei Wochen nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine hat Präsident Wladimir Putin schwere Vorwürfe gegen den Westen erhoben. Seinen Worten nach drängen die westlichen Schutzherren die Ukraine zu einer Fortsetzung des Blutvergießens. Sie lieferten Waffen, Informationen und schickten Söldner in das Nachbarland, sagte Putin in Moskau bei einer Sitzung zur sozialen und wirtschaftlichen Lage. Russland werde aber nicht zulassen, dass die Ukraine zum Aufmarschgebiet einer Aggression gegen Russland werde.

Zugleich verteidigte der Kremlchef den Militäreinsatz im Nachbarland: "Alle diplomatischen Möglichkeiten waren ausgeschöpft." Zugleich versicherte Putin, dass russische Truppen nahe Kiew oder anderer Städte nicht bedeute, dass sie die Ukraine besetzen wollten. "Ein solches Ziel haben wir nicht." Der Westen hatte auf den Angriffskrieg mit beispiellosen Sanktionen gegen Moskau reagiert.

Putin streitet Schuld im Krieg ab: Besetzung der Ukraine sei nicht das Ziel

Die russische Wirtschaft werde sich an die Gegebenheiten der westlichen Sanktionen anpassen, sagte Putin am Mittwoch (16. März 2022). Der "Plan eines ökonomischen Blitzkriegs gegen Russland" sei nicht aufgegangen. Er versprach der russischen Bevölkerung Hilfen und Erleichterungen.

An die Bürger westlicher Länder gerichtet sagte Putin: "Wenn man Sie jetzt mit Nachdruck überzeugen will, dass ihre Schwierigkeiten das Ergebnis feindlicher Handlungen Russlands sind, dass aus ihrer Tasche der Kampf gegen eine erdachte russische Bedrohung bezahlt werden muss - dann ist das eine Lüge."

Auch in einer TV-Ansprache stritt Putin feindliche Aktionen in der Ukraine ab und behauptete, seine Soldaten "tun alles in ihrer Macht stehende, um Verluste unter der Zivilbevölkerung ukrainischer Städte zu vermeiden." Die "Sonderopration" - so bezeichnet der Kreml den Krieg - entwickle sich erfolgreich, die Taktik habe sich "voll und ganz bewährt". Die große Zahl der Opfer, sowohl auf ukrainischer als auch russischer Seite, lässt Russlands Machthaber dabei offenbar außer Acht.

Russland sucht weiter Gründe für den Einmarsch - Westen mitschuldig am Krieg

Wie aus der Rede hervorgeht, sucht Putin scheinbar auch weitere angebliche Gründe für den Einmarsch in der Ukraine. Die Liste ist inzwischen lang: Völkermord in Donbass, Nicht-Einhaltung des Minsker Abkommens, ein "Pro-Nazi-Regime", das der Nato beitreten will. Nun wirft Putin der Ukraine vor, mithilfe der USA biologische Waffen herzustellen. "Uns blieb einfach keine Möglichkeit, Probleme, die ohne unser Verschulden entstanden sind, friedlich zu lösen", so Putin. Russland hätte nicht anders handeln können.

Auch dem Westen schob er in seiner Ansprache Schuld für den Beginn des Krieges zu. "Heute muss der gesamte Planet genau den Preis für die Ambitionen des Westens zahlen, für seine Versuche, mit allen Mitteln seine schwer fassbare Dominanz aufrechtzuerhalten." Das Ziel des Westens sei "die Zerstörung Russlands". Russland hatte das kleinere Nachbarland Ukraine am 24. Februar angegriffen.

mit dpa

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