Zugleich sagte Niebel am Montag in Amman der jordanischen Führung zu, dass Deutschland ihren Reformprozess weiter begleiten und unterstützen werde. Durch den Arabischen Frühling hätten die Reformen in dem östlichen Nachbarland Israels eine neue Dynamik erhalten. Jordanien war die erste Station einer viertägigen Reise Niebels durch den Nahen Osten. Am Mittwoch reist der FDP-Politiker in das Westjordanland weiter. Einen Tag später schließt er seinen Besuch in Israel ab.

Der westlich orientierte König Abdullah II. mahnt zwar zu Reformen, allerdings sollen die sozialen und politischen Spannungen dadurch nicht noch vergrößert werden. Etwa die Hälfte der jordanischen Bevölkerung sind Nachfahren von Palästinensern, die seit 1948 aus dem heutigen Israel und den besetzten Gebieten geflohen sind. Schätzungen zufolge liegt die Armutsrate bei 14 Prozent, und die Jugendarbeitslosigkeit ist sehr hoch.

«Wasser und Energie spielen bei unserer wirtschaftlichen Entwicklung eine zentrale Rolle», sagte Planungsminister Jaffar Hassan bei einem Treffen mit Niebel. Jordanien sei ein Hort der Stabilität in der Region, aber das wirtschaftliche Wachstum habe sich von früher jährlich etwa 7,0 Prozent auf zuletzt 2,5 Prozent abgeschwächt. Schuld seien unter anderem die häufigen Unterbrechungen der Erdgaszufuhr aus Ägypten, die Krise im Nachbarland Syrien und ein Rückgang des Tourismus.

Um wieder ein größeres Wirtschaftswachstum zu erreichen, sei deutsche Hilfe unerlässlich - in den Bereichen Wasser, Energie und Bildung, sagte Hassan. Niebel betonte den grundsätzlichen deutschen Willen, auch in Zukunft Hilfe zu leisten. «Mit meinem Besuch möchte ich (...) Jordanien zu weiteren Reformschritten ermutigen. Die Bundesregierung wird die Reformprozesse in Jordanien weiter begleiten und durch konkrete Beratung unterstützen», sagte der Minister.

Deutschland und Jordanien arbeiten besonders eng im Wasser- und Energiebereich zusammen. Wasser wird in dem extrem trockenen Land immer noch verschwendet. Außerdem wächst die Bevölkerung schnell, und der Wasserbedarf steigt rapide. Zudem schlagen die Kosten für importierte Energie, die zu einem großen Teil für den Transport und die Aufbereitung von Wasser verbraucht wird, im Staatshaushalt schwer zu Buche. Wasser- und Energiepreise sind stark subventioniert.