Fivizzano

Italien: Steinmeier bittet um Vergebung für Kriegsverbrechen

Deutsche Soldaten bringen vor 75 Jahren in Fivizzano in der Toskana mehr als 400 Zivilisten um - eines von vielen Massakern von Wehrmacht und Waffen-SS in Italien. Die Präsidenten beider Länder gedenken nun am Ort des Massakers der Opfer - und ziehen Lehren für die Gegenwart.
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Steinmeier in Fivizzano
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geht nach einer Kranzniederlegung fu?r die Opfer des Massakers von Fivizzano durch den Ort und begrüßt Besucher. Foto: Bernd von Jutrczenka

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Italien um Vergebung für von Deutschen begangene Kriegsverbrechen gebeten.

Bei einer Gedenkveranstaltung in Fivizzano in der nördlichen Toskana betonten er und Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella am Sonntag, die barbarischen Taten dürften nicht in Vergessenheit geraten. Der sich daraus ergebende Auftrag laute «Nie wieder!», die Antwort darauf müsse ein vereintes Europa sein.

Steinmeier sagte vor Hunderten Bewohnern der Gemeinde Fivizzano: «Ich stehe heute vor Ihnen als deutscher Bundespräsident und empfinde ausschließlich Scham über das, was Deutsche Ihnen angetan haben.» Mit Trauer verneige er sich vor den Toten der Massaker. «Ich bitte Sie um Vergebung für die Verbrechen, die Deutsche hier verübt haben.» Steinmeier, der auf Italienisch sprach, wurde während dieser Passage zweimal vom Beifall der Bürger unterbrochen, die sich auf dem Marktplatz des Ortes versammelt hatten.

In Fivizzano hatten Soldaten der 16. SS-Panzergrenadier-Division «Reichsführer SS» im August 1944 rund 400 Dorfbewohner brutal ermordet. Es handelte sich um eine Vergeltungsaktion nach einem vorausgegangenen Gefecht mit Partisanen, bei dem 16 deutsche Soldaten getötet worden waren. Steinmeier nahm gemeinsam mit Mattarella an der jährlichen Gedenkveranstaltung teil.

Den Überlebenden, Opfern und Nachfahren versicherte er: «Wir Deutsche wissen, welche Verantwortung wir für diese Verbrechen tragen. Es ist eine Verantwortung, die keinen Schlussstrich kennt.»

Auch Mattarella betonte, die Erinnerung an die Gräueltaten und die Toten müsse wach gehalten werden: «Diese Ereignisse sind keine Vergangenheit, die schmerzhaft ist, aber zu den Akten gelegt werden oder gar vergessen werden kann.» Nötig seien Anstrengungen, um den jungen Generationen eine Welt in Frieden zu übergeben, aus der Hass und Abneigung zwischen den Völkern verbannt seien und in der es gegenseitigen Respekt gebe. Steinmeier rief dazu auf, für das vereinte Europa zu streiten.

Steinmeier kritisierte den Umgang mit den Tätern in Deutschland. Es habe viel zu lange gedauert, sich an die deutschen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Italien zu erinnern. «Auch die juristische Aufarbeitung hat in Deutschland viel zu spät begonnen. Deutschland ist damit seiner Verantwortung nicht gerecht geworden.»