Sie räumten dabei ein, dass die tatsächliche Zahl der Toten noch viel höher sein dürfte. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, appellierte an alle Konfliktparteien, «einen Waffenstillstand zu erklären, bevor Zehntausende weitere Menschen getötet oder verletzt werden.»

Den Angaben nach fallen jeden Monat mittlerweile zwischen 5000 und 6000 Menschen dem Bürgerkrieg zum Opfer. Mehr als 6500 der Opfer seien Minderjährige gewesen - fast 1730 von ihnen Kinder unter zehn Jahren. Die meisten Toten gab es den Angaben nach im Großraum Damaskus, gefolgt von Homs, Aleppo und Idlib. Die Hauptlast des Krieges trage weiter Syriens Zivilbevölkerung.

Die im Auftrag des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte erarbeitete Statistik beziffert die Kriegstoten im Zeitraum von März 2011 bis April 2013 auf exakt 92 901. Für die Studie wurden nur Fälle berücksichtigt, bei denen der Name der Opfer sowie der Ort und das Datum ihres Todes belegt waren. Insgesamt wurden den Angaben nach Datensätze aus acht verschiedene Quellen ausgewertet, in denen sogar mehr als 260 000 Tote aufgelistet waren.

Landesweit gingen die Kämpfe am Donnerstag unvermindert heftig weiter. Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter meldete, Rebellen hätten einen Militärstützpunkt an der Straße zwischen Damaskus und Aleppo gestürmt. Gefechte wurden auch aus Randbezirken von Aleppo sowie aus dem Großraum Damaskus gemeldet. Auch der internationale Flughafen der Hauptstadt geriet unter Beschuss.

Um die Opposition zu unterstützen, lockerten die USA mehrere Wirtschaftssanktionen gegen Syrien. Damit können bestimmte in den USA hergestellte Produkte künftig in Gebiete exportiert werden, die von Rebellen beherrscht werden. US-Firmen können zudem ab sofort beim Finanzministerium Lizenzen für Geschäfte im Öl-, Agrar- und Telekom-Bereich in Syrien beantragen.

Die staatliche syrische Tageszeitung «Al-Thawra» schrieb zudem, arabische und westliche Staaten wollten nun die Rebellen bewaffnen, nachdem ihre anderen Strategien zum Sturz des Regimes gescheitert seien. Vor zwei Wochen hatte die EU ihr Waffenembargo gegen Syrien auslaufen lassen. Der britische Premierminister David Cameron verteidigte das als «wichtigen Schritt nach vorn», der die «Gleichbehandlung» des Assad-Regimes und der Opposition beende.

In Kairo riefen sunnitische Geistliche zum «Dschihad» gegen das syrische Regime auf. Die Einmischung des Irans und der Schiitenmiliz Hisbollah in Syrien komme einer Kriegserklärung gegen den Islam gleich, erklärten sie. Die Mehrheit der syrischen Rebellen sind Sunniten, während Assad den schiitischen Alawiten angehört. Zwischen Sunniten und Schiiten wachsen die Spannungen in der Arabischen Welt.

Für den Blauhelm-Einsatz auf den Golanhöhen sucht die UN nach der Rückzugsankündigung der Österreicher nach Ersatz und ist unter anderem mit skandinavischen Ländern im Gespräch. Österreich stellte zuletzt ein Drittel der Soldaten an der syrisch-israelischen Grenze. Die multinationale Truppe überwacht seit 1974 die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen den beiden Ländern. Im syrischen Bürgerkrieg gerät sie zunehmend zwischen die Fronten.