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Covid-19

Biontech äußert sich zu Vorwürfen: Herzmuskelentzündung nach Corona-Impfung?

Was ist dran an den Vorwürfen, der Impfstoff von Biontech würde zu Herzmuskelentzündung führen? Der Hersteller hat sich dazu jetzt geäußert. Auch in Deutschland hat es erste Fälle gegeben.
 
Biontech-Chef: Bald Impfstoff für Kinder
Ugur Sahin, Vorstandsvorsitzender von Biontech. Foto: Dominik Pietsch/Biontech
  • Biontech schlägt sich aktuell mit Vorwürfen herum
  • Ihres Vakzins gegen Covid-19 soll Auslöser für Nebenwirkungen sein
  • Die Rede ist von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis)
  • Einzelne Fälle in Israel sorgen für Unsicherheit
  • Auch in Deutschland gab es bereits erste Fälle von Herzmuskelentzündungen

Während Deutschland noch immer an der logistischen Herausforderung eines umfassenden Impfangebotes zu scheitern scheint, ist in anderen Ländern bereits eine Herdenimmunität durch Impfungen absehbar. Das beste Beispiel hierfür ist Israel. Rund 60 Prozent der Bevölkerung konnten im Zeitraum vom September bis zum April 2021 bereits mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer versorgt werden. Allerdings steht nun die Frage im Raum, ob die Impfung empfindliche Nebenwirkungen haben könnte. Wie israelische Medien berichten könnte es eine Verbindung zwischen der Verwendung des Impfstoffes von Biontech-Pfizer und dem Auftreten einer Myokarditis, einer Herzmuskelentzündung, geben. Was unterscheidet Impfreaktionen von Nebenwirkungen? Hier geht es zum Faktencheck.

Biontech äußert sich zu Vorwürfen: Herzmuskelentzündung durch Impfstoff? 

Vergangenen Sonntag erklärte das israelische Gesundheitsministerium, dass es „einige Fälle einer Herzentzündung bei Menschen untersucht, die den Impfstoff COVID-19 von Pfizer erhalten haben“. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt könne man allerdings noch keine endgültigen Schlüsse ziehen. 

Der israelische Koordinator für die Pandemiebekämpfung, Nachman Ash, sagte am vergangenen Freitag, 23. April 2021 gegenüber dem israelischen Fernsehsender Channel 12, die Myokarditis sei überwiegend nach der zweiten Impfung aufgetreten. Zudem belege eine vorläufige Studie 62 Fälle bei mehr als 5 Millionen Geimpften. Zwei Menschen - eine Frau und ein Mann - seien dadurch ums Leben gekommen. Er erklärte jedoch auch, dass es unklar sei, ob es sich hierbei um einen ungewöhnlich hohen Anteil handele. 

Die meisten Fälle betreffen Menschen im Alter von bis zu 30 Jahren. Eine Verbindung zu ermitteln sei schwierig, erklärte der Koordinator für Pandemiebekämpfung. Das liege daran, dass eine Myokarditis ein Zustand sei, der oft ohne Komplikationen ablaufe. Die Herzmuskelentzündung könne durch eine Vielzahl von Viren verursacht werden. Zudem sei eine ähnliche Zahl an Fällen bereits in den vergangenen Jahren gemeldet worden.

Herzmuskelentzündung nach Biontech-Impfung: Auch in Deutschland erste Fälle

Auch in Deutschland gab es bereits erste Fälle von Herzmuskelentzündungen. Die Zahlen sind allerdings verschwindend gering, dass das Paul-Ehrlich-Institut das Vakzin weiterhin als unbedenklich einstuft und uneingeschränkt verwendet werden kann.  In zwölf von 16 Fällen sind erste Symptome innerhalb einer Woche nach der Impfung aufgetreten. Die Verteilung strukturiert nach Alter sieht wie folgt aus: 

  • Über 70 Jahre: Keine Vorfälle
  • 60 bis 69 Jahre: 1 Mann | 0 Frauen
  • 50 bis 59 Jahre: 1 Mann | 0 Frauen
  • 40 bis 49 Jahre: 1 Mann | 0 Frauen
  • 30 bis 39 Jahre: 3 Männer | 2 Frauen
  • 18 bis 29 Jahre: 6 Männer | 2 Frauen

Pfizer äußert sich zu Verdacht: "Ein Zusammenhang mit dem Impfstoff wurde nicht festgestellt"

Von der Nachrichtenagentur Reuters auf diesen Umstand angesprochen, schilderte ein Sprecher des Pharmaunternehmen Pfizer: „Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit dem israelischen Gesundheitsministerium, um die Auswertungen unseres Impfstoffes zu überprüfen“. Man sei sich der israelischen Beobachtungen von Myokarditis bewusst. "Unerwünschte Ereignisse werden regelmäßig und gründlich überprüft, und wir haben keine höhere Rate an Myokarditis beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. Ein kausaler Zusammenhang mit dem Impfstoff wurde nicht festgestellt", sagte das Unternehmen.

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Israel ist Vorreiter in Sachen Impfung. Fast 60 Prozent seiner 9,3 Millionen Einwohner wurden bislang mit dem Impfstoff von Pfizer versorgt. Vorherige Erhebungen haben bereits verdeutlicht, dass der Impfstoff bei der Verhinderung von Symptomen und schweren Erkrankungen im Zusammenhang mit COVID-19 hochwirksam ist. Das belegen auch die Infektionszahlen: Seit Januar 2021, kurz nach Beginn der Impfkampagne, sanken die täglichen Infektionen von einem Höchststand von mehr als 10.000 auf nur noch 129. Stand: 23. April 2021.Nadav Davidovitch, Direktor der Universität für öffentliche Gesundheit an der israelischen Ben-Gurion-Universität ist der Meinung, dass, selbst wenn ein Zusammenhang zwischen den Myokarditis-Fällen und dem Impfstoff hergestellt würde, dieser nicht so stark ins Gewicht fallen würde, wie der Nutzen des Impfstoffes ist. "Es ist eine Situation, die untersucht werden sollte, und wir müssen auf einen endgültigen Bericht warten. In einer vorläufigen Analyse scheint es, dass das Risiko, durch COVID-19 zu erkranken viel höher ist, als etwaige Nebenwirkungen des Impfstoffs. Zudem ist das Risiko einer Myokarditis nach der Impfung gering und vorübergehend", sagte er.

Ähnlich sieht das auch der Direktor der Kardiologie in München, Steffen Massberg, so, wie er gegenüber der Süddeutschen Zeitung erklärt. Er sagt, dass auch eine Covid-Erkrankung zu Herzmuskelentzündungen führen könne. Außerdem seien die Symptome oft schwer zu erkennen, was eine zeitige Diagnose zusätzlich erschwere. Wird die Myokarditis nicht behandelt, kann sie zu Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen, so der Experte. Doch er erklärt auch: "In den meisten Fällen aber heilt die Entzündung folgenlos aus". 

Paul-Ehrlich-Institut sieht keine Verbindung

Aktuell lässt sich in Deutschland kein Rückschuss auf eine Verbindung zwischen einer Myokarditis und der Biontech-Impfung ziehen. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts hervor. Das Institut beobachtet die Sicherheit der Impfstoffe.

Derzeit finden sich keine gemeldeten Verdachtsfälle einer Herzmuskelentzündung in Verbindung mit einer Impfung gegen Covid-19. 

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