• Nebenwirkungen nach Corona-Impfung mit Biontech-/Pfizer
  • Herzmuskelentzündungen würden vor allem nach der zweiten Impfung auftreten
  • Israelische Studie stellt fest: Betroffen sind vor allem junge Männer

In vielen Medien wird Israel als bisheriger Impfweltmeister bezeichnet. Im Land wurden bereits rund 60 Prozent der Bevölkerung mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft. Seit der Veröffentlichung einer israelischen Studie steht nun allerdings die Frage im Raum, ob die Impfung vor allem für junge Männer schwere Nebenwirkungen haben könnte. Laut den Ergebnissen könnte es eine Verbindung zwischen der Verwendung des Impfstoffes von Biontech/Pfizer und dem Auftreten einer Myokarditis, einer Herzmuskelentzündung, geben. 

Corona-Studie: Biontech-Impfung kann Herzmuskelentzündung auslösen

Wie israelische Medien berichten, sprach das israelische Gesundheitsministerium am Dienstag (01.06.2021) von einem möglichen Zusammenhang zwischen der zweiten Dosis des Impfstoffes von Biontech/Pfizer und Fällen von Herzmuskelentzündungen. Zwischen Dezember und Mai traten nach Angaben des Gesundheitsministeriums unter den mehr als fünf Millionen Geimpften insgesamt 275 Fälle von Herzmuskelentzündungen auf.

Bereits im April verkündete das israelische Gesundheitsministerium, dass es "einige Fälle einer Herzentzündung" untersucht, welche bei Menschen auftraten, die mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer behandelt wurden. Damals war die Sachlage noch undurchsichtig. Eine umfangreiche Studie lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.

Nun konnten erste größere Untersuchungen durchgeführt werden. Diese fanden heraus, dass vor allem Männer im Alter zwischen 16 und 30 Jahren von der Herzmuskelentzündung betroffen sind. Besonders bei 16- bis 19-Jährigen sei dies häufiger beobachtet worden als in anderen Altersgruppen. Da der Zusammenhang zwischen den Fällen der Herzmuskelentzündungen und der Impfung noch nicht bewiesen ist, wird er nach Angaben des Studienleiters weiter untersucht. Die meisten Patienten wurden nach weniger als vier Tagen aus dem Krankenhaus entlassen und 95 Prozent der Fälle wurden als mild eingestuft.

"Die Fälle von Herzmuskelentzündungen bei 16- bis 19-Jährigen waren selten und sind meist ohne Komplikationen verlaufen", hieß es in der Mitteilung des Gesundheitsministeriums. Wie die dpa berichtet, möchte Israel deshalb kommende Woche mit der Impfung von Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren gegen das Coronavirus beginnen. Nach längeren Beratungen teilte das Gesundheitsministerium des Landes am Mittwoch (02.06.2021) mit, dass die Gefahren einer Erkrankung höher als mögliche Nebenwirkungen der Impfung seien.

Pfizer äußert sich zu Verdacht: "Ein Zusammenhang mit dem Impfstoff wurde nicht festgestellt"

Von der Nachrichtenagentur Reuters auf diesen Umstand angesprochen, schilderte ein Sprecher des Pharmaunternehmen Pfizer: „Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit dem israelischen Gesundheitsministerium, um die Auswertungen unseres Impfstoffes zu überprüfen“. Man sei sich der israelischen Beobachtungen von Myokarditis bewusst. "Unerwünschte Ereignisse werden regelmäßig und gründlich überprüft, und wir haben keine höhere Rate an Myokarditis beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. Ein kausaler Zusammenhang mit dem Impfstoff wurde nicht festgestellt", sagte das Unternehmen.

Israel ist Vorreiter in Sachen Impfung. Fast 60 Prozent seiner 9,3 Millionen Einwohner wurden bislang mit dem Impfstoff von Pfizer versorgt. Vorherige Erhebungen haben bereits verdeutlicht, dass der Impfstoff bei der Verhinderung von Symptomen und schweren Erkrankungen im Zusammenhang mit COVID-19 hochwirksam ist. Das belegen auch die Infektionszahlen: Seit Januar 2021, kurz nach Beginn der Impfkampagne, sanken die täglichen Infektionen von einem Höchststand von mehr als 10.000 auf nur noch 45 (Stand: 11. Juni 2021). Nadav Davidovitch, Direktor der Universität für öffentliche Gesundheit an der israelischen Ben-Gurion-Universität ist der Meinung, dass, selbst wenn ein Zusammenhang zwischen den Myokarditis-Fällen und dem Impfstoff hergestellt würde, dieser nicht so stark ins Gewicht fallen würde, wie der Nutzen des Impfstoffes ist. "Es ist eine Situation, die untersucht werden sollte, und wir müssen auf einen endgültigen Bericht warten. In einer vorläufigen Analyse scheint es, dass das Risiko, durch COVID-19 zu erkranken viel höher ist, als etwaige Nebenwirkungen des Impfstoffs. Zudem ist das Risiko einer Myokarditis nach der Impfung gering und vorübergehend", sagte er.

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Ähnlich sieht das auch der Direktor der Kardiologie in München, Steffen Massberg, so, wie er gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärt. Er sagt, dass auch eine Covid-Erkrankung zu Herzmuskelentzündungen führen könne. Außerdem seien die Symptome oft schwer zu erkennen, was eine zeitige Diagnose zusätzlich erschwere. Wird die Myokarditis nicht behandelt, kann sie zu Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen, so der Experte. Doch er erklärt auch: "In den meisten Fällen aber heilt die Entzündung folgenlos aus". 

Herzmuskelentzündung: Auch in Deutschland Fälle

Auch in Deutschland gab es bereits erste Fälle von Herzmuskelentzündungen. Die Zahlen sind allerdings verschwindend gering, sodass das Paul-Ehrlich-Institut das Vakzin weiterhin als unbedenklich einstuft und es somit uneingeschränkt verwendet werden kann. 

In zwölf von 16 Fällen sind erste Symptome innerhalb einer Woche nach der Impfung aufgetreten. Die Verteilung strukturiert nach Alter sieht wie folgt aus: 

  • Über 70 Jahre: Keine Vorfälle
  • 60 bis 69 Jahre: 1 Mann | 0 Frauen
  • 50 bis 59 Jahre: 1 Mann | 0 Frauen
  • 40 bis 49 Jahre: 1 Mann | 0 Frauen
  • 30 bis 39 Jahre: 3 Männer | 2 Frauen
  • 18 bis 29 Jahre: 6 Männer | 2 Frauen

Paul-Ehrlich-Institut sieht keine eindeutige Verbindung zwischen Impfung und Herzmuskelentzündung

Bei einem möglichen Zusammenhang zwischen sehr seltenen Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und einer Corona-Impfung insbesondere bei jungen Männern ab 16 Jahren hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bislang kein klares Bild. Zwar habe man in den vergangenen Wochen "zunehmend Meldungen über den Verdacht einer Myokarditis oder Perimyokarditis im zeitlichen Zusammenhang mit der Verabreichung von Covid-19-mRNA-Impfstoffen erhalten", heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Sicherheitsbericht des PEI.

Andererseits weise es bezogen auf alle Altersgruppen nicht auf ein Risikosignal hin, wenn man die gemeldeten Fälle zu der Myokarditis-Quote ins Verhältnis setze, die auch ohne Impfung zu erwarten wäre. Dennoch falle bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer auf, "dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen.

Bisher würde es allerdings an Daten fehlen, um eine repräsentative Statistik zu erstellen. Viele Herzmuskelentzündungen würden auch symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen verlaufen.

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