Die libanesische Hauptstadt Beirut wurde am Dienstag (04.08.2020) von einer Explosion erschüttert. Über hundert Menschen wurden dabei getötet und Tausende verletzt. Viele Menschen werden immer noch vermisst.

Zahlreicher Länder, darunter auch Deutschland, unterstützen den Libanon mit Ärzte-Teams und Katastrophenhelfern. Ursache für die schwere Explosion könnte Ammoniumnitrat sein, das in großen Mengen im Hafen von Beirut gelagert wurde.

Update vom 05.08.2020, 17.30 Uhr: Mindestens acht Deutsche bei Explosion in Beirut verletzt - Merkel sichert schnelle Hilfe zu

Bei der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut sind auch acht Deutsche verletzt worden. Das geht aus einem internen Lagebericht des Technischen Hilfswerks (THW) vom Mittwoch hervor. Einsatzkräfte des THW sollten am Abend zur Unterstützung der Deutschen Botschaft nach Beirut fliegen. Das Botschaftsgebäude war durch die Detonation beschädigt worden.

Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministers Hassan Hamad kamen durch die Explosion am Dienstag mindestens 113 Menschen ums Leben, etwa 4000 weitere wurden verletzt. Die Ursache für die gewaltige Detonation ist noch nicht geklärt.

Zahlreiche Länder haben dem Libanon indes ihre Hilfe zugesagt und schicken Rettungsteams, um die Suche nach verschütteten Opfern zu unterstützen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas haben ebenfalls schnelle Hilfe zugesagt. «Mit großer Bestürzung habe ich von der schweren Explosion in Beirut erfahren, die zahlreiche Opfer gefordert hat», heißt es in einem Kondolenzschreiben Merkels an den libanesischen Regierungschef Hassan Diab. Den Opfern sprach die Kanzlerin ihr Mitgefühl aus. «In dieser schweren Zeit können Sie auf die Hilfe und Unterstützung der Bundesregierung zählen», betonte Merkel.

Ähnlich äußerte sich Maas bei «Bild»: «Ich bin mit meinem libanesischen Kollegen dazu in Kontakt, wie Deutschland jetzt schnell und unbürokratisch helfen kann und habe ihn gefragt, was am Nötigsten gebraucht wird», sagte er. Kräfte des Technischen Hilfswerks würden möglichst noch am Mittwoch nach Beirut aufbrechen, um bei der Suche nach Vermissten zu helfen. «Mit der Bundeswehr und unseren humanitären Helfern schauen wir, wie wir weitere Hilfe für die Aufräumarbeiten und Versorgung der Zivilbevölkerung bereitstellen können.» Das Ausmaß der Zerstörung sei kaum zu fassen, sagte Maas. «Die Bilder der Verwüstung in Beirut treffen uns mitten ins Herz, sie schmerzen.»

Die Bundeswehr prüft noch, welche Hilfe möglich ist, wenn die Regierung in Beirut und der Krisenstab im Auswärtige Amt dies für nötig und machbar halten. Zunächst habe eine Korvette der Deutschen Marine, die als Teil der UN-Mission Unifil von Zypern aus eingesetzt werde, eine brasilianische Unifil-Fregatte in einem Seegebiet vor der libanesischen Küste abgelöst, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die größere Fregatte sei damit für Hilfeleistungen frei geworden. Grundsätzlich einsatzbereit seien auch Maschinen der Luftwaffe für den Transport Schwerverletzter («MedEvac»).

Ursprüngliche Meldung vom 05.08.2020, 08.00 Uhr: Gewaltige Explosion in Beirut: Mindestens 100 Tote und 4000 Verletzte

In der libanesischen Hauptstadt Beirut ist es am Dienstag (04.08.2020) zu einer gewaltigen Explosion gekommen. Ein Brand in einem Lagerhaus löste zunächst eine kleinere Detonation aus, dann folgte eine massive Explosion mit einer verheerenden Druckwelle.

Die Zahl der Toten ist inzwischen auf mindestens 100 gestiegen. Das libanesische Rote Kreuz meldete am Mittwochmorgen zudem etwa 4000 Verletzte. Die Ermittler suchen weiter nach der Ursache für die gewaltige Detonation in der Hauptstadt des Landes am Mittelmeer.

Explosion in Beirut: 2750 Tonnen Ammoniumnitrat als Auslöser?

Nach der gewaltigen Detonation in Beirut mit mindestens 100 Toten und 4000 Verletzten beginnt im Libanon die Suche nach möglichen Ursachen. Ausgelöst haben könnte die schwere Explosion eine sehr große Menge Ammoniumnitrat: Schätzungsweise 2750 Tonnen der gefährlichen Substanz seien jahrelang ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen von Beirut gelagert worden, sagte Ministerpräsident Hassan Diab dem Präsidialamt zufolge. Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es am Dienstag nicht.

