Nach zwei Wochen Verhandlungen gab es bis zuletzt keine klare Linie bei der Entscheidung über vergleichbare Kriterien für nationale Klimaschutzziele. Dennoch zeigte sich Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) zuversichtlich, dass ein Kompromiss gefunden werde, der es erlaube, von einem Erfolg zu sprechen.

Die Kriterien sind essenziell für eine international abgestimmte Strategie, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Die Verhandlungen in Lima gehen vermutlich in die Verlängerung. Davon unabhängig wollte Hendricks am Freitagabend abreisen. «Das war von Anfang so angelegt, wir sind auf der politischen Ebene herausragend hier vertreten»», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

US-Außenminister John Kerry mahnte alle Staaten am Donnerstag in Lima zum gemeinsamen Kampf gegen die Erderwärmung. Der Klimawandel sei menschengemacht und könne von Menschen aufgehalten werden. «Jedes Land hat die Verantwortung, seinen Teil zu tun», betonte Kerry. Ein Weltklimaabkommen sei nicht nur eine Option, sondern eine «dringende Notwendigkeit». «Tatsache ist, die Zeit läuft uns davon», warnte er.

Die Konferenzleitung präsentierte den 195 Länderdelegationen in der Nacht zum Freitag einen von rund 50 auf 7 Seiten eingedampften Text, der in vielen Punkten aber nur vage Vorgaben für nationale Klimaschutzzusagen enthielt. Strittig ist vor allem, wie stark die Finanzierungsverpflichtung für Industrieländer betont wird.

«Die Europäische Union sollte sich als Brückenbauer profilieren, um die starren Positionen der Industrieländer und der Entwicklungsländer zu überwinden», forderte der SPD-Europaabgeordnete Jo Leinen. Der Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer kritisierte, Europa sei dabei, seine Führungsrolle beim Klimathema zu verlieren. «Sie (die EU) zeigt keinen Ehrgeiz mehr in der Klimapolitik», sagte er der dpa.

Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig sah den Textentwurf kritisch. Es sei keine wirklich robuste Bewertung geplant, ob die Klimaziele der Länder ausreichten, damit der Mensch die Erderwärmung wirkungsvoll bremst. «Der Text ist gefährlich schwach. Die beste Option sieht derzeit nur eine vage Betrachtung der Angebote vor.» Es sei absehbar, dass die Entwicklungsländer in vielen Punkten nicht zustimmten.