Sogar in Israel kann es im Winter kühl werden. Gut ein Dutzend Unerschrockene hält das jedoch nicht davon ab, im berühmten, direkt an der Promenade von Tel Aviv gelegenen Gordon-Schwimmbad ihre Bahnen zu ziehen. Und minütlich bekommen sie mehr Gesellschaft - dank des Grünen Passes.

«Allein am Sonntag haben rund 1000 Menschen ihre Mitgliedschaft erneuert», sagt Ofer Bachenheimer, der die technischen Abläufe des Pools überwacht. Er strahlt, als er von diesem Ansturm berichtet. Kein Wunder: Das Schwimmbad hatte seit Mitte August coronabedingt geschlossen, erst seit Sonntag darf es wieder Besucher empfangen.

Möglich wurde die Wiedereröffnung durch den sogenannten Grünen Pass. Corona-Geimpfte und -Genesene erhalten durch ihn schneller mehr Grundrechte zurück. So dürfen Träger des Ausweises Fitnessstudios, Hotels, Theater oder eben Schwimmbäder besuchen. Auch Beschränkungen für Ungeimpfte wurden aufgehoben, aber längst nicht so viele. Egal ob mit oder ohne Ausweis: Hygiene- und Abstandsregeln müssen weiterhin eingehalten werden.

Nur wer seinen «Grünen Pass» vorzeigen kann, darf nach einem Datenabgleich per Computer seine Mitgliedschaft erneuern und seine Bahnen im Gordon-Schwimmbad ziehen. Einige Mitglieder, die sich nicht impfen lassen wollten, seien sauer gewesen, fühlten sich diskriminiert, sagt Bachenheimer. Aber da sei nichts zu machen. «Wir halten uns an die Regeln.»

Nicht nur einige Hobby-Schwimmer, auch viele andere Impfgegner fühlen sich ungerecht behandelt. Manche von ihnen kritisieren die Vorteile, die der Pass bietet, auch als illegitimes Druckmittel seitens der Regierung. Hitzig diskutiert wird darüber vor allem in sozialen Netzwerken, ansonsten nimmt die Debatte aber nicht so große Dimensionen an wie etwa in Deutschland.

Israels Regierung will so schnell wie möglich so viele Menschen wie möglich impfen, um die Corona-Krise hinter sich zu lassen. Der «Grüne Pass», den jeder Genesene oder Geimpfte eine Woche nach der zweiten Spritze per App nachweisen oder aus dem Internet herunterladen und ausdrucken kann, dient dabei als besonderer Anreiz. Er ist auch mit Einreiseerleichterungen verbunden - den meisten Israelis ist das Reisen seit Pandemiebeginn nur in Ausnahmefällen möglich gewesen.

Nach offiziellen Angaben erhielten seit Beginn der Impfkampagne kurz vor Weihnachten etwa 4,5 Millionen Menschen die Erst- und mehr als drei Millionen die Zweitimpfung. Israel hat rund 9,3 Millionen Einwohner. Davon sind 6,4 Millionen über 16 Jahre alt, nur sie können geimpft werden. Rund 755 000 Israelis gelten als genesen von einer Corona-Erkrankung.

Um Unentschlossene noch zu erreichen, lassen sich die Verantwortlichen immer kreativere Ideen einfallen. Wer sich eine Spritze verabreichen lässt, bekommt dafür schon einmal Pizza oder Hummus als «Belohnung». Geimpft wird in Israel zudem gelegentlich auch abends in Bars. Sogar in den fünf Ikea-Filialen des Landes war dies zuletzt kurzzeitig möglich. Insgesamt 500 Menschen ließen sich dort am Sonntag und Montag impfen, wie ein Sprecher des Rettungsdienstes Magen David Adom sagt.

Der Erfolg der Kampagne stützt sich vor allem auf das digitalisierte Gesundheitswesen und ausreichend zur Verfügung stehenden Impfstoff. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verständigte sich mit dem Hersteller Pfizer auf einen Deal, der vereinfacht lautet: Die Firma stellt die Versorgung mit Impfstoff sicher, das Land liefert dafür Daten zur Impfkampagne, die Aufschluss geben über die Wirksamkeit des Präparats.

Der Aufschrei wegen Datenschutzbedenken fiel dabei in etwa so laut aus wie die Empörung über Nachteile für Ungeimpfte durch den «Grünen Pass». Zuletzt sorgten aber eher Startschwierigkeiten beim Herunterladen von App und Pass für Aufregung. So stürzte die «Ramzor» genannte App bei manchen Anwendern immer wieder ab.

Für Rona Kaiser, die im Gesundheitsministerium die Digital-Abteilung leitet und dort verantwortlich ist für alle Internetseiten und Apps, sind dies «übliche Probleme» einer neuen App. Seit Sonntag habe es vier neue Versionen gegeben, «nun scheint alles sehr gut zu laufen». Nach Kaisers Angaben luden bislang mehr als 500 000 Menschen die App herunter, über 400 000 weitere erstellten sich den «Grünen Pass» über das Internet. Eine der Hauptaufgaben sei es gewesen, eine Balance zwischen Fälschungssicherheit und Benutzerfreundlichkeit zu finden.

Berichte über mangelnde Fälschungssicherheit des Passes hatten zuletzt für Aufsehen gesorgt. Saftige Strafen sollen Betrugsversuche unterbinden. Gesundheitsminister Juli Edelstein droht sogar mit Haft. Tricksenden Gästen des Gordon-Schwimmbads winkt laut Ofer Bachenheimer eine weitere Strafe: der Entzug der Mitgliedschaft - und damit Badeverbot.

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