Die Explosion stürzte die libanesische Hauptstadt, deren Bevölkerung derzeit schon unter einer schweren politischen und wirtschaftlichen Krise leidet, in noch tieferes Chaos. Durch die Erschütterung zerbarsten Fenster, Trümmerteile schlugen Löcher in Wände. Blutende Menschen wanderten durch Schutt und Staub, einige Straßen waren voller Glasscherben. Große Teile des Hafens wurden vollständig zerstört. Beirut, in dessen Großraum schätzungsweise bis zu 2,4 Millionen Menschen leben, wurde zur «Katastrophen-Stadt» erklärt.

Ammoniumnitrat, das auch zur Herstellung von Sprengsätzen dient, kann bei höheren Temperaturen detonieren. Die Substanz dient zum Raketenantrieb und vor allem zur Herstellung von Düngemittel. Die farblosen Kristalle befanden sich auch in dem Gefahrgutlager der chinesischen Hafenstadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen getötet wurden. In Deutschland fällt die Handhabung von Ammoniumnitrat unter das Sprengstoffgesetz.

Woher stammt das Ammoniumnitrat in Beirut?

Der Stoff könnte von einem Frachtschiff stammen, dem libanesische Behörden laut Berichten im Jahr 2013 wegen verschiedener Mängel die Weiterfahrt untersagt hatten. Das Schiff war demnach von Georgien aus ins südafrikanische Mosambik unterwegs. Der Besatzung gingen dann Treibstoff und Proviant aus, der Inhaber gab das Schiff offenbar auf. Der Crew wurde nach einem juristischen Streit schließlich die Ausreise genehmigt. Das Schiff blieb zurück mit der gefährlichen Ladung, die in einem Lagerhaus untergebracht wurde.

Bei der Detonation hatte sich eine riesige Pilzwolke am Himmel gebildet. Eine Druckwelle breitete sich blitzschnell kreisförmig aus. Noch Kilometer weiter gab es Schäden. Beschädigt wurden der Regierungspalast, die finnische Botschaft und die Residenz von Ex-Ministerpräsident Saad Hariri. Am Suk Beirut, einer modernen Einkaufsgegend, zerbarsten Fensterscheiben. Auch ein Schiff der UN-Friedenstruppen im Libanon (Unifil) wurde beschädigt. Es seien Blauhelm-Marinesoldaten verletzt worden, teilte die Mission mit.

Präsident Michel Aoun rief für Mittwoch eine Dringlichkeitssitzung des Kabinetts ein, um die Ursachen der Explosion zu klären. «Ich werde nicht ruhen, ehe ich den Verantwortlichen kenne und ihm die härteste Strafe gebe», sagte Aoun laut Zitaten des Präsidialamts bei Twitter. Regierungschef Diab erklärte den Mittwoch zum Tag landesweiter Trauer in Gedenken an die Opfer. Für die Stadt wurde ein zwei Wochen langer Notstand verhängt.

Mitarbeiter der Deutschen Botschaft unter den Verletzten - Regierungen äußern Mitgefühl

Regierungen anderer Länder zeigten sich betroffen und stellten rasche Unterstützung in Aussicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich «erschüttert», wie die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer die Kanzlerin zitierte. Deutschland stehe dem Libanon in der «schweren Stunde zur Seite», twitterte Außenminister Heiko Maas. Das Gebäude der Deutschen Botschaft wurde bei der Explosion beschädigt. Auch Mitarbeiter der Deutschen Botschaft seien unter den Verletzten. Es könne zudem nicht ausgeschlossen werden, dass weitere deutsche Staatsangehörige unter den Opfern und Verletzten sind, teilte das Auswärtige Amt in Berlin mit.

Auch die Europäische Union und Frankreich - frühere Mandatsmacht des Libanon - stellten Hilfen in Aussicht. UN-Generalsekretär António Guterres reagierte bestürzt und drückte den Familien der Opfer sein «tiefstes Beileid» aus. US-Präsident Donald Trump schien den Vorfall als Anschlag einzustufen: Seine «Generäle» gingen von einer Art Bombe aus, sagte Trump im Weißen Haus. Die Explosion deute nicht auf einen Unfall hin, sagte Trump unter Berufung auf seine Militärberater.

Selbst Israel, das mit dem benachbarten Libanon keine diplomatischen Beziehungen pflegt, bot über ausländische Kanäle «medizinische humanitäre Hilfe» an. Offiziell befinden sich beide Länder noch im Krieg. Spekulationen, dass Israel hinter der Explosion stecken könnte, räumte Außenminister Gabi Aschkenasi aus.