Unwetter, Hitze-Feuer, Starkregen: Die aktuelle extreme Wetterlage lässt viele Menschen fassungslos zurück. Waldbrände in den USA und Kanada, Hochwasser in Deutschland und sogar Schnee in Brasilien. Während Deutschland nun den mildesten Sommer seit längerem erlebt, hat ein weiteres Wetter-Extrem in Südeuropa zugeschlagen. Seit Wochen hält sich eine lebensgefährliche Hitzewelle über der Region und sorgt für Temperaturen bis zu 47 Grad.

Wie der Diplom-Meteorologe Dominik Jung berichtet, war der Auslöser dafür heiße Sahara-Luft aus Nordafrika, die in Richtung Europa gezogen ist. Der Auguststart hat daher gerade in südlicheren Ländern heftig zu Buche geschlagen. Besonders betroffen sind bisher Sizilien, Süditalien, Griechenland, die Türkei und auch die Balkanregion. Die Höchstwerte liegen seit Tagen bei 40 bis 45 Grad. Wie die Experten von The Weather Channel berichten, wurde im Norden Griechenlands der bisherige Hitze-Höhepunkt gemessen: 47,1 Grad. Zum europäischen Rekord von 48 Grad, der im August 1977 in Athen gemessen wurde, fehlen nur noch zehntel Grad. Derartige Temperaturen können tödlich sein: Eine ähnlich lange und heftige Hitzewelle habe laut Dominik Jung in Griechenland 1987 über 4000 Todesfälle verursacht.

Lebensgefährliche Hitzewelle trifft Südeuropa: Brände wüten in Urlaubsregionen

Selbst nachts liegen die Temperaturen in Griechenland oft noch über 30 Grad, so Jung. "Das ist selbst für diese Region sehr ungewöhnlich und für den menschlichen Kreislauf eine extreme Belastung." Einige Meteorologen sprachen im griechischen Rundfunk bereits von einer "historischen Hitzewelle". Auch Urlauber sollten vorsichtig sein, nicht nur in Griechenland. In vielen beliebten Urlaubsländern sind aufgrund der extremen Hitze Brände ausgebrochen. Neben Griechenland kämpfen Feuerwehren in der Türkei, Italien, Nordmazedonien, Albanien und im Kosovo ebenfalls gegen mehrere Feuer. Auch in Bulgarien und Spanien gab es bereits Waldbrände.

In Italien sind bislang zwei und in der Türkei schon acht Menschen bei Bränden ums Leben gekommen. Etliche Regionen an der Mittelmeerküste mussten evakuiert werden, darunter auch viele Hotels. Ganze Landstriche wurden zerstört. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Nach Berechnungen des Amerikanischen Wettermodells breitet sich die heiße und trockene Luft weiter aus. In Teilen Italiens drohen bis zu 50 Grad. "Ja, solche Karten hab ich noch nicht gesehen und man kann nur für Süd-, Südosteuropa hoffen, dass es nicht so kommt", twitterte Clemens Grohs über den Kanal des Wetterportals Kachelmannwetter mit entsprechendem Bild der Wetterkarte.

Extremhitze in Europa zieht weiter: Diese Länder trifft es als nächstes

Kommt es tatsächlich dazu, soll sich diese Rekordhitze laut Berechnungen zumindest nicht lange halten. Die Prognose von Wetterexperte Alexander König von The Weather Channel fällt dagegen sogar etwas milder aus und verspricht bereits zum Wochenende mit einem Temperaturrückgang in Südeuropa auf 40 bis 35 Grad. "Doch das ist noch kein Grund zur Entwarnung", so König. Denn es bleibt trocken, Niederschläge werden höchstens an der Adria erwartet. Die Gefahr für Wald- und Hitzebrände ist also weiterhin hoch.

In der kommenden Woche könne die Hitze sich dann verlagern: In Spanien und Portugal drohen 40 bis 45 Grad. Diese Region war bereits vor wenigen Wochen von einer Hitzewelle mit mehreren Waldbränden betroffen. Kann die heiße Luft auch nach Deutschland ziehen?

Laut Meteorologen bleibt Zentraleuropa weiterhin durch den Jetstream von der Gluthitze abgeschottet. Durch die dauerhafte Erhitzung um das Mittelmeer, verschärfe sich wiederum die Luftmassengrenze, die derzeit am Alpenraum verläuft. Die Folge: Das ganze Wasser, das in der Hitze über dem Mittelmeer verdunstet, macht extreme Regenmengen wahrscheinlich. Vor allem in den südlichen Alpen besteht daher Gefahr von Überschwemmungen oder sogar Erdrutschen.

Deutschland: Meteorologe Dominik Jung beschreibt Sommer als "teuer"

In Deutschland sehen die Prognosen weiterhin einen milden Sommer voraus. Anstelle der Hitzewelle setzt sich bei uns fast herbstliches Wetter durch. Meteorologe Dominik Jung möchte den Sommer 2021 vor allem mit einem Prädikat beschreiben: "teuer". Denn das war er bis jetzt allemal. Kosten, die noch nicht einmal den kompletten Flutschaden mit einschließen, gehen bereits in die Milliarden. Damit schlägt der Sommer, wenn auch nicht in den Temperaturen, zumindest was die Kosten angeht alle sein Vorgänger. Auch im August gibt es laut Jung immer wieder Potenzial für Starkregen. Lokale Überschwemmungen seien damit weiterhin möglich.

Das Wetter im August startet wechselhaft. "Selbst die 25 Grad erreichen wir nur vereinzelt. 30 Grad sind bis Monatsmitte eher sehr selten in Sicht", sagt Jung voraus. Lange Sonnenperioden bleiben somit aus. Manche gehen sogar von Temperaturen von unter 10 Grad im August aus. Verantwortlich für den kühlen Auguststart ist vor allem der Jetstream - dieser schottet Deutschland vor den heißen Saharawinden wie eine unsichtbare Mauer ab und bringt stattdessen kalte Winde aus dem Norden nach Zentraleuropa. Somit werden die "Hundstage" dieses Jahr kühler als sonst.